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Scharfrichterbeil 2015 Kritikerurteil zum Kabarettpreis

Was haben Luise Kinseher und Hape Kerkeling gemeinsam? Beide waren in Passau schon Preisträger des Kabarettpreises Scharfrichterbeil. In diesem Jahr hat es Robert Alan errungen. Ein Beitrag von Christoph Leibold.

Von: Christoph Leibold

Stand: 03.12.2015

Das war schon auffällig, mit welcher Ehrfurcht fast alle der sechs Bewerber ums Passauer Scharfrichter gestern die Bühne betraten. Klar, so manche Bescheidenheitsgeste war ironisch gemeint, aber meist wirkte die Ironie wie das Pfeifen im Walde. Wie der demonstrative Versuch, lässig mit der Wettbewerbssituation umzugehen, der nur leider längst nicht so souverän wirkt wie gewünscht.

Generation Praktikum im Dauer-Casting

Die Generation Praktikum, so schien es zumindest gestern, ist in der Kleinkunst angekommen. Eine Generation, für die das ganze Leben eine Art Dauer-Casting ist, eine fortwährendes Vorsprechen und Schaulaufen mit dem Ziel, den perfekten Eindruck zu hinterlassen. Was – zumindest  im Kabarett – Unsinn ist.

Vom Landbuben zum Hochzeitslader

Der Bayerwaldler Martin Frank jedenfalls ging mit seinen G’schichtln vom naiven Landbuben, den es in die Großstadt verschlagen hat, ebenso leer aus wie der Oberbayern Stefan Kröll, der vor seiner Karriere als Kabarettist Hochzeitslader war und auch auf der Kleinkunstbühne noch so wirkt, als würde er auf einem Familienfest ein paar heitere Begebenheiten aus seinem Leben zum Besten geben.

Ätzend statt nett

Nicht mit Nettigkeiten, sondern mit der Absicht zu ätzen, das aber auch eher bemüht, traten die Niederösterreicher Maurer und Novovevsky an. Mit dem Ergebnis, dass auch Maurer und Novovesky im Wettbewerb auf der Strecke blieben.

Lokalmatadorin auf Platz 3

Wann aber ist etwas so gut ist, dass es auch gut genug ist – in den Augen der Scharfrichterbeil-Jury ebenso wie im restlichen Leben? Die Frage treibt offenbar auch Franziska Wanninger um. So sehr, dass sie sie ins Zentrum ihres Programms gestellt hat. Für Wanninger, als gebürtige Simbacherin quasi die niederbayerische Lokalmatadorin in Passau, reichte es immerhin zum kleinen Scharfrichterbeil für Platz 3.

Hauptthema Selbstoptimierung

Zwingend war das ebenso wenig wie Rang zwei für das österreichische Damenduo Flüsterzweieck, das sich - wie Wanninger und durchaus bezeichnend für diesen Wettbewerbsjahrgang, der so beschäftigt schien mit dem optimalen Auftreten – am Thema Selbstoptimierung abarbeitet. Ansprechende Ansätze waren da durchaus vorhanden. Aber kabarettistisch gäbe es noch jede Menge zu optimieren.

In einer anderen Liga: Robert Alan

Was auch als Fazit über dem gestrigen Abend hätte stehen können, wäre da nicht noch Robert Alan gewesen, nahe Plauen geboren, in Bayreuth aufgewachsen und in einer ganz anderen Liga daheim als die übrigen Beil-Aspiranten. Mit lässigen Liedern zog Alan mal eben locker vom Klavierocker den Stecker aus dem ganzen krampfig aufgeladenen Selbstoptimierungswahn seiner Mitbewerber. Auch er arbeitet sich an seiner Generation ab, aber derart nonchalant, dass man ihm die Selbstironie jederzeit abnimmt.

Ohne Robert Alan wäre es ein stumpfer Jahrgang gewesen. Da hatte die Jury gar keine andere Wahl, als ihm das große Scharfrichterbeil für den 1. Platz zuzusprechen. Es war die einzig richtige Entscheidung.


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