Bayern 2 - Kulturjournal


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Zurück zum Feminismus! Wie politisch Frauen sein müssen

Hunderttausende von Frauen gehen seit der Wahl von Donald Trump wieder für Frauen- und Menschenrechte auf die Straße: Mit pinken Pussy Hats signalisieren sie in den USA wie in Europa den Aufstand gegen den frauenfeindlichen Rechtspopulismus. Der Feminismus ist im Trend. Und genau das ist das Problem, meint die US-Amerikanerin Andi Zeisler, deren Buch "Wir waren doch mal Feministinnen” jetzt auf Deutsch erscheint.

Stand: 15.03.2017

Es ist angesagt, ja inzwischen sogar in vielen Promi-Kreisen schick, feministisch zu sein. Die Modezeitschrift ELLE ließ 22 Promis, vor allem junge männliche Hollywood-Schauspieler, in T-Shirts mit dem Aufdruck “This is what a feminist looks like” ablichten. Emma Watson, allen als Hermine in den Harry Potter-Filmen bekannt, setzt sich mit der Kampagne "HeForShe" als UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte ein. Jane Fonda, Charlize Theron, Madonna, unzählige Popstars sonst gingen mit Pussy Hat auf die Straße, um gegen den frisch gewählten Präsidenten, seine despektierliche Behandlung von Frauen und die drohende Beschneidung von Frauenrechten zu demonstrieren.

Feminismus als Label?

Promis, die sich mit ihrem Feminismus präsentieren und sich bei Massendemos das Image der feministischen Rebellin geben, vermarkten die Bewegung, machen aus dem Feminismus eine Marke. Die US-Amerikanerin Andi Zeisler setzt diesen Marktfeminismus strikt gegen den politischen Feminismus ab, der letztlich auf eine Umstrukturierung der Gesellschaft zielt.

"Marktfeminismus bedeutet, dass man die Sprache und die Symbolik des Feminismus benutzt, aber gleichzeitig das Politische des Feminismus außen vor lässt. Das heißt, im Kapitalismus braucht man den Feminismus, um Produkte besser zu verkaufen, um einen Promi zu vermarkten – oder um ein Konzept von Individualität und Leistungsbereitschaft zu fördern, das aber mit Feminismus eigentlich nichts zu tun hat. Dieses Konzept gibt es schon sehr lange, die Idee, dass man sich aus dem Feminismus die Aspekte rauspickt, die einem gefallen – und die ignoriert, die man nicht mag."

Andi Zeisler im Kulturjournal-Beitrag von Laura Freisberg

Solidarität statt Einzelkämpferinnen gefragt!

Andi Zeisler: "Wir waren doch mal Feministinnen" Rotbuchverlag

Dieser "choice feminism" (Zeisler) kann von vielen gelebt und zelebriert werden, ohne dass sich wirklich auf gesellschaftlicher und politischer Ebene etwas ändert. Ja, das breite Bekenntnis zum Feminismus kann sogar die Notwendigkeit, politisch aktiv zu werden, verdecken. Etwa wenn die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in ihrem Buch "Lean in" die Frauen ermahnt, ihre Karrieren mutiger und zielstrebiger anzugehen. Solange die Arbeitsbedingungen und die Kinderbetreuung nicht geändert werden, bleiben vor allem allein erziehende Müttern mit solchen gut gemeinten feministischen Appellen allein gelassen. Die kollektive Solidarität, die dem politischen Feminismus eingeschrieben ist, geht nach Zeislers Analyse dem Marktfeminismus ab.

"Der politische Feminismus war nie ganz verschwunden, aber er ist eben auch nicht so attraktiv wie der Marktfeminismus, der den Frauen einredet, dass sie machen können, was sie wollen. Hauptsache, sie halten sich selbst für eine Feministin – dann treffen sie auch feministische Entscheidungen. Marktfeminismus zwingt dich nicht, irgendetwas zu ändern - das macht ihn so unkompliziert."

Andi Zeisler im Kulturjournal-Beitrag von Laura Freisberg

Pussy Hats

Es lässt sich trefflich darüber streiten - und die alten Schwestern/ Feministinnen und die neuen tun das auch heftig -, ob Emma Watson oder Beyoncé & Co. den Feminismus nur für sich instrumentalisieren oder ob sie sich politisch für ihn engagieren. Fest steht, dass die großen Frauendemonstrationen der Gegenwart - ob in Berlin, Portland, New York oder Frankfurt - so manche junge Frau für den Feminismus begeistern, ihr erstmals das Gefühl geben, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Und dieses Gefühl wird heute wie damals, etwa bei den Sufragetten, durch einen Dress Code gestärkt: Anfang des 20. Jahrhunderts waren es die Symbolfarben Grün, Weiß und Violett, heute ist es die pinke Wollmütze mit spitzen Katzenohren - eine Anspielung auf Trumps Pussy-Gerede.

Kulturjournal

Zurück zum Feminismus! Wie politisch Frauen sein müssen. Von Laura Freisberg.
Sonntag, 19. März 18:05 Uhr auf Bayern 2.


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