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Donovan im Interview Nur ein Konzert in Bayern

Im vergangenen Jahr wurde er 70 – jetzt ist er wieder auf Tour: Donovan, die Legende aus Schottland. Donovan ist solo unterwegs: nur er mit seiner grünen Gitarre. Eintönig wird das deswegen aber bestimmt nicht. Chistoph Leibold hat sich mit ihm unterhalten.

Stand: 17.03.2017

bei einem Konzertauftritt in 2010 in Crozon/Frankreich | Bild: picture-alliance/dpa

Wie kam es dazu, dass die Gitarre zu Ihrem Instrument wurde?

"Die Gitarre war in Europa immer ein Straßeninstrument. Und es ist ein billiges Instrument. Die Blues-Musiker in den USA haben sogar Gitarren aus dem Holz alter Zigarrenkisten gebaut. Mir hat die Gitarre gefallen, weil man sie gut mitnehmen konnte. Ich bin als junger Mann viel herumgetrampt, und außerdem dürfen Sie nicht vergessen: ich stehe in der irisch-schottischen Tradition. Die gälischen Barden haben Laute gespielt – auch ein Saiteninstrument."

"Ich glaube, in einem früheren Leben war ich so ein Barde, denn als ich mit 16 zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand nahm, konnte ich sofort spielen. Das ging wie von selbst."

Donovan

Und beim Trampen hatten Sie sicher auch viel Zeit zu üben, oder?

"Ja, klar. Zunächst waren da natürlich erstmal die berühmten drei Akkorde. Aber auch die waren nicht so simpel. Es kommt ja immer darauf an, wie man die spielt. Aber erstmal reichen drei Akkorde für so ziemlich jeden Song. Heute reichen sogar oft nur zwei. Jedenfalls waren erstmal diese drei Akkorde wichtig. Aber bald merkte ich, dass ich auch an meiner Fingertechnik arbeiten musste."

"Beim Trampen war es dann tatsächlich so, dass ich mich zwar gefreut habe, wenn mich jemand mitnahm – aber wenn keiner kam, auch kein Problem! Dann saß ich eben am Straßenrand und habe geübt."

Donovan

Auf Ihrer Tour treten Sie auf wie ein Straßenmusiker: nur Sie und Ihre Gitarre. Das hat etwas Puristisches.

"Ja, das hat Tradition. Das machen die Poeten und Barden bei uns schon seit zwei- bis dreitausend Jahren so. Aber es stimmt schon: ein Instrument, eine Stimme - das ist wirklich pur." Donovan

Ihre Gitarre ist grün. Ein Referenz an Ihre gälische Abstammung?

"Ich hatte viele Gitarren, aber irgendwann fing ich an, Gitarren speziell für mich bauen zu lassen. Die, auf der ich jetzt spiele, hat sogar einen Namen: Kelly. Ein irischer Name. Und ein Frauenname."

Donovan

"Gitarren tragen ja fast immer weibliche Namen. Das liegt an der Form, denke ich – wobei: eine Komikerin, mit der ich befreundet bin, hat mal auf einer Party erzählt, es liege nicht an der Form, sondern daran, dass man auch bei Frauen immer andere Saiten aufziehen muss. Das fanden wir alle komisch. Aber im Ernst: Dass Instrumente gern nach Frauen benannt werden, hat auch damit zu tun, dass die Musen ebenfalls Frauen sind."

Viele Leute bezeichnen Sie als Folk-Musiker. Beschreibt das die Bandbreite Ihrer Musik?

Das ist wirklich zu simpel, mich einen Folk-Musiker zu nennen. Die ganze Popmusik ist doch im Kern Gitarrenmusik. Und ich beherrsche das Gitarrenspiel recht ordentlich. Ich habe Fingerübungen gemacht, bis ich auf der Gitarre den Rhythmus, die Basslinien und die Melodie gleichzeitig spielen konnte. Nur bin ich dabei so schnell, dass ich lange nicht erklären konnte, wie ich das mache. Bis mich eines Tages John Lennon auf unserer gemeinsamen Meditationsreise in Indien beim Spielen unterbrach und fragte: Wie machst Du das? Ich entgegnete: was meinst Du? Na, diese Sache mit den Fingern, sagte er. Hm, meinte ich, ich weiß gar nicht, ob ich das mit Worten erklären kann. – Aber kannst Du mir es zeigen? – Klar. Also hockten wir uns hin, damals in Indien, tauschten Gitarren, und ich zeigte ihm die Spielmuster. Zumindest die Basics. Und er hat das dann für sich weiterentwickelt. Paul McCartney hörte zu. Da rief John: Los Paul, versuch’s auch mal, das ist großartig. Aber Paul ist Linkshänder, sodass ich ihm die Technik nicht wirklich vormachen konnte. Paul lernte dann einfach durchs Zuhören. So entwickelte er einen neuen Stil. Der berühmteste Song, der dabei herauskam, war „Blackbird“."

"Wir hatten einfach jede Menge Zeit und waren total entspannt, weil wir ja meditierten. Das war schon cool damals in Indien."

Donovan

Glauben Sie an ein Revival des gesellschaftskritischen Songwritings?

"Ich sehe nicht viele Songschreiber heute, die gesellschaftliche Themen aufgreifen. Dabei gäbe es viel zu sagen. Liedermacher haben die Chance, in zwei Versen etwas auszudrücken, das eine ganze Nation berührt. Darum hat Musik auch Macht. Daher wurde unsere Kritik in den 60ern unterdrückt. Man versuchte uns wegzusperren oder sonstwie zu stoppen. Aber sie schafften es nicht. Aber wir hatten die Radios, das Fernsehen und die Presse auf unserer Seite. Vor allem dem Radio sind wir daher sehr dankbar. Um als Singer-Songwriter wirklich eine Stimme zu haben, brauchte man einen Radio-DJ, der einen spielte. Heute braucht man nur eine Website. Aber wen erreicht man auf diese Weise. Übers Radio hat man früher alle erreicht. Wenn man in der BBC sang, hörten alle zu. Wer hört einem heute zu? Das ist das Problem!"

Spielen Sie Ihre alten Hits noch immer so gern wie vor 50 Jahren?

"Das werde ich immer wieder gefragt: ob mir das nicht langweilig wird? Aber wissen Sie: Meine Songs sind zeitlos, weil sie von der menschlichen Natur handeln. Wenn ich also meine alten Lieder singe, wie zum Beispiel „The Ballad of Geraldine“, dann singe ich das für die jungen Leute im Publikum. Ich spiele nicht einfach ein Lied, das ich 1966 Mal aufgenommen habe, sondern ich singe für die, die heute so alt sind, wie ich damals. Und ich singe es für die, die damals so alt waren wie ich, damit sie sich fragen, ob es vielleicht jetzt, all die Jahre später, noch etwas im Leben gibt, dass sich seither noch nicht erfüllt hat. Die gälischen Barden, zu denen ich mich zähle, singen traditionell von der Reise des Menschen durchs Leben. Und ein Lied, das Dich scheinbar zurück in die Vergangenheit führt, fragt Dich in Wahrheit oft, ob sich all das im Leben eingelöst hat, wovon damals mit so einem Song geträumt hast. Das ist die Macht der Kunst und die Macht der Musik. Es ist eine heilende Kunst."

Thank you so much for the interview, Donovan, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

"Danke auch, und lassen Sie alle wissen, dass ich solo komme, im Schneidersitz auf meinen Schaffellen sitzen werde und die alten Songs von den Kultalben singe - aber auch neue. Ich freue mich schon. Danke fürs Interview, vor allem für die Fragen über meine Gitarre!"


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