Bayern 2 - Kulturjournal

Essay-Reihe von BR und F.A.Z. zur Lage der Demokratie

"Weimarer Verhältnisse?" (VII) Essay-Reihe von BR und F.A.Z. zur Lage der Demokratie

Stand: 21.04.2017

"Weimarer Verhältnisse? Sieben Beiträge zur Demokratie in Deutschland" – unter diesem Motto befassen sich sieben renommierte Historikerinnen und Historiker mit vermeintlichen und tatsächlichen Parallelen zum Deutschland der Weimarer Republik. Die Idee zur Serie hat der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin entwickelt.

Nicht zuletzt das Ergebnis des Referendums in der Türkei und das Abstimmungsverhalten besonders der in Deutschland lebenden Türken haben aktuell eine seit Monaten geführte Diskussion um den Zustand unserer freiheitlichen Demokratie neu befeuert; die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an diesem Sonntag, aber auch die bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahlen erfordern eine breite Debatte über Gegenwart und Zukunft der Demokratie.

Die prekäre Lage der Demokratie

Tag für Tag erleben wir derzeit, dass eine vermeintlich fest etablierte demokratische Staatsform keine Selbstverständlichkeit sein muss: Rechtspopulistische Strömungen und autoritäre Politikentwürfe gewinnen stattdessen in vielen Ländern an Zulauf. Der Bayerische Rundfunk, die F.A.Z. und das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin möchten mit der neuen Sendereihe die Diskussion um den Wert der Demokratie anregen, vertiefen und in die Gesellschaft tragen.

Die Initiatoren zum Thema der Essay-Reihe

Ulrich Wilhelm


"‘Weimarer Verhältnisse?‘ bietet nicht nur spannende Analysen hochkarätiger Wissenschaftler, sondern leistet einen wichtigen Beitrag zu einer in der Gesellschaft begonnenen Diskussion. Wir möchten mit dieser Serie in die Tiefe gehen und an einzelnen Themenfeldern die Unterschiede von heute zur Zwischenkriegszeit darstellen, ihren Brüchen, aber auch der Frage möglicher Parallelen zu heutigen Entwicklungen in Europa nachgehen. Dabei wird nach dem Parteienspektrum ebenso gefragt wie nach der politischen Sprache, der Staatenkonstellation oder den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen damals und heute. Dass der Bayerische Rundfunk hier mit so renommierten Partnern wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Institut für Zeitgeschichte zusammenarbeiten darf, freut mich sehr."

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks

Andreas Wirsching


"'Weimarer Verhältnisse' werden zum Schreckbild in einer Zeit, die traditionelle Gewissheiten in Frage stellt und neue Ängste erzeugt. Drohen unserer Demokratie heute ähnliche Gefahren wie der gescheiterten Weimarer Republik? Dafür, dass wir diese Frage mit renommierten Autorinnen und Autoren diskutieren können, bin ich der F.A.Z. und dem Bayerischen Rundfunk sehr dankbar. In einer unsicheren Zeit wird die Serie zur dringend notwendigen historischen Orientierung beitragen können."

Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin

Berthold Kohler


"Rechtspopulisten haben Zulauf, 'starke Männer' wie Erdogan und Putin erfahren erhebliche Zustimmung, auch in Deutschland. Daher wurde schon die bange Frage gestellt: Könnten Demokratien und Demokraten noch einmal so überrollt werden wie in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts? Droht Deutschland eine Neuauflage der ‚Weimarer Verhältnisse‘? Um das zu beantworten, muss man wissen, wie sie wirklich waren und wie es zu ihnen kam."

Berthold Kohler, Herausgeber der F.A.Z.

Der historische Vergleich

Schwerpunkte der Serie "Weimarer Verhältnisse?" werden Themen sein wie die Wirtschaftsentwicklung, das politische Parteiensystem, politische Sprache und Medien, die Wählerschaft und die internationalen Beziehungen jeweils im Vergleich Weimarer Republik zur heutigen Situation in Deutschland.

Essayreihe - AutorInnen, Themen und Termine

Wirsching

Andreas Wirsching, Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte
Gespräch mit Ulrich Chaussy zur Essayreihe

Sonntag, 23. April 2017, 18:05 Uhr

Plumpe

Werner Plumpe, Historiker an der Universität Frankfurt
Wirtschaft

Sonntag, 7. Mai 2017, 18:05 Uhr

Möller

Horst Möller, Historiker an der LMU München
Parteien

Sonntag, 21. Mai, 18:05 Uhr

Daniel

Ute Daniel, Technische Universität Braunschweig
Politische Sprache / Medien

Sonntag, 28. Mai, 18:05 Uhr

Falter

Jürgen Falter, Universität Mainz
Die Wähler rechter Parteien

Sonntag, 18. Juni, 18:05 Uhr

Münkler

Herfried Münkler, Humboldt-Universität Berlin
Internationale Beziehungen / Krieg

Sonntag, 2. Juli, 18:05 Uhr

Miard-Delacroix

Hélène Miard-Delacroix, Universität Paris-Sorbonne
Der Blick von außen

Sonntag, 16. Juli, 18:05 Uhr

Das Kulturjournal auf Bayern 2 sendet ab 23. April in lockerer Folge sonntags ab 18:05 Uhr die Beiträge in gekürzter Form und stellt sie anschließend im Internet zum Nachhören zu Verfügung. Jeweils am folgenden Montag sind die Essays in voller Länge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf der Seite "Die Gegenwart" und online auf FAZ.NET zu lesen. Zum Auftakt der Essayreihe ist ein Gespräch mit Andreas Wirsching vom Institut für Zeitgeschichte zu möglichen Parallelen zwischen der Weimarer Republik und der derzeitigen Krise der Demokratie zu hören.