Bayern 2 - Notizbuch


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Die Tigermücke kommt "Ein einziger Stich genügt"

Sie überträgt das gefährliche Dengue-Fieber und taucht immer häufiger in Deutschland auf: die Tigermücke. Wir haben eine Forscherin auf der Mückenjagd begleitet und einen Tropenmediziner gefragt, wie gefährlich die Mücke für uns ist.

Von: Tobias Betz

Stand: 10.08.2015

Immer häufiger finden Forscher die Tigermücke in Deutschland, zum Beispiel im Rheintal und in Südbayern. Prof. Dr. Thomas Löscher ist Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Herr Löscher, wie gefährlich ist die Tigermücke für uns?

Tropenmediziner Prof. Dr. Thomas Löscher

Die Tigermücke ist eine blutsaugende Stechmücke, die eigentlich aus Asien kommt, sich mittlerweile aber auch sehr erfolgreich in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten ausgebreitet hat. Das Problem ist, dass sie ein sehr guter Überträger von Viren ist. Sie überträgt auch das Dengue-Fieber. Und das ist lebensgefährlich. Für eine Ansteckung genügt ein einziger Stich der Tigermücke. Die Weltgesundheitsorganisation geht von etwa 30.000 Todesopfern pro Jahr aus - weltweit. Vor allem Kinder in den Hauptgebieten in Asien sind betroffen.
In Deutschland und in anderen Industriestaaten verläuft die Krankheit eigentlich nicht tödlich. Dafür ist unsere medizinische Versorgung zu gut ausgebaut. In Deutschland haben wir im Jahr etwa 600 Dengue-Patienten.

Die holen sich das Dengue-Fieber im Ausland - etwa in Asien oder Südamerika. Kann man sich auch hierzulande durch die Tigermücke anstecken?

Wenn ein Reisender aus dem Ausland zurückkommt und das Dengue-Virus im Blut hat, kann sich eine Tigermücke durch einen Stich mit dem Virus infizieren - und dann in den nächsten ein, zwei Wochen auch andere Menschen anstecken. Das wäre durchaus denkbar.

In Italien ist die Tigermücke schon heimisch. Jetzt kommt sie auch nach Deutschland. Steht uns also eine Invasion tropischer Krankheiten bevor?

Zunächst nicht. Wir haben ja noch den Frost im Winter und bisher konnte die Tigermücke nicht überwintern. In Italien herrschen vor allem im Norden optimale Bedingungen. Milde Winter und feucht-heiße Sommer. Ob sie in Deutschland eine selten vorkommende Mücke bleiben oder sich auch hier wirklich massenhaft ausbreiten wird, ist schwierig abzuschätzen. Aber sie wird uns sicher in den nächsten Jahren begleiten. Das zeigen die Funde und Untersuchungen.

Wenn Sommer und Winter immer wärmer werden, wie in diesem Jahr, würde sich die Tigermücke dann auch in Deutschland immer wohler fühlen?


Die Klimaveränderungen, die das ermöglichen würden, dauern Gott sei Dank noch lange. Aber es ist immer möglich, dass eine Mücke sich ändert - etwa durch Mutationen, durch genetische Veränderungen - und sich dann an das bestehende Klima anpasst. Das kann man nicht ausschließen. Man muss das verfolgen und beobachten, um entsprechend reagieren zu können. Bis die Tigermücke in Deutschland heimisch wird, wird es aber wohl noch dauern.

Fakten zur Tigermücke

  • Die Tigermücke überträgt Krankheiten wie das Dengue-Fieber, das West-Nil-Virus und das Chikungunya-Fieber.
  • 1979 trat sie erstmals in Europa auf - in Albanien.
  • 1990 wurde sie in gebrauchten Reifen auf einem Transportschiff von Georgia (USA) nach Genua in Italien verschleppt. Sie wurde in fast ganz Italien heimisch und verbreitete sich auch im Mittelmeerraum.
  • 2007 brach in Norditalien das Chikungunyafieber aus. Mehr als 200 Menschen erkrankten. 2010 infizierten sich im französischen Nizza und in Kroatien vereinzelt Menschen.
  • Seit 2011 wird die Tigermücke immer häufiger in Süddeutschland gefunden.
  • 2013 meldete das Europäische Seuchenzentrum Dengue-Fälle auf Madeira. Auf der portugiesischen Insel erkrankten hunderte Menschen daran.
  • In Deutschland werden bis zu 600 Dengue-Patienten jährlich gemeldet. Angesteckt haben sie sich aber ausschließlich im Ausland.

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