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150. Geburtstag Max Dauthendey

Der Kulturspeicher erinnert in diesem Jahr an den 150. Geburtstag des Würzburger Dichters und Malers Max Dauthendey. Im Mittelpunkt stehen dabei die Aquarelle, die Dauthendey während seiner letzten Reise auf Java gemalt hat.

Von: Barbara Markus

Stand: 03.07.2017

"Nie war die eine Liebesnacht In deinem Schoß der andern gleich, Dein Leib ist ein Septembermond, An immer neuen Früchten reich."

Max Dauthendey

Das Motiv:  ein Südseetraum wie bei Gauguin – mit Palmen, exotischen Pflanzen und einem Wasserfall in dem sich zwei nackte Eingeborene erfrischen. Der Malduktus:  expressiv bis Holzschnittartig. Aber vor allem sind es die starken  Farben, mit der das 1914 auf der Insel Java entstandene Aquarell besticht. Dort war der deutsche Dichter auf Weltreise  von den Holländern nach Ausbruch des 1. Weltkrieges festgehalten worden. Dort starb er 1918 im Alter von 51 Jahren. .Aber auch vor Java hat Dauthendey gemalt. Den Nachlass hütete die Witwe,  bis sie selbst 1945 im Feuersturm von  Dresden umkam Kuratorin Henrike Holsing zum malerischen Erbe des Dichters: 

"Es war alles geplündert worden. D. h., was wir jetzt haben und was aus alten Bestand in Würzburg war, zum Teil aus dem Stadtarchiv, zum Teil bei uns, ist das einzige, was noch erhalten war, also man geht davon aus, dass er etwa 300 Aquarelle und Zeichnungen hatte, und wir haben in unserem Bestand jetzt aktuell noch 36."

Henrike Holsing

14 davon sind jetzt aus dem Depot geholt worden, um das bildnerische Schaffen von Max Dauthendey zu spiegeln. Sie zeigen eine begabte Hand und auch, dass der Dichter 1896/97 bei der Überwinterung in Paris  mit damals zeitgenössischer Kunst  in Berührung gekommen war. Schließlich hatte er selbst ja zunächst Maler werden und auf die Akademie nach München gehen wollen,  was jedoch am Widerstand des Vaters scheitere. Der wollte, dass Sohn Max das gutgehende Fotoatelier in Würzburg übernimmt und ihn zunächst hinter die Kamera , wie der Dichter später in seinem autobiografischen Roman " Der Geist meines Vaters" beklagt:

Er feierte das Leben und die Liebe

Den ungeliebten Brotberuf hat Max Dauthendey verachtet,  die fotografische Beobachtungsgabe aber behalten, als er dem Vater endlich das Einverständnis abringt, sein Leben der Schriftstellerei zu widmen. Es wird ein unstetes Leben, immer in Geldnöten, weil er mit vollen Händen ausgibt was ihm andere geliehen haben. Das Genie lebt auf großem Fuß. In 1908 entstandenen Skizzen für eine Selbstportrait gibt sich Max Dauthendey als Mann zu erkennen, der das Leben und die Liebe feiert.   Als "unseren sinnlichsten Dichter, in einem fast östlichen Begriffe" bezeichnet ihn Rainer Maria Rilke . Und tatsächlich ist es vor allem das fernöstliche, das Max Dauthendey anzieht und das er  in Worte zu bannen versteht. Eine erste Weltreise führt ihn um 1900 unter anderem nach Japan, ein Land im Umbruch. 

Farben, Düfte, Töne und Stimmungen

Die Konfrontation mit westlicher Zivilisation verarbeitet Max Dauthendey in seinem Erzählband: "Die acht Gesichter am Biwasee". Er malt dabei Sätze, die Kritiker des angehenden 20. Jahrhunderts als impressionistische Wortkunstwerke feiern. Offenbar um flüchtige Eindrücke von Farben, Düften, Tönen und Stimmungen später dichterisch verarbeiten zu können, hat Max Dauthendey gemalt: Die Zeichnungen und Aquarelle, sagt die Kuratorin der Gedenkausstellung, für den Dichter waren sie literarische Notizen:

"Er hat damals ins Tagebuch geschrieben, dass die Werke für ihn als Erinnerung gedacht sind, weil er Bilder hinterher für seine Bücher verwenden wollte. Wenn sie sich dieses javanische Puppentheater anschauen – das hat er ganz intensiv aufgesogen – um es dann ein oder zwei Tage später erst im Hotelzimmer zu Papier zu bringen."

Henrike Holsing

Max Dauthendey - ein "Farbendichter"

Ein Mann im Schneidersitz zeigt den Betrachter den nackten Rücken. Es ist der  Puppenspieler. Eine ganze Serie expressiv kostümierter Stabpuppen lässt  er wie Blitze über die Bühne zucken. Sie ist mit einem Stoff in Farbe und Muster der Tropeninsel  Java dekoriert. Als "Farbendichter" wurde  Max Dauthendey einmal von einem Bewunderer bezeichnet.  Seine Aquarelle waren die Vorlage dazu. Nicht mehr aber auch nicht weniger hat Max Dauthendey selbst in seinem  malerischen Werk gesehen, wie er 1915 seinem Tagebuch anvertraute.


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