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Neue Bücher zum Dada-Jubiläum

100 Dahre Jaja Neue Bücher zum Dada-Jubiläum

Stand: 09.02.2016

"Jolifanto bambla ô falli bambla / grossiga m'pfa habla horem / égiga goramen  / higo bloiko russula huju...": So klang es im Gedicht, das Hugo Ball, verkleidet als Dada-Bischof im sperrigen Pappornat, 1916 auf einer Zürcher Bretterbühne vortrug. Ball gehörte zu den Dadaisten der ersten Stunde, die im gleichen Jahr das später legendäre Cabaret Voltaire in der Spiegelgasse 1 gegründet hatten.

Hugo Ball 1916 bei einem Dada-Vortrag im Cabaret Voltaire

Mitten im Ersten Weltkrieg taten sich dort Künstler zusammen, darunter viele Migranten, um dem Widersinn der Kampfgeist-Parolen den Unsinn und Antisinn eines sehr speziellen Weltzugangs entgegenzusetzen. Die Ausdrucksmittel von Bild und Sprache zertrümmerten sie in ihre Einzelteile und bauten sie neu zusammen, Collagen und Lautgedichte, die die üblichen sinnstiftenden Verbindungen verweigerten, waren das Ergebnis. Dada brachte das Denken in Bewegung und spielte sehr filigran und sehr ironisch mit dem Verlust des großen Ganzen, der die Moderne auszeichnet.
Im 100. Jahr der Dada-Gründung - wenn man das so staatstragend bei einer so subversiven Denk-Avantgarde überhaupt formulieren sollte - feiert Zürich Dada mit mehreren Ausstellungen. Außerdem sind zahlreiche Bücher zum Thema erschienen - von der gründlichen Biografie bis zur Fantasie einer Beteiligung Lenins und seiner Freunde als "Balalaika-Orchester" am Eröffnungsabend des Cabaret Voltaire. Möglich gewesen wäre es, schließlich wohnte der Revolutionär während des Erstens Weltkriegs als Exilant gleich in der Nachbarschaft. War der Bolschewismus also vielleicht dadaistisch inspiriert? Oder Dada mitverantwortlich für die russische Revolution? Wer weiß es. Dada jedenfalls hätte vermutlich seine Freude an einem solchen Spiel mit den Möglichkeiten gehabt.

Neue Bücher zu Dada


"Dada-Almanach.
Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction.
Textbilder, Lautgedichte, Manifeste"

Herausgegeben von Andreas Trojan und H.M. Compagnon
Manesse Verlag
176 Seiten



"DADA total.
Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder"


Herausgegeben von Karl Riha und Jörgen Schäfer
Reclam Verlag
384 Seiten



Martin Mittelmeier
"DADA. Eine Jahrhundertgeschichte"

Siedler Verlag
272 Seiten


Hannes Binder, Friedrich Glauser
"Dada"

Limmat Verlag
64 Seiten


Bärbel Reetz
"Das Paradies war für uns.
Emmy Ball-Hennings und Hugo Ball"

Insel Taschenbuch
477 Seiten


Dominique Noguez
"Lenin dada.
Essay"


Limmat Verlag
192 Seiten

Diwan

Für das Bayern 2-Büchermagazin hat Bernd Noack Neuerscheinungen zu Dada gesichtet. Seine Sammelrezension ist in der Sendung am Samstag, den 13. Februar ab 14.05 Uhr zu hören (Wiederholung 21.05 Uhr).

radioWissen

Mann mit Totenkopfmaske und Zigarette | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio Dada Lauter Lautpoeten

Dada war eine künstlerische Bewegung, die sich als Protest gegen den Ersten Weltkrieg verstand. Die Dadaisten brachen auf erfrischende Weise mit einer als sinnentleert und korrumpiert empfundenen Sprache. Autor: Klaus Schühly [mehr]

Bayern 2-Kalenderblatt

Illustration Kalenderblatt: Ausstellung mit MERZbildern von Kurt Schwitters  | Bild: BR/Angela Smets zum Audio mit Informationen 29. Juni 1919 Ausstellung mit MERZbildern von Kurt Schwitters

"Merzen" hat Schwitters seine Kunstform genannt, die aus "Splittern" wie Zeitungsausschnitten, Reklame, Gips, Drähten, Blechdosen, Nägeln und Wortfetzen Gesamtkunstwerke als "künstlerisches Weltverhalten" schuf. Autorin: Gabriele Bondy [mehr]