Bayern 2 - Notizbuch


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Fukushima Sechs Jahre nach der nuklearen Katastrophe

Der japanische Atomreaktorenbetreiber Tepco hat zuletzt wiederholt Roboter in das Innere von Reaktor 2 geschickt, um nach geschmolzenen Brennstäben zu suchen. Dort herrscht eine so extrem hohe Strahlung, dass ein Mensch innerhalb weniger Minuten sterben würde. Selbst die Roboter gehen kaputt. Tepco versichert, die Atomruine in Fukushima sei sechs Jahre nach dem Super-GAU "stabil".

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 10.03.2017

Das Warnschild in Okuma in der Nähe des Fukushima-Daiichi-Atomkraftwerks ist noch immer aktuell und nach wie vor sind mehrere tausend Arbeiter mit der großflächigen Dekontaminierung der Sperrzone rund um die Atomruine und mit dem Wiederaufbau der Infrastruktur beschäftigt. In die für Menschen unbetretbaren Meiler schickt der japanische Atomreaktorenbetreiber Tepco Roboter, um konkrete Daten über den Zustand und die genaue Position des geschmolzenen Materials sowie andere strukturelle Schäden in jedem der drei zerstörten Reaktoren zu erhalten.

Fukushima

Die gesamte Stilllegung dürfte Jahrzehnte dauern

Super-GAU

Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 große Teile Japans. Der anschließende Tsunami führte im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zu einer Reihe katastrophaler Unfälle und schwerer Störfälle, die dazu führten, dass es in Block 1 bis 3 zu Kernschmelzen kam. Als Folge müssen 300.000 Menschen die Gegend verlassen.

Tepco und die japanische Regierung wollen im Sommer entscheiden, wie die 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami havarierten drei Reaktoren demontiert werden können. Der Abbau der Reaktoren soll im Sommer 2021 beginnen und könnte Jahrzehnte dauern.

Schon jetzt treibt die japanische Regierung die Rückkehr zur Normalität voran. So soll die Evakuierung des nahe gelegenen Dorfes Iitate zum 31. März 2017 aufgehoben werden, damit die Bewohner zurückkehren. Ein Jahr später, so heißt es aus Regierungskreisen, werden die Kompensationszahlungen für die betroffenen Bürger eingestellt.

Greenpeace: "Nicht hinnehmbares" Risiko für zurückkehrende Bewohner

Nach einer aktuellen Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist aber die in den umliegenden Wäldern von Iitate gemessene Strahlung vergleichbar mit dem derzeitigen Strahlenniveau innerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone von Tschernobyl.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Iitate in Häusern und ihrer Umgebung Strahlenwerte gemessen, die offenbar weiterhin hoch sind. Die Umwelt-Aktivisten werfen der japanischen Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe vor, eine "falsche Realität" vorzugaukeln. Die Strahlensituation in Iitate sei auch für die kommenden Jahrzehnte, so Greenpeace, alles andere als normal. Die Regierung solle die früheren Bewohner finanziell unterstützen, damit diese nicht gezwungen seien, aus wirtschaftlichen Gründen zurückzukehren, fordert Greenpeace.

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Buchtipp

Inside Fukushima
Eine Reportage aus dem Innern der Katastrophe

Autor: Tomohiko Suzuki
Aus dem Japanischen von Felix Jawinski, Heike Patzschke und Steffi Richter
224 Seiten, Paperback
Herausgegeben von Lesen ohne Atomstrom, Hamburg & Textinitiative Fukushima, Leipzig, 2017
ISBN 978-3-86241-458-1


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