Jahresrückblick Das war der Februar 2012
Europa friert, Müller-Brot muss schließen, Christian Wulff zurücktreten: Ein Blick auf den Februar 2012, ein Monat, in dem auch das Andenken an die Opfer des NSU im Mittelpunkt steht.
Eis und Schnee: Europa friert
Der Februar begann in ganz Europa mit einer Kältewelle, die wochenlang für das größte Winterchaos seit Jahrzehnten sorgt. Vor allem die Menschen in Südosteuropa haben unter der Eiseskälte und den Schneemassen zu leiden. In Bulgarien melden viele Städte die kältesten Temperaturen seit hundert Jahren. Aber auch in Serbien, Montenegro und Rumänien herrscht der Ausnahmezustand.
Dutzende von Menschen sind eingeschneit und müssen mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Für Deutschland werden am 7. Februar Tiefsttemperaturen gemeldet.
Hygiene-Mängel: Müller-Brot muss schließen
In den Hallen der Münchner Großbäckerei Müller-Brot in Neufahrn entdecken Lebensmittelkontrolleure Mäusekot, Kakerlaken und Motten. Davon erfahren die Verbraucher allerdings nicht sofort. Selbst nachdem das Landratsamt die Müller-Brot-Fabrik zwangsweise schließen lässt, versucht die Firmenleitung weiter den Skandal zu vertuschen und begründet den Produktionsstopp mit einem „Schwelbrand“. Es stellt sich heraus, dass Lebensmittelkontrolleure die Missstände bei Müller-Brot schon seit mehr als zwei Jahren im Visier haben. Wichtige Abnehmer wie der Discounter Lidl stellen den Verkauf von Müller-Backwaren ein. Am 16. Februar meldet die Unternehmensleitung schließlich Insolvenz an.
Christian Wulff tritt als Bundespräsident zurück
Nach anhaltender Kritik und immer neuen Korruptionsvorwürfen teilt die Staatsanwaltschaft Hannover am 16. Februar mit, dass sie die Aufhebung der Immunität von Christian Wulff beantragt hat. Gegen den Bundespräsidenten soll wegen Vorteilsnahme strafrechtlich ermittelt werden. Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.
Einen Tag später - am 17. Februar - zieht Christian Wulff die Konsequenz. Er tritt als Bundespräsident zurück. Nach nur 598 Tagen im Amt.
"Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten beeinträchtigt sind. Ich trete deshalb heute zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge frei zu machen."
Christian Wulff
Noch am gleichen Tag beginnt um Mitternacht das Ermittlungsverfahren gegen Christian Wulff. Die Diskussion um einen geeigneten Nachfolger und Wulffs Ehrensold lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten.
Öffentliches Gedenken an die Opfer der NSU-Terroristen
Die drei Namen, die hinter der rechtsextremen Terrorgruppe NSU stecken, kennt jeder: Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Namen ihrer 10 Opfer sind dagegen den meisten unbekannt. Das sollte sich am 23. Februar ändern. Bei der der zentralen Gedenkfeier auf dem Berliner Gendarmenmarkt stehen die Opfer im Mittelpunkt. Anstelle des Bundespräsidenten, der zurückgetreten ist, hält die Kanzlerin die Ansprache – und findet die richtigen Worte.
"Einige Angehörige standen Jahre selbst zu Unrecht unter Verdacht. Das ist besonders beklemmend. Dafür bitte ich Sie um Verzeihung."
Angela Merkel
Bei der Gedenkfeier hält auch Semiya Simsek eine bewegende Rede. Sie ist die Tochter des türkischen Blumenhändlers Enver Simsek. Im September 2000 wurde er in Nürnberg mit acht Schüssen aus nächster Nähe ermordet.

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