Bayern 2 - Kulturjournal


6

Janadriyah-Kulturfestival in Riad Gespräch mit dem Arabisten Stefan Weidner

Das Janadriyah-Festival findet jährlich in der Nähe von Riad statt. War es angesichts der politischen Lage in Saudi-Arabien richtig, Deutschland als Gastland auftreten zu lassen? Stefan Weidner hat am Kulturprogramm teilgenommen.

Stand: 10.02.2016

Deutschland als Gastland eines von Saudi-Arabien ausgerichteten Festivals in der Nähe von Riad - geht das in Zeiten der Exekutionen, Körperstrafen, Menschenrechtsverletzungen und einer neuerlichen Eskalation des Kurses gegenüber dem Iran im arabischen Königreich? Diese Frage löste Ende Januar heftige politische Debatten aus. Tatsächlich lagen die Meldungen sehr dicht beieinander: Am 2. Januar ließ das Königreich am Golf 47 Menschen hinrichten, darunter prominente schiitische Geistliche, einen Monat später besuchte der deutsche Außenminister Frank Walter Steinmeier das traditionelle Kamelrennen des Janadriyah-Festivals. Das stieß auch beim Koalitionspartner auf Kritik: CDU-Vize Armin Laschet monierte, es sei "für deutsche Minister unangemessen, mit dem Regime in der Wüste lustige Feste zu feiern".

Verstimmungen, Diplomatie und schöne Bilder

Und Norbert Röttgen, ebenfalls CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, schrieb in einem Gastbeitrag für die ZEIT: "Die Aufkündigung dieser Partnerschaft wäre falsch, weil sie uns den ohnehin relativ geringen Einfluss gänzlich nehmen würde. Aber genauso muss das Beschweigen von Destabilisierungspolitik im Namen der Stabilität ein Ende haben." Steinmeier hielt allen Einwänden entgegen, man müsse gerade zu den Regierungen im Nahen Osten Kontakt halten, um die Konflikte und Kriege der Region zu befrieden. Und unter diesen Regierungen seien nun einmal auch "schwierige".

"Reisen absagen, dichtmachen und Belehrungen über die heimischen Medien erteilen: Wer glaubt, dass so Außenpolitik funktioniert, der irrt meiner Ansicht nach. Wenn wir überhaupt etwas bewirken wollen, dann müssen wir raus in die Welt, dann müssen wir hin zu den Konflikten. Wir müssen mit den Konfliktparteien reden, gerade auch mit den schwierigen. Andersherum gesagt: Wenn ich mit all den Ländern nicht mehr sprechen würde, deren Politik wir nicht teilen, dann hätte ich in der Tat mehr Zeit, unsere prima Beziehungen zu Luxemburg zu pflegen. Das würde ich gerne machen. Aber das ist deutlich weniger, als man weltweit von uns erwartet."

Rede Frank Walter Steinmeiers im Deutschen Bundestag, 13. Januar 2016

Die Gratwanderung zwischen Diplomatie und Klartext ist zweifellos keine leichte - aber sollte man wirklich gleich "Gastland" bei einer Veranstaltung sein, die "Normalität vorgaukelt", wie es der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour sagte? Tatsächlich ist das Janadriyah-Festival, das seit 30 Jahren stattfindet, ein Garant für schöne Bilder: Es verbindet Folklore mit High Tech, ein Kulturprogramm mit einer Wirtschaftsschau, einen Jahrmarkt, den zunächst nur Männer und dann auch Familien besuchen dürfen, mit einer Schau der Regionen des Königreichs und eben einem Gastland-Auftritt.

Debatten hinter verschlossenen Türen

Der deutsche Pavillon präsentierte sich mit Fachwerkhäusern, einem "niedersächsischen Marktplatz", mit Präsenzen deutscher Unternehmen, Informationen zum Grundgesetz oder deutschen Kleidersitten, mit Tanzvorführungen, Theater und Lesungen. Am kulturellen Teil war das Goethe-Institut federführend beteiligt.

Stafen Weidner

Am Rande des Festivals fand in Riad eine große Konferenz statt, organisiert von der Nationalgarde Saudi-Arabiens. Als deutscher Teilnehmer war der Arabist, Übersetzer und Publizist Stefan Weidner dabei. Die angespannte Lage in Saudi-Arabien, auch durch den niedrigen Ölpreis und die damit verbundenen Etatkürzungen begründet, sei deutlich zu spüren, berichtete Weidner. Und natürlich gibt es auch eine gesellschaftliche Unzufriedenheit: Gut ausgebildete Frauen etwa erleben auf Reisen in die Nachbarländer, dass sie dort mehr Freiheiten haben, regierungskritische Meinungen werden massiv unterdrückt, die Verschärfung des Konflikts mit dem Iran nach der Hinrichtung schiitischer Geistlicher zu Beginn des Jahres beschäftigt jeden. Hinter verschlossenen Türen und vor allem in kleineren Kreisen am Rande des offiziellen Programms, so Weidner, wurde über solche Themen auch offen debattiert. Ob daraus tatsächlich in absehbarer Zeit eine Öffnung und ein Wandel des Landes folgen, bleibt jedoch fraglich.

Kulturjournal

Für das Kulturjournal hat Martina Boette-Sonner mit dem Islamwissenschaftler Stefan Weidner über das Janadriyah-Kulturfestival in Riad und die politische Lage in Saudi-Arabien gesprochen. Zu hören ist das Interview in der Sendung am Sonntag, den 14. Februar 2016 ab 18.05 Uhr auf Bayern 2.


6