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"Gimme Danger" Dokumentarfilm zum 70. von Iggy Pop

Am 27. April läuft "Gimme Danger", die Dokumentation von Jim Jarmusch über Iggy Pop und die Stooges, in den deutschen Kinos an. Pünktlich zu Iggy Pops 70. Geburtstag erscheint auch der Soundtrack zum Film. Von Sabine Gietzelt

Von: Sabine Gietzelt

Stand: 21.04.2017

Er wollte Krach, er wollte Ärger und er bekam beides. 1967 gründete Iggy Pop mit Freunden The Stooges und nannte sich fortan nach dem Namen seiner vorigen Band The Iguanas Iggy. Seine Musik sollte klingen wie das Lärmen der Metall verarbeitenden Maschinen in der Autofabrik in Detroit, die er als Kind mal besichtigen durfte. Der Sound sollte laut sein und weh tun, und The  Stooges revolutionierten die Musikwelt mit ihrem Krach aus Gitarre, Schlagzeug und Bass. Wobei es nicht nur der Sound war, der gnadenlos war, auch das Benehmen und die Rüpelhaftigkeit der Musiker waren es.

The Stooges - ihre Musik war gefährlich, auch für sie selbst...

The Stooges forderten alle heraus: das Publikum, die Hippies, die Hells Angels, die Plattenfirmen. Erboste Zuschauer warfen Iggy Flaschen um die Ohren, erboste Plattenbosse sprachen davon, dass er es sowieso nicht mehr lange machen würde. The Stooges waren pure Provokation lange vor den Sex Pistols und Punk, Randale war ihr Alltag, und ihre Musik war gefährlich. Auch für sie selbst.

Iggy Pop und der "Tanz des Pavians kurz vor dem Angriff"

Iggy war überzeugt davon: gute Songs müßten kurz sein,  nur wenige Worte sollten Platz darin haben. Und sie sollten einfach sein, schlicht , prägnant. Auch das Auftreten der Band musste ins Schwarze treffen. Das fast pathologisch und hochgradig nervös wirkende Zappeln von Iggy auf der Bühne beschreibt er sehr treffend mit dem Tanz eines Pavians kurz vor einem Angriff auf den Gegner. 

"Ich bin einfach nur rumgesprungen, so, wie es Affen tun , bevor Sie den Gegner angreifen. Einfach so."

Iggy Pop

Das Establishment geht ihm auf die Nerven

In der Urbesetzung der Stooges gab es noch Dave Alexander und die  beiden Asheton Brüder: Scott, ein nicht immer sehr freundlicher Zeitgenosse und Ron, das war der, der Nazi-Uniformen sammelte, die gern auch auf Konzerten getragen wurden. Inzwischen sind die anderen Stooges gestorben.

Iggy pop 2016 in Cannes

Nur Iggy Pop, der Älteste von allen, lebt ein entspanntes Leben, streichelt Hund und Katze, spielt manchmal Golf, gießt den Garten in seinem Haus in Mexiko und latschte letztes Jahr mit seinen 69 Jahren mit nacktem Oberkörper unterm Sakko über den roten Teppich in Cannes. Das Establishment geht ihm nach wie vor auf die Nerven.  Und ausgezogen hat er sich auch schon immer gern. Er ist einer von wenigen Stars,  von denen es ein offizielles Nacktfoto gibt, auf dem nichts verborgen bleibt. Seine knappen Hosen und glitzernden Slips, in denen er früher aufgetreten ist, verhüllten tendenziell  auch nichts von dem, was er zu bieten hatte. Und dann schmierte er sich auch noch mit Erdnussbutter ein....

Sex + Drugs + Rock'n'Roll = Iggy Pop.

Auf fast allen Fotos des jungen Iggy Pop strahlt uns ein schlacksiger Typ mit intensivem Blick aus unglaublich blauen Augen an. Schon zwei Jahre später hatten Unmengen an Drogen dieses Leuchten so gut wie  ausgeknipst, Iggy Pop war ein Wrack , als er dem Totalabsturz und die erste Inkarnation der Stooges dem Ende entgegen taumelten. Iggy Pop rappelte sich wieder auf, nicht nur ein Mal, und nicht zuletzt, weil ihn mal sein Freund David Bowie rettete, mal eine Frau und immer die Musik. Jetzt aber meint er, er würde wohl langsam mit den Tourneen aufhören. Dass ihm seine Knochen wehtun, ist verständlich, so oft, wie er sich auf seinen Konzerten auf den Boden geschmissen, verbogen,  verausgabt und in Glasscherben gewälzt hat.

"Einmal haben wir im Vorprogramm  der Mothers Of Invention gespielt und vor der Bühne waren ein paar recht kräftige Mädels. Ich dachte, ich spring jetzt einfach mal, Die werden mich schon auffangen wie kleine Kinder, damit sie mehr Aufmerksamkeit bekommen.  Tja, sie sind weggegangen und meine Vorderzähne bohrten sich durch die Lippe..."

Iggy Pop

"Gimme Danger" - ein Filmmessay für Stooges-Fans

Im Film "Gimme Danger", der nächste Woche in die Kinos kommt, sitzt ein humorvoller und selbstironischer Iggy Pop in einem Wohnwagen. Er erzählt von einer recht glücklichen Kindheit, seinen Eltern, seiner Musik, und heitere Anekdoten aus seiner intensiven RocknRoll-Existenz. "Gimme Danger" ist keine cineastische Sensation, auch wenn der Regisseur Jim Jarmusch heißt. Der Film ist, wie Jarmusch selbst sagt, eher ein Essay als eine Dokumentation. Stooges Fans kommen dennoch auf ihre Kosten mit - wenn auch nicht all zu üppigen - Ausschnitten von Stooges Konzerten, und den nach wie vor Gänsehaut erzeugenden Songs der Stooges. Natürlich erscheint parallel ein Soundtrack auf CD.

Auch mit 70 "A Real Wild Child"

Es ist fast nicht zu glauben und es ist toll, dass Iggy Pop immer noch da ist und das in so erstaunlich guter Form trotz seines selbstzerstörerischen Lebens. Iggy Pop grinst nach wie vor sein unwiderstehliches Grinsen und benimmt sich wie ein herrlich alberner und sympathischer Kindskopf. Ein Real Wild Child, bei dem sich Normalität auch mit 70 Jahren irgendwie immer noch nach Anarchie anfühlt. Wir gratulieren.


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