Bayern 2 - Notizbuch


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Studiengebühr und familiäres Flair Was private Hochschulen von öffentlichen unterscheidet

Über 120 private Hochschulen gibt es in Deutschland – 30 mehr als noch vor fünf Jahren. Zuletzt haben dort so viele Erstsemester wie nie zuvor ihr Studium aufgenommen. Gerhard Brack war in München auf der Suche nach dem Erfolgsrezept.

Von: Gerhard Brack

Stand: 19.01.2016

44.000 Erstsemester haben im vergangenen Studienjahr (WS 2014/15) ein Studium an einer deutschen Privathochschule begonnen. Das sind mehr als je zuvor und immerhin neun Prozent der Erstsemester aller Studierenden überhaupt.

"Man muss sich auf jeden Fall bewusst sein, dass man viel Zeit und Elan und Engagment mitbringen sollte. Wir haben jetzt alleine dieses Semester neun Projekte. Ich habe zehn, weil ich noch eine studentische Initiative gemacht habe, und das ist wirklich viel - und dann noch zwei Prüfungen."

Lucina Benker

Lucina Benker studiert an der Münchner Hochschule Macromedia Markenkommunikation und Werbung. Eines ist ihr besonders wichtig: Ein Studium an einer Privathochschule ist auf keinen Fall ein "Studium light" – da pflichtet ihr die Kommilitonin Luzie Seitz bei:

"Es ist vielleicht auch nochmal interessant - so ein klassisches Klischee: Auf einer privaten Uni kriegt man alles geschenkt. Schön wär's gewesen! Das entspricht dann leider definitiv doch nicht der Wahrheit."

Luzie Seitz

Die Studierenden stecken viel Fleiß in Projekte, entwerfen Werbekonzepte für große Firmen und arbeiten dabei mit großem Einsatz eng im Team zusammen – Woche für Woche.

"Ich würde so weit gehen, zu sagen: 60 Stunden, auf alle Fälle momentan. Aber es ist auch bald Abgabe. Gegen Ende fühlt es sich dann auch an wie 60 Stunden - oder auch wie 200 Stunden die Woche gefühlt. Aber man freut sich um so mehr dann, wenn man es gemacht hat - und vor allem dann, wenn man es so gemacht hat, dass man selbst zufrieden damit ist. Ich denke, das ist ja immer das wichtigste."

Luzie Seitz

Studiengebühr: 844 Euro im Monat

Die Macromedia ist eine von insgesamt nur sechs bayerischen Privathochschulen. Niederlassungen hat sie auch in Stuttgart, Köln, Hamburg und Berlin. An jedem Standort müssen private Hochschulen ihre Studierenden finden, denn die finanzieren mit ihren Studiengebühren den Betrieb. David Helmut ist Student – und Kunde! – im siebten Semester:

"Das ist nicht billig! Das ist natürlich der große Haken an so einer Privat-Uni. Das sind 844 Euro, glaube ich, die man da im Monat zahlt. Ich habe das Glück gehabt, dass ich ein Stipendium bekommen habe, 50 Prozent, ich zahle jetzt also 422 Euro monatlich circa. Als Student das Ganze aus der eigenen Tasche zu zahlen - bei mir ist es tatsächlich die eigene Tasche und nicht die Tasche meiner Eltern - das ist eine Art Struggle."

David Helmut, Student im siebten Semester

An der Macromedia Hochschule können ...

Soll heißen: Kampf, Mühe, Qual, aber eben eine, die sich lohnt. Mittlerweile zeigt das Fernsehen Kurzfilme von ihm, und er hat eine Produktionsfirma gegründet, mit der er sich über Wasser hält.

... Studierende auch selbst ihre Filme drehen.

Manche finanzieren ihr Studium auch über Studienkredite. Bis zum Abschluss laufen dann in der Regel Schulden von 20.000 bis 60.000 Euro auf, im Einzelfall sogar 100.000 Euro.

Viel Praxis und familiäres Umfeld

Das Gebäude der FOM in München.

