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Martin-Gropius-Bau Videos von Omer Fast

Der israelische Videokünstler Omer Fast erzählt in seinen filmischen Kunstwerken Geschichten von Trauma, Krieg und Beziehungen. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin widmet dem Künstler eine Werkschau seiner Projekte. Von Simone Reber

Von: Simone Reber

Stand: 18.11.2016

Auf dem Boden graublauer Nadelfilz, Metallgitter an der Decke, Kunststoffsitzschalen auf der Stange. Ein einsamer Rollkoffer ist zurückgeblieben und eine gelesene Zeitung. Der israelische Künstler Omer Fast hat im Berliner Martin-Gropius Bau drei Wartebereiche detailgetreu nach empfunden, den Warteraum der Berliner Ausländerbehörde, das Wartezimmer eines Arztes und die Wartehalle im Flughafen. Unmerklich werden die Besucher durch die Gestaltung der Räume ferngesteuert.

"Beim Arzt, bei dem Staatsamt und beim Flughafen gibt es natürlich Mechanismen, die uns kontrollieren, die uns manipulieren. Und in meinen Erzählungen in den Filmen geht es öfter um einen Versuch, sich gegen solche Strukturen zu wehren."

Omer Fast

Vom Trauma des Drohnenpiloten

Während die Anzeigentafel die gestrichenen Flüge auflistet, läuft auf einem Monitor Omar Fasts Film „5000 Fuß ist am besten“ aus dem Jahr 2011. Darin erzählt ein ehemaliger amerikanischer Drohnenpilot dem Künstler von seinem Arbeitsalltag auf einer Militärbasis in der Nähe von Las Vegas.

"Der Typ wacht auf, irgendwann morgens oder abends, isst sein Frühstück oder Abendessen, fährt durch die Wüste morgens oder nachts, und fängt eine Arbeitsschicht an, die elf Stunden lang ist. Und bei der Schicht ist er ganz woanders. Er ist über Pakistan, er ist über Irak oder Jemen und nimmt bei einer kriegerischen Auseinandersetzung teil."

Omer Fast

Den Mann plagen Gewissensbisse, weil er sich für den Tod von Menschen verantwortlich fühlt. Aber, erzählt der Künstler, die Armee habe ein posttraumatisches Syndrom nicht anerkannt, weil der Drohnenpilot nie im Krieg gewesen sei. Latent beunruhigend schweben die Arbeiten von Omer Fast zwischen Paradoxen, zwischen Geheimnis und Geständnis, Tabu und Alltag.

Zivilgesellschaft und Krieg

"Daniel und ich haben darüber geredet und es kommt nicht wieder vor. Reden ist nicht immer die Lösung, Katja."

O-Ton aus Film Continuity

Der Satz, der als Titel über der Ausstellung steht, fällt in dem Film „Continuity“ , der als Langfassung im Kino startet und als kürzere Version in der Ausstellung zu sehen ist. Auch hier geht es um die Frage, wie die Traumata des Krieges die Zivilgesellschaft infiltrieren. Ein Ehepaar, gespielt von Iris Böhm und André Hennicke, lädt junge Männer nach Hause ein, um ihren Sohn zu ersetzen, der im Krieg ums Leben kam. Statt zu reden fügen die trauernden Eltern anderen den Schmerz zu, den sie selbst empfinden.

"Das ist ein Zitat von Menschen, öfter Männern, die im Grunde bedroht sind und gleich das Gefühl haben, dass sie an Autorität verlieren. Und was passiert nach diesem Verlust. Dann schleicht sich etwas anderes rein und das kann Gewalt sein, das kann ein anderes Spiel sein, das kann das Perverse sein, das kann das Befreiende sein."

Omer Fast

Reden ist nicht immer die Lösung

Den Katalog zur Ausstellung hat Omer Fast in den schrillen Farben der Yellow Press gestaltet, mit reißerischen Schlagzeilen und sensationslüsternen Fotomontagen und dem Titel „Reden ist nicht immer die Lösung.“ Nach den amerikanischen Wahlen hat für ihn der Satz eine neue Bedeutung erhalten.

"Ich glaube, man sieht aus diesen Erfahrungen, dass das ganze Gequatsche online von unterschiedlichen Leuten, die eher Randfiguren vor zwei, drei vier fünf Wochen und Jahren waren und immer als Außenseiter oder als Extremisten betrachtet wurden, daß ihr Reden, das immer ausgeschlossen war, plötzlich das Mainstream überholt hat."

Omer Fast

In der klugen Kunst von Omar Fast entsteht die Irritation aus den Widersprüchen. Seine Filme spielen die Neurosen durch, die aus dem Verstummen erwachsen, die Katastrophen, die dann passieren, wenn nicht mehr geredet wird.


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