Bayern 2 - Kulturjournal


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Thomas Gentille American Jeweler and Jewelry

"Ein Stück perfekter Welt, das ich am Körper trage",das ist es, was den 80-jährigen Amerikaner Thomas Gentille in den 60er-Jahren so für Schmuck begeisterte, dass er sich darauf statt aufs Malen von Gemälden verlegte. Die Neue Sammlung der Pinakothek der Moderne zeigt bis 5. Juni 180 Schmuckobjekte von Gentille, der zu den führenden Schmuckkünstlern weltweit gehört. Julie Metzdorf stellt ihn im Kulturjournal vor.

Von: Iris Buchheim

Stand: 29.02.2016

"Im Schmuck kommen alle anderen Künste zusammen", das ist die Überzeugung von Thomas Gentille, der es wissen muss: 1936 in Mansfiled, Ohio, geboren, wollte er erst Maler werden und studierte ausführlich Farbpalette und Farbtheorie, bevor er sich entschloss, Schmuck zu machen. Aus dem künstlerischen Schaffensprozeß war ihm vertraut, wie wichtig die intensive Auseinandersetzung mit den spezifischen Eigenheiten der Materialien ist, mit all den Farben, Hölzern, Steinen und Metallen, die Künstler zum Leuchten, zum Tragen und zum Ragen bringen können. Gentille erkundete die "Seele der Materialien", er lernte sägen, feilen, löten, glasblasen und weitere Handwerkstechniken.

Eierschalen statt Perlen

Autorenschmuck

Unter die Kategorie "Autorenschmuck" fallen Schmuckstücke, die meist Einzelstücke, Unikate, sind, die oft kleinen Skulpturen gleichen und mutige TrägerInnen brauchen. Sie bestehen oft aus "armen" Materialien wie Papier, unedlen Metallen, Plastik, Acrylglas, Fäden ... und tragen die deutliche Handschrift des Schmuckkünstlers.

Gold ist Gold und Silber ist Silber. Das Material, aus dem die meisten Schmuckstücke waren als Gentille anfing, konnte ihn auf Dauer nicht zufriedenstellen. Gold und Silber als Material kann man formen und bearbeiten, aber aus diesem Material selbst ist nicht viel herauszuholen, es glänzt schon von selbst, braucht nicht den Künstler, der aus ihm erst die eigene Stärke und Strahlkraft durch seine Bearbeitung herauskitzelt. Aber ein Stück Holz, ob Sperr- oder Ebenholz, Aluminium oder andere unedle Metalle, gewöhnliches Glas, Garn, Papier und sogar Eierschalden können - kunstvoll bearbeitet - zu einem kleinen Kunstwerk werden, wenn sich ein Künstler mit Experimentierlust und Erfahrung mit diesen Materiallen abgibt. Mit dieser Leidenschaft für die sogenannten "armen" Materialien, erfand Thomas Gentille die "Arte Povera" im Schmucksektor noch bevor sie 1967 zum Kunststil erhoben wurde und wurde in den USA zum Mitbegründer des Autorenschmucks.

"I had the feeling very early on that Jewelry was too much about precious materials like gold and silver and precious stones and I thought Jewelry should be precious for reasons that were not monetary because of the material that they were made with and the way material was handled, so I just pursued that."

O-Ton Thomas Gentille im Beitrag von Julie Metzdorf.

Understatement pur - von Künstler und Träger

Thomas Gentille arbeitet meist mit geometrisch strengen Formen, die er in spannungsreiche Beziehungen zu den verwendeten Materialen setzt. Das A und O vieler seiner puristischen Schmuckstücke ist aber neben dieser kunstvollen Verwandlung der "armen" Materialien zu kostbarem Schmuck der verborgene, nur dem Träger und dem Künstler bekannte Einsatz von wertvollen Materialien: auf den Rückseiten der Schmuckstücke, die beim Tragen unsichtbar sind, befinden sich oft kostbare Goldplatten oder andere Edelmetalle.

Thomas Gentille in der Pinakothek der Moderne und im Kulturjournal

Thomas Gentille. American Jeweler and Jewelry.
Die Neue Sammlung zeigt bis 5. Juni 180 Schmuckobjekte, Zeichnungen und einen von Thomas Gentille konzipierten und umgesetzten Film über die beiden wichtigsten Städte in seinem Leben: New York und München.

Julie Metzdorf hat Thomas Gentille für das Kulturjournal getroffen. Sie hören ihren Beitrag Sonntag, 6. März, 18.05 Uhr auf Bayern 2.


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