Bayern 2

Zentrum für Politische Schönheit Ein Holocaust-Mahnmal für Björn Höcke

Überraschung für Björn Höcke: Das "Zentrum für Politische Schönheit" hat ihm sein eigenes Holocaust-Mahnmal vor die Tür gebaut. Mit dieser Aktion ist den Aktivisten Aufmerksamkeit sicher – doch nicht alle sind begeistert.

Von: Michael Hesse

Stand: 23.11.2017

24 Stelen direkt vor dem Haus von Björn Höcke in Bornhagen im Norden Thüringens, sie sorgen für ordentlichen Wirbel. Am Morgen sind diese Stelen, die an das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnern sollen, vom sogenannten Zentrums für Politische Schönheit aufgestellt worden. Die Künstlergruppe will damit an die Dresdner Rede Höckes erinnern, bei der er das Berliner Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte.

"Denkmal der Schande" oder Denkmal der Verantwortung?

Die Reaktionen auf die 24 Stelen in Bornhagen, die könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. Die AfD im Thüringer Landtag kritisiert die Aktion vor dem Wohnhaus ihres Landeschefs. Geschäftsführer Stefan Möller sagte auf einer am Nachmittag einberufenen Pressekonferenz, das seien Menschen, die Björn Höcke abgrundtief hassen:

Die Aktionskünstler vom Zentrum für Politische Schönheit hatten bekundet, dem AfD-Landeschef ein eigenes Denkmal setzen zu wollen. Auf dem Nachbargrundstück, das sie seit einem halben Jahr angemietet haben, sind die 24 Stelen errichtet worden. Künstler "Morius Enden" auch bekannt als Philipp Ruch, will bei Björn Höcke ein Umdenken erreichen:

Die Künstler haben nach eigenem Bekunden von dort aus den AfD-Landeschef und seine Familie beobachtet. Sie bezeichnen das wörtlich als "zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz“. Die Künstler forderten Höcke auf, vor dem Mahnmal niederzuknien, um für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs um Vergebung zu bitten. Andernfalls würde man die Ergebnisse von Höckes Überwachung veröffentlichen. Höcke ließ über den AfD- Geschäftsführer Stefan Möller ausrichten, er werde juristische Schritte einleiten.

Die Linke im Thüringer Landtag begrüßt die Aktion in Bornhagen. Die Sprecherin für Antifaschismus, Katharina König-Preuss, sagte MDR THÜRINGEN, damit könne wieder eine Debatte über die revisionistischen Positionen der AfD geführt werden.

Die Landtagsfraktion von B90/Grüne stellt sich ebenso hinter die Künstler. Wörtlich hieß es: "So kann Zivilcourage aussehen." Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, findet die Aktion nicht passend. Ihn erinnere das an Sippenhaft in der Nazizeit. Proteste gegen Höcke, die begrüße er. Vor seinem Privathaus gehe das aber nicht. Bei aller Bösartigkeit von Höcke als Politiker sollte sein Privatleben und seine Familie tabu bleiben.

Deutschlandweit bekommt die Künstler-Gruppe enormen Rückenwind. Schon jetzt sind auf deren Internet-Seite von fast 2.000 Unterstützern weit über 54.000 Euro eingegangen. Damit könnte die Kunstaktion im Nachbargarten der Höckes bis Ende 2022 weiterlaufen. Am Nachmittag hatten sich AfD-Anhänger und Mitglieder der Künstlergruppe auf der Straße in Bornhagen ein Handgemenge geliefert – die Polizei musste einschreiten. Höcke hatte am 17. Januar in Dresden vor Gleichgesinnten den Deutschen den Gemütszustand eines "immer noch total besiegten Volkes" bescheinigt.

Strafrechtlich hatte die Dresdner Rede keine Konsequenzen. Die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung wurden von der Staatsanwaltschaft Dresden eingestellt.