Bayern 2 - Notizbuch


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Die Welt der Veganer Kein Fleisch, kein Ei, kein Honig

Veganer ernähren sich rein pflanzlich und verzichten zudem auf sämtliche tierische Produkte wie Lederschuhe und Daunendecken. Was steckt hinter diesem Lebensstil: Ethik, Lifestyle oder Dogma? Und: Ist vegane Ernährung gesund?

Von: Johanna Stadler

Stand: 16.01.2016

Veganer Supermarkt | Bild: picture-alliance/dpa

Was haben Christoph Maria Herbst, Al Gore und Natalie Portman gemeinsam? Sie ernähren sich vegan. Sie essen also nicht nur kein Fleisch und keine Wurst. Sie verzichten sogar ganz und gar auf tierische Produkte, also auch auf Eier, Milch, Käse und Honig. Mancher Veganer nimmt's sogar noch genauer und schaut auch bei Lebensmitteln mit E-Nummer genau hin. Denn auch sie können tierischen Ursprungs sein - zum Beispiel werden für den Farbstoff E120 Cochenille-Läuse zermahlen und ausgekocht.

Gelatine ist ebenso tabu. Doch nicht immer ist es leicht herauszufinden, ob ein Produkt wirklich vegan ist. Denn der Begriff "vegan" ist lebensmittelrechtlich nicht definiert. Veganer meiden zudem Kosmetika, die auf Tierprodukte zurückgehen oder für die Tierversuche nötig waren. Auch alle Produkte aus Leder passen nicht zu diesem Lebensstil, ebensowenig wie Seidenblusen oder Daunendecken.

Die Industrie stellt sich auf die neue Kundschaft ein

Geld verdienen mit Veganern: der Berliner Veganer-Laden "Veganz"

Während Vegetarier inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, befindet sich der vegane Lebensstil noch in einer Nische. Auch wenn vegane Kochbücher den Markt überschwemmen und zumindest in den Großstädten viele Restaurants vegane Gerichte auf der Speisekarte haben, Veganer sind eine Minderheit. Schätzungen zufolge leben 1,1 Prozent der Menschen in Deutschland vegan. Die Tendenz ist freilich steigend. Für die Nahrungsmittelindustrie ist das eine Nische, in der sich durchaus Umsatz machen lässt, und zwar von Jahr zu Jahr mehr. Bei mehr als 700 Millionen Euro im Jahr soll der Umsatz mit vegan deklarierten Artikeln liegen. Der typische Veganer ist übrigens eine Veganerin mit Hochschulstudium, und sie lässt sich ihre Lebensweise etwas kosten. Denn viele Produkte sind deutlich teuerer als die konventionelle Variante. Ein Liter "Mandelmilch" kostet etwa drei- bis viermal soviel wie ein Liter Kuhmilch.

Wie (un-)gesund ist vegane Ernährung?

Obst ist bekanntlich gesund. Ob eine reine vegane Ernährung auch gesund ist, ist umstritten

"Das ist doch eine reine Mangelernährung" - diesen Satz bekommen Veganer nicht selten zu hören. Auf die sogenannten Pommes- und Puddingsveganer trifft das auch zu. Aber innerhalb der Veganerszene sind sie eine Minderheit, die Mehrzahl ist sogar sehr gesundheitsbewusst. Doch ob die vegane Lebensweise nun gesund ist oder nicht - darüber streiten sich Experten; belastbare Studien dazu gibt es nur wenige. Tatsache ist, dass es Probleme bei der Versorgung mit Vitamin B12, Eisen, Jod, Kalzium und Zink geben kann. Vitamin-B12-Mangel zum Beispiel kann zu Blutarmut führen und sogar zu Nervenschäden. Deswegen empfehlen Ernährungsexperten häufig Nahrungsergänzungsmittel - nicht unbedingt der Königsweg, da diese selbst nicht unumstritten sind. Auch die vielen Ersatzprodukte und Imitate sind häufig zwar teuer, aber ohne wirklichen Mehrwert. Wer also vegan und gesund leben möchte, der muss bereit sein, seiner Ernährung viel Aufmerksamkeit zu widmen und sich gut zu informieren.

"Eisen wird aus tierischen Lebensmitteln deutlich besser aufgenommen als aus pflanzlichen Lebensmitteln (…) Diese Aufnahme von pflanzlichem Eisen kann man aber verbessern, zum Beispiel durch Vitamin C. Wenn ich also ein eisenreiches Lebensmittel - wie Haferflockenmüsli - kombiniere mit einem Vitamin-C-reichen-Lebensmittel wie Organgensaft, dann kann ich diese Eisenaufnahme deutlich verbessern."

Dr. Markus Keller, Leiter des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung

Was bewegt die vegane Gemeinde?

Tierliebe - der häufigste Grund, warum Menschen zu Veganern werden

Die Sorge um die eigene Gesundheit ist aber häufig nicht der Anstoß für ein veganes Leben. Eine Umfrage der ZEIT hat ergeben, dass für 90 Prozent der Veganer der Tierschutz der Auslöser dafür war, die Essgewohnheiten umzustellen. Und: Viele Veganer haben zuvor schon jahrelang vegetarisch gelebt. Das Bewusstsein, nachhaltig leben zu wollen, wurde nicht zuletzt durch Bücher wie "Praktische Ethik" von Peter Singer oder "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer gestärkt. Wer vegan lebt - und zusätzlich auf regionale und biologische Produktion seiner Lebensmittel Wert legt - der tut tatsächlich einiges für unsere Umwelt. Schließlich ist die Massentierhaltung mitverantwortlich für den Ausstoß von Treibhausgasen, für Flächenverbrauch, Abholzung von Regenwäldern, Überdüngung, Wasserverschwendung. Laut Umweltbundesamt werden für die Herstellung eines einzigen Kilogramms Rindfleisch rund 17.871 Liter Wasser benötigt.

"Tiere sind keine Produkte, mit denen wir nach Belieben verfahren können. Es sind Lebewesen, die wir weder töten noch quälen dürfen. Milchkühen oder Hühnern geht es nicht anders als Mastschweinen - sie werden nur unter dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit gesehen. Ich mache da nicht mit, und ich habe gemerkt, dass es mir gesundheitlich besser geht, seit ich kein tierisches Eiweiß mehr esse."

Nora Serve, 24, Veganerin


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