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Französische Tragikomödie "Das Ende ist erst der Anfang"

Die Tragikomödie des belgischen Regisseurs Bouli Lanners ist ein Roadmovie, das durch endlos flaches Ackerland in Frankreich führt und mit skurillen Charakteren aufwartet.

Von: Roderich Fabian

Stand: 19.05.2017

Alles flach und weit

Es ist immer gut, wenn die Landschaft eine tragende Rolle spielt. In diesem Film spielt sie sogar eine dominante Rolle. „Das Ende ist erst der Anfang“ spielt fast vollständig in der „Beauce“, das ist eine landwirtschaftlich-geprägte Ebene südwestlich von Paris. Hier ist alles flach und weit, was der Kamera erlaubt, sich oft von den Protagonisten zu entfernen und eindrucksvolle Totalen von gottverlassenen Straßen zu zeigen, die durch kilometerweite Felder führen. In diese Landschaft - also die totale Provinz - verschlägt es zwei alternde Gangster. Sie folgen einem Handy, dass ihrem Boss geklaut wurde. Unterwegs haben sie viel Zeit, miteinander zu plaudern.

Skurrile Verfolgung, trostlose Landschaft und nahender Tod

Regisseur Bouli Lanners spilet selbst eine der Hauptrollen. Er sieht hier aus wie ein Mitglied von ZZ Top. „Cochise“ wird von einem französischen Star gegeben, vom markanten Albert Dupontel. Bouli Lanners hat als Gilou, der Gangster, gesundheitliche Probleme. Er weiß, dass das Ende naht und beginnt, nachdenklicher zu werden über seine Rolle in dieser Welt. Als er eine mumifizierte Leiche in einem Lagerhaus findet, entschließt sich Gilou, der Mumie eine anständige Beerdigung zu organisieren. Dabei hilft ihm ein pensionierter Pfarrer. Gespielt wird der von Ingmar-Bergmann- und Hollywood-Star Max von Sydow, der hier einen kleinen, aber eindrucksvollen Gastauftritt hat als Mann, der die Grabrede für einen Unbekannten hält.   

Starke Charaktere und makabrer Humor

Es geht viel um Tod und Vergänglichkeit in diesem Film. Über der weiten Landschaft hängen immer dunkle Wolken. Und neben dem  87jährigen Max von Sydow wirkt auch noch Michael Lonsdale mit, der in den 70er Jahren in den besten Filmen von Louis Bunuel gespielt hat. Bei so viel Charakter-Power und Atmosphäre wird die Story dieses subtilen Krimis zur Nebensache. Die Suche nach dem Gangster-Handy ist also nur ein McGuffin, um es mit Alfred Hitchcock zu sagen. Aber das macht überhaupt nichts: „Das Ende ist nur der Anfang“ lebt vor allem von seinem makabren Humor. Und damit das Ganze nicht zu einer Ü-50-Party wird, gibt es auch noch ein junges Paar, das das Handy geklaut hat und nun auf der Flucht ist.

Die Landschaft ein Sehnsuchtsort

„Das Ende ist erst der Anfang“ ist das, was man einen stimmigen Film nennt. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, die Stimmung ist heiter, aber nie albern. Und die Landschaft ist ein Sehnsuchtsort, den man nie besuchen möchte. Was will man mehr?


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