Bayern 2 - Notizbuch


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Unter der Lupe Kosmetik

Bio-Kosmetik und konventionelle Kosmetik - wo ist der Unterschied? Was braucht unsere Haut, was macht sie schöner, was macht sie krank? Und wie man seine Creme selber macht. Hier gibt's Tipps.

Stand: 01.02.2016

Kosmetik unter der Lupe | Bild: picture-alliance/dpa/colourbox.com;Montage:BR

Bio-Kosmetik und "normale" Kosmetik - Was macht den Unterschied?

Ob Lippenstift, Creme, Lotion oder Duschgel - bei Naturkosmetik bestehen die Inhaltsstoffe aus natürlichen Rohstoffen. Ölauszüge oder wässrige Auszüge werden etwa aus natürlichem Mandel- oder Jojoba-Öl hergestellt und nicht aus Paraffinöl, das aus der Petrochemie gewonnen wird. In herkömmlicher Kosmetik kann neben Paraffin auch Aluminium stecken, ebenso Bleichmittel, Silikon, Tenside, Parabene oder synthetische Duft- und Farbstoffe.

Hörtipp! Notizbuch, 1. Februar 2016

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Wie krank macht der Schönheitswahn?

Zu Gast im Notizbuch-Studio ist der Dermatologe Dr. Alexander Konstantinow, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München.

Notizbuch-Gespräch am 1. Februar

EU-Öko-Verordnung für Kosmetik fehlt

Beispiel: BDIH-Siegel

Welche Stoffe in Kosmetikartikeln stecken, das muss in der sogenannten INCI-Liste stehen, der Internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe - und zwar nach Gewichtsanteil in abnehmender Reihenfolge. Ein vergleichender Blick auf die INCI-Liste von Kosmetikprodukten etwa im Bioladenregal und denen, die es mittlerweile auch beim Discountern gibt, zeigt: auch bei Naturkosmetik gibt es Qualitätsunterschiede. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dass wirklich Bio drin steckt, sollte nach Zertifizierungen schauen. Als verlässlich gelten etwa Siegel von BDIH, NaTrue oder Demeter. Diese Siegel garantieren einen Mindeststandard.

"Schwarze Kosmetik" - Macht's schön oder nur ein Marketing-Trick?

Würden Sie sich mit Kohle die Zähne putzen?

Schwarze Creme statt weißer Riese. Die Kosmetikindustrie lockt mit neuen Produkten, die Aktivkohle oder Vulkanstein enthalten. Jetzt muss es schwarz wie Schuhcreme sein, womit Frau oder Mann sich die Zähne putzen soll. Geradezu Wunder in Sachen Reinigungskraft sollen die Masken, Peelings oder Cremes vollbringen. Ob's hilft? Wer weiß, Beweise gibt es noch keine. Bewiesen ist allerdings laut Ökotest, dass in manchen Produkten Naphtalin enthalten ist. Naphatalin gehört zur Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, sogenannte PAK. PAK wie Naphtalin sind laut EU-Kosmetikverordnung verboten. Zahlreiche PAK sind nachweislich krebserregend oder stehen im Verdacht.

Schwarze Kosmetik - Viel Getrommel um eine Farbe

Was ist überhaupt Aktivkohle?

Aktivkohle ist ein Kohlenstoff, der nach der Verbrennung - zum Beispiel von Holz, Knochen oder Steinkohle gewonnen wird und sehr feinkörnig ist. Das Besondere: Aktivkohle ist extrem porös. Unter dem Mikroskop sieht jedes Granulat aus wie ein Schwamm mit großen Löchern. Aktivkohle ist sehr saugfähig. Ärzte verabreichen sie zum Beispiel bei Vergiftungen, weil sie die Gifte im Körper bindet. Die Industrie nutzt sie auch, um Bakterien aus dem Wasser zu filtern. Und schon die Ägypter verwendeten Aktivkohle vor mehr als 3.000 Jahren, um Bauchbeschwerden zu lindern.

Was hat das mit Zahnpasta und Duschgel zu tun?

Die Schönheitsindustrie hat Aktivkohle erst vor kurzem für sich entdeckt. Die Saugfähigkeit der Kohle soll Reinigungsprodukte noch wirksamer machen. Angeblich soll sie Farbablagerungen auf den Zähnen oder hartnäckige Unreinheiten in den Poren - ähnlich wie ein Magnet - anziehen. Ob das stimmt, ist aber unklar: Die Verbraucherschutz-Zeitschrift Ökotest hat 15 Produkte unter die Lupe genommen und relativ schlecht bewertet.

Gibt es keine Prüfung der Produkte bevor sie auf dem Markt kommen?

