Bayern 2 - Notizbuch


5

Prüfung von Ökobetrieben Wenn der Kontrolleur kommt

Für Kunden von Bioprodukten ist es entscheidend, dass die Ware sicher, sprich sorgfältig geprüft ist und tatsächlich den vorgeschriebenen Bio-Standards entspricht. Für Kontrollen sind in Deutschland private Unternehmen zuständig, die wiederum vom Staat kontrolliert werden. Funktioniert dieses System zuverlässig?

Stand: 11.02.2016

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

In Deutschland kontrollieren private Firmen die Bio-Betriebe und nicht etwa die Behörden. Die Kontrollfirmen übernehmen staatliche Aufgaben; dafür wurden sie vom Staat "beliehen", so der Fachausdruck. Der Staat kontrolliert wiederum die Kontrollfirmen. Dafür gibt es sogenannte Audits in den Büros und Vor-Ort-Termine, beispielsweise auf Biohöfen. Dabei überprüft ein Vertreter der staatlichen Landesanstalt für Landwirtschaft, ob der Kontrolleur seine Arbeiten auch entsprechend den Vorschriften erledigt.

"... wenn bei der Lebensmittelverarbeitung tote Mäuse rumliegen oder Schaben … dann MUSS der Kontrolleur das weitergeben an die Kontrollbehörde … und dann geben wir das an die zuständige Lebensmittelüberwachung weiter."

Johannes Enzler, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Werden bei Öko-Kontrollen massive Verstöße gegen das Tierwohl festgestellt, sind die Veterinärämter zu informieren, und auch bei Hygiene-Missständen drohen staatliche Sanktionen. Im Zuge der Reform der EG-Ökoverordnung wird darüber diskutiert, nur noch Endprodukte zu kontrollieren - Stichwort: "Produktkontrolle statt Prozesskontrolle". Doch es gibt gute Gründe dafür, dass Kontrolleure nicht nur auf Bio-Höfe kommen, sondern auch in Bäckereien, Metzgereien und andere Betriebe, die ökologisch wirtschaften.

"Da kann in der Bäckerei alles bio sein … aber es schaut aus wie Sau, dann sag' ich nichts. Ich bin angehalten, die Lebensmittelüberwachung zu benachrichtigen … das mag bio sein, aber die anderen Aspekte spielen halt auch eine sehr wichtige Rolle."

Andreas Felsl, Kontrolleur bei abcert

Kontrollen von Einfuhren aus dem EU-Ausland

Beispiel Spanien. Das Land hat in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung im Ökolandbau erlebt. Fast zwei Millionen Hektar Land werden ökologisch bewirtschaftet, davon allein eine Million Hektar in Andalusien. Das System der Kontrollen ist in etwa das Gleiche wie in Deutschland. Anbauverbände arbeiten mit privaten Kontrollstellen zusammen, in einigen Regionen kontrollieren aber auch staatliche Stellen selbst die Biobetriebe. Einmal im Jahr wird kontrolliert. Die Vorgaben machen die EU und die einzelnen Regionen. Doch so mancher Biobauer in Spanien sagt, mit den Kontrolleuren sei das so eine Sache.

"Ich kenne viele Leute in Spanien, die machen Biokontrollen, die steigen noch nicht einmal aus dem Auto aus, um die Zertifikation zu machen."

Alfonso, spanischer Biobauer

Importe aus sogenannten Drittländern

China zählt zu den Risikoländern

Viele Bioprodukte stammen auch aus Ländern, die nicht zur EU gehören. Diese Bioprodukte, die außerhalb der EU hergestellt wurden, müssen nachweislich die EU-Richtlinien für Bioprodukte einhalten. Ware aus Risikoländern wie zum Beispiel China wird laut Stiftung Warentest genau geprüft. Für insgesamt elf Länder, die Biowaren nach Europa liefern, hat die EU die nationalen ökologischen Regelungen, teilweise mit Einschränkungen, als gleichwertig anerkannt. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung handelt es sich dabei um Argentinien, Australien*, Costa Rica*, Indien*, Israel*, Japan*, Kanada, Neuseeland, Schweiz, Tunesien* und die USA. (* Die gleichwertige Anerkennung gilt nicht für tierische Erzeugnisse.) Zur Verzollung wird für jede Sendung eine Kontrollbescheinigung benötigt.


5