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Museum Barberini Von Hopper bis Rothko - Amerikas Weg in die Moderne

Im Museum Barberini in Potsdam ist eines der feinsten amerikanischen Museen zu Gast, das erste Museum für die Moderne in den Vereinigten Staaten – die Phillips Collection aus Washington.

Von: Simone Reber

Stand: 19.06.2017

Den Kopf auf die Hand gestützt sitzt die schöne Frau sinnend in ihrem Sessel. Auf Stirn und Wange liegt ein wächserner Schein, erste Silbersträhnen ziehen sich durch das dunkle Haar. Für Susan Behrends Frank, Kuratorin an der Washingtoner Phillips Collection, ist  Thomas Eakins Porträt der Miss Amelia van Buren aus dem Jahr 1891 ein Schlüsselbild, weil Eakins mit der Tradition gefälliger Industriellenporträts bricht, die nach dem amerikanischen Bürgerkrieg populär waren.

"Ich denke, das Porträt setzt sich aus Eindrücken zusammen, die er sah und aus seiner Vorstellung von ihr. Es ist dieses melancholische Porträt einer jungen Frau, die sich in ihrer eigenen Gedankenwelt verliert. Und es bleibt offen, worüber sie genau nachdenkt."

Susan Behrends Frank 

Skandal: Unterricht mit nackten Modellen

Die Geschichte der amerikanischen Moderne beginnt mit einem Skandal. Weil Thomas Eakins für mehr Realismus in der Kunst eintritt, unterrichtet er mit nackten Modellen und wird gefeuert. Sein Einfluss aber wirkt nach. Die großartige Ausstellung "Von Hopper bis Rothko" im Potsdamer Museum Barberini lässt die Entwicklung der amerikanischen Moderne physisch erfahrbar werden. Erst die kleinteiligen französischen Landschaften, noch unter dem Einfluss der Impressionisten mit dem Pinsel getupft. Dann die großflächigen amerikanischen Weiten, die gewaltigen Bergmassive, deren Formen sich in den Bildausschnitten von Vincent Tack schon Mitte der zwanziger Jahre aufzulösen scheinen. An die gedeckten Farben, die stumpfen Flächen knüpfen später die abstrakten Expressionisten an, sagt Ortrud Westheider, die Direktorin des Museum Barberini.

"Das ist etwas, was sich durchträgt, diese Frage dann auch für Georgia O’Keffe oder Arthur Dove, wie kann ich eigentlich eine neue Art von Landschaftskunst bringen. Und die Idee geht dann auch weiter, auch dieser Gedanke des Entgrenzenden, das trägt sich bis in den Abstrakten Expressionismus eines Pollocks oder man spürt es bei Clifford Still auch bei Motherwell, diese Art von Naturbegegnung."

Ortrud Westheider

Duncan Phillips "Experimentierstation"

Die Ausstellung zeigt auch das stete Wechselspiel zwischen europäischer und amerikanischer Kunst. Wie eine "Experimentierstation" stellte sich Duncan Phillips sein Museum der Moderne vor, als er es 1921 mit 33 Jahren in Washington eröffnete. Zum ersten Mal fanden sich die amerikanischen Maler in die europäische Kunstgeschichte eingeschrieben.

"Ich weiß, daß Georgia O’Keffe bei ihrem Besuch in der Phillips Collection begeistert war, daß sie nun Teil eines modernen Museums geworden war. Dass ihre Bilder neben den großen französischen Meisterwerken aus dem 19. Jahrhundert hingen von Renoir oder Daumier oder sogar noch weiter ins 17. Jahrhundert zurück, neben einem El Greco."

Sue Frank

Stilrichtung ab 1918 - Neue Sachlichkeit

Unter den hohen Decken des Potsdamer Museum Barberini wird die Vereinzelung des Individuums in den Stadtansichten der amerikanischen Neuen Sachlichkeit spürbar. Bei Charles Sheeler drängen die Wolkenkratzer so dicht zusammen, dass weder Himmel noch Menschen zu sehen sind. Edward Hoppers geheimnisvolles Gemälde "Sonntag" von 1926 zeigt einen Ladenbesitzer, der allein vor seiner leeren Fensterfront wartet. Mit dem Zweiten Weltkrieg gewinnen wieder die europäischen Traditionen an Einfluss.

"Es war ein Zuzug von sehr vielen europäischen Künstlern, die dann ins Exil kamen und als große Lehrer gewirkt haben. Das ist zum Beispiel Josef Albers. Den wir auch in der Ausstellung als einen Impulsgeber für die Colourfield Malerei aufgenommen haben."

Ortrud Westheider

Mark Rothkos Suche nach der Unendlichkeit ist allerdings nur an einem bescheidenen Beispiel in Acryl auf Papier zu sehen. Dafür verdichtet sich in Sam Francis "Blau" aus dem Jahr 1958 noch einmal die ganze Ausstellung, die Subjektivität als Wahrheit, die Farbe als Gefühl, die Entgrenzung als Dimension münden in der großen Erleichterung der Nachkriegszeit.


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