Deutschland, Deine Ingenieure! Eine Branche in der Krise?
Flughäfen, Bahnhöfe, Konzerthäuser – nichts davon scheint in Deutschland mehr ohne Diskussion oder Skandal gebaut zu werden. Der Verband der deutschen Bauindustrie schätzt, dass derzeit 50 Großprojekte in der Warteschleife hängen – Volumen 48 Milliarden Euro.
Schuld sind demnach fehlendes Geld, aber auch Ablehnung in der Öffentlichkeit. Andere Experten sehen noch weitere Probleme: Zu viele Bauherren zerren mit zu vielen unterschiedlichen Zielen an einem einzigen Projekt. Und: Die Ingenieurbüros sind in Deutschland nach Branchenkrisen so sehr geschrumpft, dass sie zu klein für Mammutprojekte geworden sind. Folge: Sie holen sich Subunternehmer ins Boot, die Qualität sinkt. International wird die Serie von Pleiten, Pech und Pannen auf Dauer zum Problem.
Vorzeigeland Deutschland?
Zur Eröffnung der Messe Bau in München warnte Bundesbauminister Peter Ramsauer kürzlich vor einem Imageverlust für die ganze Branche.
"Wir waren einmal Vorzeigeland, wie wir Projekte durchziehen. Und jetzt sowas, das ist eine riesige Katastrophe."
Ingenieur auf der Messe Bau in München
Große Unterschiede in den Verdienstmöglichkeiten
Immer weniger junge Leute wollen Bauingenieur werden. Laut Heinrich Schroeter von der bayerischen Ingenieurskammer kennen bereits Abiturienten die Unterschiede: Ein junger Bauingenieur verdient 42.000 Euro im Jahr, während es bei BMW 55.000 Euro gibt. Große Firmen holen sich Nachwuchs, indem sie Praktika parallel zum Studium anbieten. So eben auch BMW mit einem Programm namens Speedup. Pro Semester kommen auf 40 ausgeschriebene Stellen 1.000 Bewerber. Die müssen sich in einem harten Auswahlverfahren bewähren. Wer besteht, wird vom Konzern sieben Semester lang im In- und Ausland eingesetzt, schreibt eine Abschlussarbeit und bekommt die Chance, später ganz bei BMW einzusteigen. Doch ein solches Programm ist eher die Ausnahme als die Regel.
Fachkräftemangel absehbar
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Der Freistaat Bayern fürchtet um die wirtschaftliche Zukunft des Standorts. Schon 2015 könnte eine halbe Million Fachkräfte fehlen. Die 23 bayerischen Vertretungen in aller Welt werben deshalb um Rückkehrwillige. Im Ministerium von Martin Zeil spricht man sogar von einer global angelegten Rückholaktion, Name: Return to Bavaria.
Energiewende als große Chance für Ingenieure
In den technischen Branchen ist man überzeugt, dass gerade die Energiewende ein neuer Exportschlager für deutsche Ingenieurskunst werden kann – wenn denn die Imageprobleme überwunden werden und Großkonzerne den langen Atem haben, neue Strategien durchzuziehen. Bei der heutigen Hauptversammlung von Siemens in München wird dieser Punkt diskutiert.
"Wir sehen, dass wir mit neuen Energien auch neue Umsetzungsaufgaben haben. Es ist eine ganz großartige Chance, wieder zu belegen, dass wir in Deutschland in der Lage sind, solchen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Energiewende ist eine große Chance auch und vor allem für Ingenieure."
Professor Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, Vorsitzender der Ethikkommission der Bundesregierung

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