Bayern 2 - Notizbuch


4

Palmöl Was ist dran, wo ist es drin?

Die Ölpalme liefert den Stoff. Palmöl. In der industriellen Herstellung von Dingen ist es DER wunderbare Alleskönner. Ob im Waschpulver oder in der Fertigsuppe, Palmöl ist überall im Einsatz. Weil das Palmöl so 'wunderbar' und ein nachwachsender Rohstoff ist, auch als Ersatz für andere Öle, werden Palmen heute in riesigen Plantagen angebaut. Dass dafür aber erst einmal ebenso riesige Flächen gerodet werden müssen, darüber redet keiner so gerne.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 07.11.2016

Ölpalmen-Plantage in Indonesien | Bild: picture alliance / ZUMA Press

Malaysia: Fluch und Segen des Palmöls

Um Palmöl-Plantagen zu errichten, werden häufig Regenwald-Flächen in Brand gesteckt. Die Feuer mit ihrer immensen Rauchentwicklung bedrohen alles Leben in der unmittelbaren Nähe. Aber auch Nachbargebiete bleiben nicht verschont. Über Malaysia zum Beispiel bildet sich durch die Waldbrände auf der indonesischen Insel Sumatra immer wieder bedrohlicher Smog. Auch Singapur ist immer wieder vom Smog betroffen. Die Wälder in Indonesien und Malaysia brennen weiter - auch wenn Palmöl in Europa inzwischen einen schlechten Ruf hat. Die weltweite Nachfrage steigt ungehindert weiter.

Hörtipp! Notizbuch-Gespräch

Zur Beruhigung des 'grünen' Gewissens gibt es auch sogenanntes nachhaltiges Palmöl. Es hat ein eigenes Siegel: RSPO, das für "Roundtable on Sustainable Palm Oil" steht, zu deutsch "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl". RSPO gibt es seit 2004 und geht auf eine Initiative der Palmöl-Branche zurück, Geburtshelfer war die Umweltorganisation WWF. Aber gibt es überhaupt so viel nachhaltiges Palmöl wie angeblich verarbeitet wird oder ist das Siegel vielleicht doch eher eine Mogelpackung?

Mehr dazu im Notizbuch-Gespräch am 7. November mit Sven Selbert, Tropenwaldreferent von Robin Wood.

Was macht das Öl der Palme und des Palmkerns so attraktiv?

Das liegt zum Beispiel daran, dass Palmöl eine sehr spezielle Zussammensetzung der Fette hat, die einzigartig ist in der Natur.

"Palmöl ist in ganz vielen Lebensmitteln drin, die das Leben schöner machen: Süßwaren. Man braucht es für ein angenehmes Mundgefühl, für den Schmelz in Eiscremes, in Kakaoglasuren. Es ist auch in vielen Backwaren, weil es da zu den Teigeigenschaften beiträgt; zum Beispiel in der Croissant-Herstellung, wenn man eine schöne aufgehende Blätterteigstruktur haben will. Und was man auch sagen muss: Palmöl ist oxidationsstabil. Man bekommt sehr lange haltbare Produkte und die besten Mürbkekseigenschaften."

Sven Hubbes, Ingenieur für Lebensmitteltechnologie

Selbst der Hype um Öle mit ungesättigten Fettsäuren hat Palmöl nicht aufhalten können. Mit seinem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren wird es für schlechte Blutfettwerte verantwortlich gemacht. Es gibt aber auch Ärzte, die sagen, besonders das rote Palmöl sei ein 'Gesundpaket', weil der Mensch auch gesättigte Fettsäuren brauche.

Der wirklich große Run auf Palmöl aber wurde ausgelöst durch den Durst nach Biosprit beziehungsweise Agrosprit, wie er korrekt heißen muss, anfangs gepriesen als nachwachsender Rohstoff und dazu noch klimaneutral.

Worauf achten, wenn man Palmöl vermeiden möchte?

Auch Lebensmittel mit Bio- oder Fairhandelssiegel können Palmöl enthalten. So verarbeitet etwa ein Bio-Produzent aus dem Allgäu Palmöl, zum Beispiel bei Nussaufstrich, Brühwürfel und Margarine. Allerdings legt er großen Wert auf die kontrollierte Herkunft seines Bioöls. Zu erkennen durch das hauseigene Siegel auf den Gläsern und Verpackungen, eine kleine weiße Palme auf grünem Grund neben der Zeile "Faires Bio-Palmöl".

Bei Kosmetika wie Seife und Duschgels gibt es keine Kennzeichnungspflicht, dafür aber viele Tarnnamen, hinter denen sich Palmöl verbirgt. Es bleibt also eigentlich nur, bewusst zu konsumieren und sich bei verarbeiteten Produkten wie Tiefkühlpizza und ähnlichen Fertiggerichten zurückzuhalten. Sie enthalten sehr oft Palmöl. Tipp! Fragen Sie in den Geschäften nach, ob die verarbeiteten Lebensmittel wenigstens zertifiziertes Palmöl enthalten.

Wo ist Palmöl drin? Check mit der App

Wo ist Palmöl drin? Palmöl muss nicht ausdrücklich deklariert werden. Mit Hilfe einer App lässt es sich aber aufspüren. Das Internet-Verbraucherportal Codecheck.Info, das von dem gemeinnützigen Verein Codecheck betrieben und von mehreren Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden unterstützt wird, stellt eine kostenlose App bereit, mit der Produkte auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden können.


4