Bayern 2 - Notizbuch


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Intuition als Entscheidungshilfe Kopf oder Bauch?

Kopf oder Bauch - wer entscheidet? Idealerweise beide zusammen, denn mit dem einen haben wir Zugriff auf rationale Informationen, mit dem anderen auf unsere Gefühle. Doch oft kommen Verstand und Gefühl zu unterschiedlichen Schlüssen. Dann fallen uns Entscheidungen schwer. Hier hilft die Intuition weiter - jeder kann Kontakt zu ihr aufnehmen.

Stand: 01.07.2013

Mann liegt mit geschlossenen Augen in einer Wiese | Bild: colourbox.com

Der Kopf oder Verstand hat bei Entscheidungen das Vernünftige, Finanzielle im Blick. Er vergibt gern Punkte, um eine klare Reihenfolge zu erstellen. Geht es etwa darum, sich für eine neue Wohnung zu entscheiden, ist dem Verstand vor allem die Nähe zum Arbeitsort wichtig, die Größe und die Kosten. Der Bauch oder das Gefühl wiederum interessiert sich dafür, wie es einem in der neuen Wohnung gehen wird, ob man sich vorstellen kann, dort Freunde zu empfangen, dass es ein gutes Gefühl ist, sich dort aufzuhalten.

Wie die Gefühle anderer unsere Entscheidungen beeinflussen

Bewusst oder unbewusst: Es spielt immer eine Rolle für uns, wie andere auf unsere Entscheidungen reagieren. Der Grund dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen. In seinem Buch "Warum ich fühle was du fühlst" hat der Neurobiologe Joachim Bauer beschrieben, wie diese Nervenzellen unbewusst unser Verhalten steuern. Sie erzeugen in uns nämlich genau das Gefühl, das ein Gegenüber hat – was zum Beispiel erklärt, warum Gespräche mit nahe stehenden Menschen unsere Wohnungswahl beeinflussen. Diese Fähigkeit, uns auf andere einzuschwingen, ist lebensnotwendig – bei reinen Bauch-Entscheidungen kann sie uns aber dazu verleiten, uns von den Gefühlen anderer mitreißen zu lassen. Ebenso fatal sind allerdings reine Vernunft-Entscheidungen.

"Um wirklich psychisch gesund zu bleiben, sich im Leben wohlzufühlen, dafür ist es vor allem wichtig, gute Gefühle zu haben, und die hängen wiederum davon ab, dass wir Freunde haben, funktionierende Partnerschaft haben, dass wir uns zweckfrei, ohne finanzielle Absicht, verbunden fühlen mit anderen Menschen."

Joachim Bauer, Neurobiologe und Psychotherapeut

Der systematische Weg zur Intuition

Wie eine gute Zusammenarbeit zwischen Verstand und Intuition funktioniert, das erforscht Regina Obermayr-Breitfuß seit mehr als zwanzig Jahren. Die österreichische Psychologin und Therapeutin hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit nachgewiesen, dass der Prozess der Intuitionsbefragung nach einem bestimmten Muster abläuft. In Seminaren bringt sie Menschen bei, sich auf diesen Prozess einzulassen. Denn jeder, so die Erfahrung der Psychologin, kann lernen, seine Intuition zu kontaktieren.

Die Magie der richtigen Frage

Mit Humor lassen sich Veränderungen leichter bewältigen.

Die richtige Fragestellung ist der Schlüssel zum Raum der Intuition. Sie beginnt immer mit den Worten: "Was weiß ich über …?" ergänzt um die genaue Beschreibung des Themas oder Objekts. Im Fall der Wohnung ist es wichtig, die genaue Adresse zu nennen. Dann heißt es: sehr wachsam sein: Was empfange ich, bevor ich zum Nachdenken komme? Die Intuition ist nämlich schneller als der Verstand. Wichtig dabei auch: Ich muss den Zustand der Schwebe, diese Ohnmacht aushalten, bis Formen, Wörter, Sätze, Bilder auftauchen. Wenn der Verstand sich einschaltet, bittet man ihn, zu warten, bis man alles gesammelt hat. Eine weniger gründliche Alternative, für Ungeduldige und Skeptiker: Werfen Sie eine Münze, und bevor Sie das Ergebnis aufdecken, spüren sie, welches Ihnen am liebsten wäre. Das ist die Option, zu der es Sie hinzieht.