Es gibt keine unabhängige Prüfung, erklärt Dr. Andreas Butschke, der Leiter des Referats für Verbraucherprodukte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Firmen bestimmen also selber, welcher Experte ihr Produkt bewertet. Erst wenn die Produkte auf dem Markt sind, gibt es Kontrollen durch die Landesbehörden. Sie überwachen die Firmen, machen Stichproben oder veranlassen Analysen, wenn Produkte verdächtig erscheinen.

Wie viel kostet eine Zahnpasta oder eine Maske mit Aktivkohle?

Für eine kleine Tube schwarzer Maske muss man zwischen 10 und 25 Euro zahlen, für eine Zahnpasta ebenfalls: also gut zehnmal so viel wie für handelsübliche Ware. Außerdem findet man die meisten Aktivkohle-Produkte nicht im Drogeriemarkt, sondern nur im Internet. Für die schwarzen Pflegemittel, deren Wirkung noch nicht klar bewiesen ist und die möglicherweise krebserregende Stoffe enthalten, sind das Nachteile.

Tierversuche für Kosmetik

Versuchskaninchen als Symbol für Tierversuche

Nach dem europäischen Kosmetikrecht besteht seit Anfang 2013 ein vollständiges Verbot von Tierversuchen für Kosmetika in der EU. Es beinhaltet sowohl ein Testungs- als auch ein Vermarktungsverbot, und zwar ganz gleich, ob für konventionelle oder natürliche Produkte.

Augen auf bei Importware aus Nicht-EU-Ländern: In China zum Beispiel, das viele Waren exportiert, darf nur Kosmetik auf den Markt, die zuvor in Tierversuchen getestet wurde.

Kosmetik selbst gemacht

Milchkosmetik

Für die Hände

Peeling

Zutaten: 2 EL Sahne, Zucker, Lavendelblüten
Zubereitung: Sahne, Zucker und Lavendelblüten vermischen. Die Hände kräftig mit dem Peeling abrubbeln, dann abwaschen

Milch-Handbad

Zutaten: ein halber Liter Milch, 3 EL Honig, getrocknete oder frische Ringelblumen
Zubereitung: Die Milch erwärmen, Honig und Ringelblumen dazugeben. Die Hände etwa zehn Minuten in der warmen Milch baden.

Für das Gesicht

Blüten-Milch-Creme

Zutaten:  40 ml Johanniskrautöl, 30 ml Lavendelblütenöl, 30ml Mandelöl, ein paar Tropfen Nachtkerzenöl und ein paar Tropfen Aromaöl, außerdem 50 ml zimmerwarme Vollmilch
Zubereitung: Zuerst Küchengeräte und Gefäße mit Alkohol desinfizieren. Die Milch mit dem Pürierstab in hohem Gefäß ca. 2 Minuten verrühren. Vorsichtig die Öle dazugeben. Kurz bevor die Masse cremig wird, die Aromaöle einrühren. Die fertige Creme in ein verschließbares Döschen abfüllen. Im Kühlschrank ist die Creme 1-2 Wochen haltbar.

Für den Körper

Milchbad

Zutaten: 2 Liter Vollmilch, 200 g Honig, frische oder getrocknete Rosen- und Lavendelblüten
Zubereitung: Für den Badezusatz die Milch erst erwärmen, den Honig darin auflösen und die Blüten hinzugeben. In das warme Badewasser die Milch schütten und gut verteilen. Weitere Blüten hineinstreuen.

Für die Haare

Zutaten: 3 EL Sahne, ein halber TL Olivenöl, 1 TL Zitronensaft
Anwendung: Alle Zutaten verrühren. Die Packung im feuchten Haar verteilen, erst mit einer Folie, dann mit einem Handtuch abdecken. Einwirkzeit: ca. 15 Minuten. Dann das Haar mit mildem Shampoo auswaschen. Die Packung verleiht trockenem, stumpfem Haar wieder Glanz.
Achtung allerdings bei gefärbtem Haar: Maria Walser hat die Haarpflege vorsichtshalber bisher nicht darauf angewendet

Tipp von der Kosmetikerin: Christine Schießlers Grundrezept für Creme

Kosmetikerin Christine Schießler aus Kirchseeon. Sie bietet in München auch Kurse an. www.studio-lebensfreude.de/kosmetik-werkstatt-.html

10 g Pflanzenöl je nach Hauttyp (Mandelöl, Macadamianussöl, Avocadoöl und Jojobaöl)
2 g Sheabutter
2 g Tegomuls
1 g Lamecreme
30 g bis 35 g destilliertes Wasser
1/2 Messlöffel (2,5ml) Vitamin-E-Acetat
1/3 Messlöffel D-Panthenol
8 Tropfen Seidenprotein
12 Tropfen Paraben oder Cosgard
4 bis 6 Tropfen ätherisches Öl oder Parfümöl


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