Bayern 2 - Notizbuch


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Cheapenergy24, Verivox und Co. Die Wechselhelfer auf dem Energiemarkt

Nicht jeder hat sich bis heute mit der neuen Freiheit angefreundet, den Energieversorger frei wählen zu können. Deshalb beziehen viele Verbraucher Strom und Gas immer noch - oder schon wieder - zu hohen Preisen oder schlechten Konditionen. Professionelle Wechselhelfer bieten aber seit Kurzem den Service an, Verbraucher bei der Tarifauswahl an die Hand zu nehmen. Und das jedes Jahr aufs Neue.

Von: Dirk Vilsmeier

Stand: 18.07.2017

 Euro-Geldscheine und -Münzen, die unter einer Verlängerungsschnur und unter zwei Stecker liegen  | Bild: picture-alliance/dpa

Viele Haushalte verschenken viel Geld, wenn sie sich nicht mit der Frage nach dem richtigen Energieversorger oder Tarif auseinandersetzen. Vor allem die Kunden, die noch in einem Grundversorgungstarif sind, haben hier Nachholbedarf heißt es - immerhin rund ein Drittel aller Verbraucher. Cheapenergy24 aus Augsburg ist einer der neuen Anbieter, die Wechselfaulen auf die Sprünge helfen wollen.

"Wir bieten dem Verbraucher quasi eine kontinuierliche, meist jährliche Überprüfung der Tarife an. Und falls ein Wechsel notwendig ist, übernehmen wir mit Zustimmung der Kunden die kompletten Aufgaben rund um den Wechsel: Sprich Kündigung beim Altanbieter, Anmeldung beim neuen Versorger. Wir bieten quasi ein Rundumsorglospaket an, dass sich der Verbraucher um nichts mehr kümmern muss."

Benjamin Reichenbach, Mitgründer von cheapenergy24

Dafür, dass der Kunde jedes Jahr einen neuen Anbieter vorgeschlagen bekommt, nimmt das Unternehmen eine jährliche Provision, die sich an der Ersparnis des Kunden bemisst: im ersten Jahr 30 Prozent, im zweiten 25 und im dritten Jahr 20 Prozent.

Für Verbraucherschützer eine "interessante Idee"

Zwar gehen Verbraucherschützer davon aus, dass eigentlich jeder in der Lage sein sollte, seinen Energieanbieter selbst zu wechseln, allerdings sehen auch sie die Hürden und Fallen auf dem Weg zu einem neuen Anbieter.

"Anbieter versuchen die Kunden im ersten Jahr mit sehr niedrigen Tarifen zu locken und dann, spätestens im zweiten oder dritten Jahr, versuchen sie, eine Preiserhöhung, meistens eine deftige Preiserhöhung, unterzuschieben. Und da lassen die sich ein paar Tricks einfallen. Und wenn da quasi ein Professioneller draufguckt, der genau das nämlich verhindert, indem er jedes Jahr wieder den Tarif optimiert, ist das erstmal einer der Gründe, warum das eine interessante Geschichte ist."

Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW

Verivox finanziert sich hauptsächlich durch Vemittlungsprovisionen der Energieversorger

Allerdings ist er nicht von jedem Wechselhelfer-Angebot überzeugt. Beim Vergleichsportal Verivox geht er beispielsweise von einer Interessenskollision aus. Das Portal finanziert sich hauptsächlich durch Vermittlungsprovisionen der Energieversorger und muss damit auch deren Interessen berücksichtigen. Somit kann das Portal womöglich nicht ganz so viel für die Verbraucher herausholen.

Zweifel am langfristigen Geschäftserfolg

Und noch ein Punkt lässt Sieverding ganz grundsätzlich bei all diesen Angeboten zögern. Denn der Kunde hat allein dadurch einen regelmäßigen Aufwand, dass er die Vorschläge der Wechselhelfer annehmen oder ablehnen muss.

Wer sparen will, sollte regelmäßig seinen Tarif überprüfen.

"Kunden, die erst mal dieses Geschäftsmodell verstehen, die sind wahrscheinlich auch schon wieder so weit, dass sie sich sagen, ja, OK, dann spare ich mir die 30 Euro Jahresgebühr oder die 30 Prozent oder 20 Prozent Einsparungsprovision, die dann dieses Portal bekommt. Weil, so ein Hexenwerk ist das mit dem Anbieterwechsel nicht. Und wenn ich mich darum kümmern muss, einmal im Jahr, dann mach ich´s halt dann doch selber."

Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW


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