Fünf Phasen der intuitiven Wahrnehmung

Überraschung

Die Botschaft der Intuition bringt immer eine Überraschung. Es kommt was, womit ich gar nicht rechne, zum Beispiel eine Information über die Person, die früher in der Wohnung gelebt hat. Die Antwort kann gleich kommen, oder nach einigen Stunden oder Tagen, nachts in Form eines Traums, als Zeitungsmeldung oder sie wird von einer Person überbracht, die einem etwas erzählt, was genau zur Frage passt. Deshalb ist Wachsamkeit hier auch sehr wichtig.

Humor

Diese Phase ist von Leichtigkeit und Energie gekennzeichnet. Der Humor will helfen, eine Brücke zu schlagen von der völlig neuen Intuitionsbotschaft zum Alltag.

Abenteuer

Nach der Leichtigkeit kommen die Widerstände. Denn das Umfeld, der Partner, die Freunde, der Alltag und nicht zuletzt man selbst haben Angst vor den Neuerungen, die die Intuitionsbotschaft mit sich bringt. Es geht in dieser Phase darum, seinem intuitiven Gefühl treu zu bleiben und ihm zu folgen.

Schönheit

Ist man seiner Intuition gefolgt, kommt nun eine Phase, in der man eine neue innere Ordnung genießt, die als schön und stimmig erlebt wird.

Freude

Sie bildet den Abschluss des intuitiven Prozesses, kann still, aber auch überschäumend sein – zum Beispiel tanzt man durch die gewählte Wohnung, in der man sich rundum wohl fühlt.

Und so kann man Intuition von Wunschdenken und Fremdbeeinflussung unterscheiden: Ein wesentliches Merkmal intuitiver Botschaften ist, dass sie immer wohlwollend sind, eine Verbindung zwischen Verstand und Gefühl herstellen und keine Befehle beinhalten, sondern uns die Wahl überlassen.

"Ich stelle mich also hin und überprüfe: Habe ich eine Wahlmöglichkeit oder nicht: Wenn nicht, ist es ganz sicher was anderes: zum Beispiel eine Einbildung oder eine Übertragung aus dem Familiensystem."

Regina Obermayr-Breitfuß, Intuitionsforscherin

Aus dem Takt in die Intuition fallen

Eine typische "Rhythmusreise" in der großen Gruppe

Es gibt viele Wege, mit der eigenen Intuition in Kontakt zu kommen – einer, der mit Rhythmus und Bewegung arbeitet, heißt TaKeTiNa. Es gibt viele Angebote an Trommel- Rhythmik- oder Perkussionskursen, etwa an Musik- und Volkshochschulen. Das Besondere an TaKeTiNa ist, dass die Methode in mehrtägigen Workshops so genannte "Rhythmusreisen" zur Selbsterfahrung nutzt. Der Name setzt sich aus Silben zusammen, die auch für die Übungen verwendet werden. Die Methode richtet sich nicht nur an Musiker, sondern an jedermann. Das Prinzip: Man kombiniert schrittweise so viele Bewegungen, Sprechen und Singen miteinander, bis der Verstand kapituliert. Die Kontrolle geht verloren, und so bekommt man Routine im Fehlermachen, lässt sich ein auf einen fließenden Zustand – und entdeckt eine neue Gelassenheit, auch im Alltag.

"Intuition hat ja viele Wurzeln. Dass ich mir erlaube, mich dem Unbekannten anzuvertrauen. Dadurch komm ich leichter in den Zustand, wo ich das zulassen kann, dass das Nichtwissen da ist, damit ein tieferes Wissen kommen kann."

Reinhard Flatischler, Begründer der TaKeTiNa Rhythmuspädagogik


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