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Gewaltspiele Krieg im Kinderzimmer

Gewaltspielzeug alleine macht kein Kind und keinen Jugendlichen zum Gewalttäter. Dennoch sollten Eltern aufmerksam sein, wie und was ihre Jungs spielen. Kinder brauchen Erwachsene, die Stellung gegen Gewalt beziehen.

Stand: 29.01.2013

Es sind fast ausnahmslos Jungen, die fasziniert sind von Spielzeugwaffen, Kriegsspielzeug und kriegerischen Computerspielen. Und das aus verschiedenen Gründen: Waffen verleihen Macht und Ansehen. Sie gehören zur Erwachsenenwelt und vermeintlich zum "Mann sein". In den Fernsehnachrichten, Polizeiserien und Krimis sind bewaffnete Männer allseits medial präsent.

"Solches Spielzeug fördert ein Männlichkeitsideal, das mit Begriffen wie 'kämpferisch', 'emotionslos', 'rücksichtslos', 'Einsatz für das Gute' zu umschreiben ist. Hier werden überkommene Geschlechtsrollen vermittelt, die in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr haben."

Günther Gugel, Pädagoge

Auch ohne Spielzeugwaffen spielen Jungen kriegerisch

Doch auch wenn Jungs selbst keine Spielzeugwaffen besitzen, verwandelt ihre Phantasie Kochlöffel, Holzstecken oder Finger in Gewehre und Pistolen. Pädagogen erklären dieses Phänomen, dass Jungen Krieg oder Cowboy und Indianer spielen, die Mädchen hingegen Vater, Mutter, Kind oder Prinzessin, durch das frühe Erlernen von Geschlechtsstereotypen: Kinder bekommen sehr schnell mit, was als typisch männlich oder typisch weiblich von den Erwachsenen angesehen wird. In ihrem Spiel spiegelt sich dies.

Wichtig ist, wie Konflikte in der Familie gelöst werden

In der Familie lernen Kinder Muster, wie man mit Konfliktsituationen umgeht - oder auch nicht.

Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut hält aber gar nicht die Frage für entscheidend, ob man Kinder mit Spielzeugwaffen ausstattet oder nicht, sondern, welches Konfliktverhalten Kinder in der eigenen Familie erfahren und erlernen. Wie in der Familie negative Affekte reguliert werden, präge das Verhalten des Kindes in Streitsituationen viel bedeutender als das Spielen mit Waffen.

Andererseits, so Kalicki, haben Eltern das Recht und die elterliche Verantwortung, deutlich Grenzen zu ziehen, wenn sie ihrem Kind keine Spielzeugwaffen kaufen wollen. Auch, wenn sich das Kind diese noch so sehr wünscht.

Gewalt in den Medien: je näher an der Realität, desto schlimmer

Gewalt ist in den Medien allgegenwärtig - ob im Spielfilm, der Krimi-Serie oder dem Computerspiel. Medienpädagogen betonen, dass, je näher das im Fernsehen oder Computerspiel Dargestellte an der Realität ist, desto weniger gut können Kinder die gesehene Gewalt verkraften. Sie können sich von realistischen Szenen oft nur sehr schwer distanzieren. Wichtig ist auch, welche Botschaften mit den Gewaltdarstellungen verknüpft sind:

"Es ist ein Unterschied, ob in einem Computerspiel in einer Fantasy-Welt oder vor realistischer Kulisse (z.B. im zweiten Weltkrieg) für 'das Gute' gekämpft wird."

Elternbroschüre 'Aufwachsen in Actionwelten', Aktion Jugendschutz Bayern

Gerade bei exzessivem Computerspielen zum Beispiel von Gewalt verherrlichenden Ego-Shootern könnte das Muster einer "gerechtfertigten Gewalt" auch in der Wirklichkeit für den Jugendlichen wichtiger werden.

Friedliche Rollenbilder müssen vermittelt werden

Da sich vor allem Jungen für gewalttätige Spiele interessieren, muss die Prävention von Gewalt direkt bei den Geschlechterrollen ansetzen:

"Sollen wirkungsvolle Konzepte zur Bewältigung und zur Prävention von Gewalthandeln bei Kindern und Jugendlichen entwickelt werden, so dürfen die alltäglichen Formen der Gewalt einerseits und eine geschlechtsspezifische Differenzierung und damit die offensichtliche Verbindung zwischen Gewalthandeln und Männlichkeitsbildern als wesentliche Ursache männlicher Gewaltbereitschaft andererseits nicht vernachlässigt werden."

Anita Heiliger, Deutsches Jugendinstitut

Tipps für Eltern

Fragen Sie Ihr Kind

Eltern sollten sich mit den medialen Vorlieben ihrer Kinder vertraut machen: Was sieht es sich gerne an und welche Computerspiele spielt es gerne. Dabei sollten Sie sich vom Kind oder Jugendlichen selbst erklären lassen, worin die Faszination liegt. Nur, wenn Eltern vorurteilsfrei das Gespräch suchen, können sie auch Problematisches ansprechen.

Informieren Sie sich

Einen ersten Anhaltspunkt, für welche Altersgruppe zum Beispiel ein Film oder ein Computerspiel freigegeben ist, gibt die FSK-Freigabe. Eine Einordnung von Computrerspielen aus Pädagogensicht gibt folgender Link:

Geben Sie Orientierung

Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung - auch durch wirkliche Vorbilder. Eltern leben bestimmte Werte vor und sollten diese auch immer wieder thematisieren. Vorbilder können aber auch ein Großvater, Sportler oder Freund sein.

Reden Sie

Das Thema "Gewalt" immer wieder ansprechen: Eltern sollten mediale Gewalt oder Gewalt im Computerspiel zum Thema machen. Das kann Distanz schaffen, die notwendig ist, um gegen die Faszination der Gewalt anzugehen.
Quellen: Elternbroschüre "Aufwachsen in Actionwelten" über Aktion Jugendschutz Bayern


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