Bayern 2 - Hörspiel


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Basisgeschichten und Lebensläufe

Stand: 14.02.2017 | Archiv

Hörspiel Pool Download "Chronik der Gefühle": Alexander Kluge | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

"Was Menschen brauchen in ihren Lebensläufen, ist Orientierung."

Alexander Kluge

Hunger nach Sinn.
Wie entsteht Sinn?
Laut Alexander Kluge nicht durch homogenisierte Nachrichten, sondern durch vermischte.
Nicht durch Spannungsdramaturgien und durchgehende Handlungen, sondern durch eine "Auffächerung der Dramaturgien", der Mischung von Facts & Fakes (Titel einer Fernsehsendung Kluges) und der Produktion von "Erfahrungshorizonten" für das "Vorstellungsvermögen".
Realismus ist für Kluge die Kenntnis von Zusammenhängen. Der Gebrauchswert ist eine "spielerische Kommunikation" im "wirklichen Medium der Erfahrung", dem Publikum.

Alexander Kluges Chronik der Gefühle erschien im Jahr 2000 bei Suhrkamp. Zwei Bände - Basisgeschichten und Lebensläufe: über 2000 Seiten, sämtliche veröffentlichte Erzählungen seit 1962.

In Alexander Kluges Erzählungen verweben sich Zeitgeschichte und die
Erlebnisse Einzelner, Dokumentarisches und Fiktion gehen als Faction in eine neue Kategorie über - und alle Irrtümer und Tugenden der Menschheit erzählt die Oper. Geschichte wird so facettenreich beschrieben, bis die Möglichkeit aufblitzt, dass die Katastrophe nicht eintritt.

Das Hörspiel folgt der Struktur der Chronik. Jedem Teil steht ein Minutensong voran, in dem ein Kluge-Zitat zu Techno, Electro oder Pop verarbeitet wurde. Im Kontrast dazu ziehen sich Klangeinheiten aus Wagners Götterdämmerung durch das Hörspiel. Alexander Kluge wirkt als Sprecher mit und reflektiert seine Geschichten.

Alexander Kluge: Chronik der Gefühle

Mit Alexander Kluge, Hanns Zischler, Wolfgang Hinze, Hannelore Hoger, Johannes Herrschmann, Peter Fricke, Monika Manz, Ilja Richter, Nico Holonics, Christian Friedel, Helmut Stange, Sandra Hüller, Elfriede Jelinek, Joseph Vogl, Christoph Schlingensief, Wim Wenders, Romuald Karmakar, Volker Schlöndorff

Musik von David Grubbs, Abe Duque, Die Türen, Lali Puna, Schorsch Kamerun, Lydia Daher, Gustav, Asio Kids, Elliott Sharp, Susanne Brokesch, Bananafishbones, MUNK, Michaela Melián, Woog Riots, Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

Bearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
BR 2009, 14 Teile, ca. 12 Stunden

Alexander Kluge, geb. 1932 in Halberstadt, Jurist, Autor. 1962 Mitverfasser des Oberhausener Manifests, Mitbegründer des Ulmer Instituts für Filmgestaltung, Vertreter des Neuen Deutschen Films. 1966 Silberner Löwe für Abschied von Gestern, 1968 Goldener Löwe für Artisten in der Zirkuskuppel - ratlos. Bis Mitte der achtziger Jahre 14 abendfüllende Spielfilme, vier Bände mit Geschichten, philosophisch-soziologische Fortsetzung der Kritischen Theorie mit Oskar Negt. Seit 1988 Etablierung von Kulturfenstern im Privatfernsehen, ca. 1.500 Stunden Sendezeit mit Gesprächen, Musikmagazinen, Bildern ohne Worte in neuen TV-Formaten wie Facts & Fakes. Auszeichnungen u.a. Bremer Literaturpreis (2001), Büchner Preis (2003) und Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie (2008).


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