Privathochschulen führen besser an die berufliche Praxis heran als staatliche Universitäten und: Sie kommen den Bedürfnissen ihrer Studenten viel besser entgegen. Das meinen jedenfalls Carmen Groß und Mareike Haller, beide studieren BWL und Wirtschaftspsychologie an der FOM in München, einer privaten Hochschule speziell für Berufstätige.

"Meine Firma lässt mir allen Freiraum. Das ist also einfach meine komplett private Entscheidung in meiner Freizeit sozusagen gewesen, die ich auch selbst zu verantworten habe. Ich bin auf Teilzeit umgestiegen, so dass ich zweimal die Woche in die FOM gehen kann. - Es ist hier alles persönlicher. Die Dozenten kennen einen auch, ich finde das auch viel angenehmer, es sind keine 300 Studenten in einem Vorlesungssaal. Wir sind wie eine große Klasse - wie damals in der Schule. Jeder kennt sich, und dadurch finde ich es sehr angenehm, hier zu studieren."

Carmen Groß und Mareike Haller

Die FOM hat insgesamt 4.000 Studierende.

Über 30 Niederlassungen hat die FOM deutschlandweit, und alleine die FOM München 4.000 Studierende  - viele stammen aus ärmeren Familien und konnten eben nicht gleich nach dem Abitur ein Studium beginnen. Die Hochschule kooperiert mit Hochschulen im Ausland, ist gemeinnützig und wird getragen von Stiftungen und Verbänden, die keine Gewinne abschöpfen, betont Gerald Mann, Gesamtstudienleiter der FOM in München.

"Durch die enge Verzahnung mit unseren Trägern, Wirtschaftsverbänden, Arbeitgeberverbänden, wissen wir natürlich auch: Wo liegt denn der Bedarf? Dementsprechend werden dann auch mal neue Studiengänge konzipiert. Denn wir wollen ja ganz sicher nicht für Arbeitslosigkeit ausbilden, sondern dafür, dass die Menschen gute Beschäftigung bekommen. Also: Ich denke, dass auch im Bildungsbereich Wettbewerb gut tut."

Gerald Mann

Immer wieder neue Studiengänge

Privathochschulen springen vor allem dort ein, wo das staatliche System eben Lücken lässt. Sie spezialisieren sich auf Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und bieten so immer wieder neue Ausbildungschancen - an der Hochschule Macromedia gerade rund um das Thema "Customer Relationship Management", erklärt Präsident Jürgen Faust.

"Wenn Sie heutzutage ein Buch kaufen, und Sie kaufen das online, dann weiß natürlich die Website sofort, was Sie das letzte Mal gekauft haben und bietet Ihnen etwas an, was in Ihrem Interesse sein könnte. Und da sind große Systeme dahinter, die nennt man Customer Relationship Management Systeme, und diese zu steuern, diese zu entwickeln, auch den Service zu entwickeln, das spielt heuzutage eine enorme Rolle. Überall sind diese Systeme im Einsatz, und wir haben eigentlich leider viel zu wenig Fachkräfte. Und da bieten wir natürlich Studiengänge an, die gerade diese Fachkräfte entwickeln, und da haben unsere Abgänger natürlich eine Riesenchance, da sind die auch sehr gesucht."

Jürgen Faust

Auch in digitalen Zeiten unersetzlich: Die Hochschulbibliothek.

Die einzelnen Bundesländer gehen mit ihren privaten Hochschulen sehr unterschiedlich um. In Bayern haben es private Hochschulen eher schwer; denn der Freistaat sieht in ihnen vor allem private Unternehmen und zahlt – anders etwa als Nordrheinwestfalen - keinerlei Zuschüsse. Dem hält Peter Thuy vom Verband der privaten Hochschulen entgegen:

"Privathochschulen müssen sein, weil wir zum einen innovativer sind als die staatlichen Hochschulen. Das hängt einmal mit schierer Größe zusammen, aber auch damit, dass wir natürlich permanent versuchen müssen Lücken zu finden, die die staatlichen lassen, bessere Betreuungsmodelle zum Teil haben, auch Fächer sozusagen erst hochschulfähig gemacht haben. Also von daher sind die privaten Hochschulen so eine Art Hefe im Teig der Hochschulen."

Peter Thuy

Eine Hefe, von der die Bildungslandschaft insgesamt profitiert.


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