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Museum Georg Schäfer Maler Johann Georg von Dillis in Schweinfurt

"Die Natur selbst ist Natur" – Johann Georg von Dillis war ein Mittler zwischen der Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts. Er arbeitete in enger Verbundenheit mit der Landschaft und betonte die Individualität jedes einzelnen Motivs.

Von: Thomas Senne

Stand: 23.01.2017

Mit lockeren Farbtupfern in Grün, Gelb und Braun hat Johann Georg von Dillis in seiner "Waldstudie" eine Landschaft auf dem Karton verewigt. Der Ausblick ist durch Bäume im Vordergrund weitgehend versperrt. Am rechten Rand ist eine dunkle Staffagefigur zu entdecken. Vor einem lilafarbenen Gebirgszug mit Gipfel im Hintergrund, überwölbt vom hellblauen Himmel, grasen friedlich ein paar Kühe oder Pferde.

Mit Pinsel eingefangener Augenblick

Auf den ersten Blick erinnert diese um 1820 entstandene Ölskizze an vergleichbare Arbeiten aus der Malerkolonie von Barbizon oder an Gemälde impressionistischer Künstler: keine idealistisch überhöhte Naturschilderung, sondern ein hastig mit dem Pinsel eingefangener Augenblick im Freien. Auch auf anderen der jetzt in Schweinfurt gezeigten Bilder – etwa von der Amper bei Dachau oder dem Münchner Englischen Garten – mutet Dillis wie ein Vorläufer erst später populär werdender Malstile an. Karin Rhein, Kuratorin im Museum Georg Schäfer:

"Wenn man seine Werke anschaut, dann hat man wirklich das Gefühl. Und er wurde oft mit den Impressionisten verglichen. Man muss aber sehen, dass seine Werke nicht für die Öffentlichkeit entstanden sind. Das sind keine offiziellen Werke, sondern die hat er rein in Privatem geschaffen. In seinen offiziellen Werken da ist er viel konventioneller. Aber ja Privat  hat er sich jede Freiheit gegönnt, hat gerne experimentiert mit dem Material und mit der Technik und konnte sich das auch leisten, weil er eben offizielle Ämter hatte als Museumsmann, als Kunstsachverständiger und so nicht angewiesen war auf Verkäufe oder auf die Kunstkritik. Deshalb hat er sehr frei geschaffen."

Karin Rhein

Dillis überzeugt durch Bleistift und Feder

In der Tat überzeugt Dillis in Schweinfurt mehr durch seine mit Bleistift und Feder gefertigten, braun lavierten Blätter von sonnenbeschienenem Laub, schroffen Felsen oder Klüften als durch seine doch eher traditionell orientierten Gemälde. Die jetzt präsentierte "Römische Herbstlandschaft" mit verschwommenen Konturen in der Ferne ist zwar sicherlich ein perfekt gemaltes Bild, das meisterhaft den Blick in die Gegend beim Castel Gandolfo freigibt, rahmende Bäume und einen mittelalterlichen Turm zeigt, aber auch Wäscherinnen, Eselsreiter, einen Flötenspieler und Hirten. Doch dieses Werk, inspiriert von Poussin oder Lorrain, den Dillis zu Übungszwecken immer wieder kopiert hat, wirkt beinahe zu perfekt - wie in der Konvention erstarrt. Ganz anders das mit Kreiden akzentuierte Aquarell eines Gebirgswasserfalls: eine Arbeit mit einer überraschend  spontanen Handschrift.

"Gerade aus heutiger Sicht wirkt er extrem modern. Weil er es gut verstanden hat, die Atmosphäre einzufangen und den Moment. Er hat sich sehr gelöst von den idealisierten und komponierten Landschaften, hat das Ganze so dargestellt, wie er es direkt erlebt hat, ohne dann aber das sklavisch nachzuahmen. Und er wollte vor allem die Natur nicht verbessern, sondern wollte sie verstehen, also durchdringen und dann ebenso in sein Medium umzusetzen."

Karin Rhein

Fülle von Zeichnungen

Unterteilt ist die Schweinfurter Ausstellung in Rubriken wie „Zeichnen und Malen in der Natur“ oder auch "Reisen". Denn Dillis reiste viel, besuchte halb Europa und war allein elfmal in Italien. Von seinen oft lange andauernden Auslandsaufenthalten brachte er eine Fülle von Zeichnungen mit, die jetzt zum Großteil überhaupt das erste Mal öffentlich präsentiert werden, Skizzen von einem bettelnden Kriegsveteranen, einer Bauernfamilie oder einem Mittelmeerstrand bei Nizza, aber auch diverse im Freien entstandene Gemälde.

"Da war er wirklich einer der Vorreiter. Dadurch, dass er viel gereist ist, kam er in Kontakt auch mit einigen ausländischen Künstlern, wie z.B. Valenciennes. Der war der erste, der die Ölstudie propagiert hat, also dass der Künstler sich  direkt in die Natur setzt und dort mit Öl malt. Dafür aber nicht allzu viel Zeit aufwendet, sondern eben spontan und direkt das darstellt, was er sieht. Und Dillis hat diese Technik so um 1805 kennen gelernt, dann auch umgesetzt, wurde zu einem wahren Meister und er war da früher als z.B. Corot."

Karin Rhein

Kurzweilige Schau

Porträts und stimmungsvolle Wolkenstudien zum Teil auf blau gefärbtem Papier runden die kurzweilige Schau von Johann Georg Dillis im Museum Georg Schäfer ab, das damit erstmals den eigenen Bestand des 1841 im 82. Lebensjahr in München Verstorbenen näher unter die Lupe nimmt: ein Künstler zwischen. Klassizismus und Romantik, aber auch ein Wegbereiter realistischer Landschaftskunst und Pleinairmalerei.


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