Bayern 2 - Notizbuch


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Der Wolf in Bayern Gewinn oder Gefahr?

Nach Schätzungen von Experten leben in Europa rund 20.000 Wölfe. Naturschützer freuen sich über die Rückkehr des Wolfes, andererseits ruft sie warnende und besorgte Stimmen auf den Plan. Die Reaktionen reichen vom Wunsch zur friedlicher Koexistenz mit Nutztierhaltern bis hin zur Forderung einer Jagdquote.

Von: Chris Köhler

Stand: 21.01.2016

Der Wolf in BayernUrsprünglich war der große Beutegreifer eines der am weitesten verbreiteten Säugetieren der Welt: Der Wolf hat Nord- und Mittelamerika, weite Teile Asiens und ganz Europa besiedelt. Um 1850 war er aber zumindest bei uns wegen intensiver Bejagung ausgerottet. Heute leben nur noch in Alaska, Kanada und Russland größere zusammenhängende Wolfsbestände. In Skandinavien, Spanien, Italien, Frankreich und der Schweiz ist der Wolf - der an der Spitze der Nahrungskette steht - auch heimisch, aber in vergleichsweise kleiner Zahl; ebenso auf dem Balkan und in Westpolen. Von dort ist er mittlerweile auch zu uns zurückgekehrt: In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen leben Wolfsrudel. In anderen Bundesländern - unter anderem in Bayern - werden bislang immer wieder einzelne Tiere gesichtet.

Sichtungen

Steckbrief: Wolf

Mit einer Höhe von bis zu 90 Zentimetern und einer Länge von etwa einem Meter 40 ist Canis lupus deutlich größer als ein Schäferhund; erwachsene Wölfe bringen bis zu 50 Kilo auf die Waage. Das Fell ist gelbbraun bis grau, im Gesicht eher dunkel mit weißen Wangen, die Schwanzspitze schwarz. Der Wolf, ein ausgezeichneter Langstreckenläufer, hat lange schlanke Beine und eine kräftige Brust.

Manchmal sind es auch nur Kot-Funde, Speichel-  oder Fellrückstände an gerissenem Wild oder an Kadavern von Nutztieren, die auf die Anwesenheit des Wolfes schließen lassen. Seit 2013 gibt es in den Landkreisen des bayerischen Alpenraums sporadisch Nachweise von Einzeltieren, nämlich im März 2014 im Landkreis Rosenheim, im Mai 2014 im Landkreis Oberallgäu und im August 2015 im Landkreis Miesbach. Im Nationalpark Bayerischer Wald - Landkreis Freyung-Grafenau - wurde am 12. Januar mit einer automatischen Wildtierkamera ein Foto von einem Wolf gemacht. Das Foto entstand am frühen Abend und wurde bei einer routinemäßigen Kontrolle der Kamera entdeckt.

Der Wolf - ein Konfliktfall

Wolf | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie mit Informationen Wildtiere in Bayern Der Wolf - ein Ureinwohner Bayerns

Noch streifen durch Bayern nur einsame Wölfe, doch im Norden Deutschlands hat die Wolfspopulation in einigen Regionen wieder zugenommen. Der Mensch sollte sich also auf den Rückkehrer einstellen, soll das Zusammenleben klappen. [mehr]

Der Wolf ist für viele Menschen Symbol für Boshaftigkeit und List - schließlich hat der Urahn unserer Hunde im Märchen der Brüder Grimm erst die Großmutter und dann das Rotkäppchen gefressen. Um es vorwegzunehmen: Der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum des Wolfes. Trotzdem streiten Landschützer und Landnutzer miteinander. Die Jäger machen sich Sorgen, dass die Wölfe zu viele Rehe und Hirsche fressen könnten. So fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer: "Der Wolf muss dem Jagdrecht unterstellt werden." Die Nutztierhalter und -züchter sorgen sich ebenfalls um ihre Tier. Schafhalter zum Bespiel, und so mancher Almbauer wünscht sich in den Bergen wolfsfreie Zonen, wie es sie auch in Schweden gibt. Der Wolf treibt durchaus sein Unwesen unter den Nutztieren. Die gängige Präventionsmaßnahmen sind Elektrozäune und Schutzhunde. Doch oftmals lehnen Almschafhalter solche Mittel strikt ab. Der Bund Naturschutz München appelliert indes an die Nutztierhalter und plädiert für eine Nebeneinander, denn der Wolf ist ein Ureinwohner Bayerns und gehört zur Biodiversität.

Wildtier-Management in Bayern

In Bayern gibt es Managementpläne für den Umgang mit den großen Beutegreifern Bär, Luchs und Wolf. Die Pläne bekommen von Experten sogar die Note "sehr gut". Nachholbedarf gibt es aber offenbar im Hinblick auf den normalen Bürger. Der Umgang mit den "wilden" Rückkehrern Bär, Luchs und Wolf will gelernt sein. Werden Wölfe gegenüber Menschen aggressiv, hatten die Tiere meist vorher Kontakt. So sind sie zum Beispiel gefüttert worden; das kann eine achtlos weggeworfene Wurstpelle gewesen sein oder ähnliche Essensreste. Die Wölfe werden neugierig und sind dann weit weniger scheu als erwartet. Doch der Wolf ist ein Wildtier, und Wildtieren sollte man mit Respekt und gesundem Menschenverstand begegnen.


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