Bayern 2 - Tagesgespräch


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Die deutsche Leitkultur Was ist das für Sie?

Konservative Politiker fordern schon lange: Je mehr Zuwanderer kommen, desto eher sollten wir definieren, was unsere Leitkultur ist. Doch: Brauchen wir das in unserer längst pluralen, offenen Gesellschaft noch?

Stand: 20.01.2016

Die CSU will Zuwanderer in der bayerischen Verfassung zur Achtung einer "deutschen Leitkultur" verpflichten. CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer schließt auch ein Volksbegehren dazu nicht aus, sollte die Opposition nicht mitziehen. An der Diskussion über die Bedeutung diese Begriffs werde man die Bürger beteiligen und die Grundsätze in die Verfassung aufnehmen, so Kreuzer.

"Wir wollen keine Parallelgesellschaften, keine Multi-Kulti-Gesellschaften, sondern wir wollen einen ganz klaren Maßstab, was wir bei der Integration erwarten: Wir denken hierbei an die Leitkultur."

Thomas Kreuzer, CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag

Bekenntnis zur deutschen Sprache, zu Recht und Gesetz

Der Vorsitzende der CSU-Zukunftskommission, Markus Blume, erklärte, man wolle das festlegen, "was zu einem guten Miteinander beiträgt". Er sprach von einer Einladung und einer "Orientierungshilfe" für Zuwanderer. In einem Positionsapier legt die CSU dar, was sie unter dem Begriff "Leitkultur" fasst: Etwa das Bekenntnis zur deutschen Sprache, zu Recht und Gesetz.

"Wir wollen niemanden in Lederhosen oder Dirndl zwängen (...). Aber wir werden beispielsweise das Martinsfest auch nicht in Sonne-Mond-und Sterne-Fest umbenennen."

Positionspapier der CSU zur Leitkultur

Ist "Leitkultur" eher eine "Rechtskultur"? Diesen Begriff benutzt der Soziologe Hans-Georg Soeffner, der bei Moderatorin Christine Krueger zu Gast im Tagesgespräch war. Die zentrale Frage in der Sendung: Muss man die Verfassung dafür ändern? Soll die Integration als Ziel gar eine ideologische, religiöse Färbung haben?

Hans-Georg Soeffner

"Es gilt, die Chimäre völkisch, religiös oder ideologisch eingefärbter Leitkulturen gründlich zu entsorgen: Offene Gesellschaften können nur durch den Gesellschaftsvertrag geleitet werden, den sie sich selbst gegeben haben. Schutzherrin dieses Gesellschaftsvertrages ist eine gesicherte und entschlossen durchgesetzte Rechtskultur."

Tagesgespräch-Gast Hans-Georg Soeffner am 12. Januar in einem Beitrag für die FAZ

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Eine Frau telefoniert | Bild: colourbox.com

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Torsten Stamm, Mittwoch, 20.Januar, 13:13 Uhr

17. DDR-Begriffe und LeiDkultur

@Herr Soeffner: "Geflügelte Jahresendzeitfigur" dürfte die korrekte Bezeichnung für einen Weihnachtsengel gewesen sein. ;-)
Zum Thema: Was die CSU aufführt ist eine Farce. Das Bsp. Hände schütteln Prä-Kindergartenniveau. Richtig ist, dass gewisse Verhaltensregeln vermittelt werden müssen, damit Migranten die Normen kennen, an die sie sich halten sollen. Das Gleiche gilt aber auch für viele Deutsche, die es regelmäßig nicht schaffen sich danach zu richten. Von "National befreiten Zonen", CSU-Skandale bis zu Ballermann-Touris, die oft genug das Recht der Gastländer mit Füßen treten, lassen sich viele Beispiele finden, bei denen die eigenen so missionarisch vorgetragenen Ansprüche ad absurdum geführt werden.

Schorschi, Mittwoch, 20.Januar, 13:10 Uhr

16. Leitkultur oder Leidkultur ?

Wenn der Studiogast Prof. Hans-Georg Soeffner meint, man müsse in Deutschland erst wieder das tolerante Miteinander der Religionen in Deutschland lernen, dann muss man sich fragen, wo dieser Mann denn lebt ?

Wir haben in Deutschland mittlerweile 4500 Moscheen, Tendenz steigend dank Ölgeld aus Saudi Arabien.
Der Bundespräsident verkündet dem verdutzten Volk, daß der Islam zu uns gehört, und es reicht immer noch nicht ?

Juden fürchten sich mittlerweile in Deutschland wieder, nicht wegen der Deutschen, sondern wegen der wachsenden Gefahr, die von islamischen Fanatikern ausgeht.

Wenn man sich ansieht, daß in Moslemischen Ländern noch immer christliche Kirchen brenn und Pfarrer geschleift werden, dann hat Deutschland wohl wirklich weit mehr als das Zumutbare getan.

Zudem hat es nichts mit Leitwölfen etc zutun, wenn wir von Zuwanderern und Gästen einfordern(!), daß sie sich an unsere Regeln und Gesetze halten. Andere Einwanderungsländer haben nicht Null-Toleranz Regeln.

Johannes Bertholdt, Mittwoch, 20.Januar, 13:02 Uhr

15. Lei(d)kultur

Leitkultur, ha ha Dirndlverbot und Lederhosenpflicht für afrikanische Einwanderer. Der Herr Söffner hat eine genauso gute Stimme wie seine Ansichten. Ein toller Studiogast wie so oft im BR

Elisabeth Desing, Mittwoch, 20.Januar, 12:54 Uhr

14. Verhaltensregeln

Also, als jahrelange direkte Nachbarin eines bayerischen Wirtshauses, in einem Ort, in dem es bis heute keine Flüchtlinge gibt, habe ich mit diesem Beitrag von Frau Rau? so ein kleines Problem. Angekotzte und angepieselte Hauswände, Müll (Zigarettenschachteln, Bierflaschen etc.) im Vorgarten sind an der Tagesordnung. Nächtliche Ruhestörungen bis zum Läuten an der Haustüre durch besoffene Mitbürger mit sexuellen Abiederungen habe ich viele erlebt (als alleinerziehende Mutter). Ist das die Kutlur, die wir bewahren müssen?

Christian Göpfert, Mittwoch, 20.Januar, 12:47 Uhr

13. Neidkultur

Dass ausgerechnet die CSU Deutschsprechen zur Pflicht machen will, finde ich höchst amüsant. Ich hoffe sie zahlt dann auch all ihren Mitgliedern und Wählern den fälligen Deutschkurs.
Mit einer derartigen Debatte werden lediglich die Armen auf die noch Ärmeren gehetzt und vom eigentlichen Problem abgelenkt, der politischen Planlosigkeit.
Und der arme Herr Merz war wohl einfach nur seiner Zeit voraus.
Straffällige Asylanten abschieben? Wohin bitte? In ihre Herkunftsländer, wo ihr Leben bedroht ist? Eine sehr umständliche und teure Art der Todesstrafe. Es hat doch einen Grund dass diese Menschen Asyl erhalten, man kann sie (z. Z.) nicht in ihre Heimat abschieben.

Beschämend ist das einzige Wort das hier die Lage des öffentlichen Diskurses trifft, und Großteile von Politik und Medien stimmen so fröhlich wie unkritisch ein.
Traurig.