Bayern 2 - Notizbuch


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Keine Mindeststandards Coach sein geht auch ohne Ausbildung

Wer im Internet nach einem Coach sucht, wird innerhalb von Sekunden fündig – es gibt tausende von Angeboten aus allen Bereichen des Lebens. Zu erkennen, welcher Coach eine fundierte Ausbildung hat und gute Arbeit leistet, ist kaum möglich. Denn bislang ist keinerlei Ausbildung vorgeschrieben.

Von: Gabriele Uitz

Stand: 20.03.2017

Persönliches Coaching | Bild: picture-alliance/dpa

"Und geh in die Anspannung hinein, die du fühlst, fühl diese Enge und spüre, ob du dir da auch im Alltag zu eng bist."

Tanja Seehofer, Yogacoach

In einem Yogacenter in München Mitte liegt die Studentin Marie mit geschlossenen Augen auf einer Matte am Boden und atmet tief ein und aus, während sie auf Tanja Seehofers Worte hört. Sie bietet Yogacoaching an, und verbindet dabei klassische Übungen des YinYoga mit Mentalcoaching.

So will die Coacherin erreichen, dass ihre Kunden sich ihrer selbst bewusst werden. Eine Stunde kostet bei ihr 120 Euro. Tanja Seehofer kommt ursprünglich aus der Filmbranche und hat Schauspieler gecastet. Wegen privater Probleme erlitt sie einen Burnout, erzählt sie und hat daraufhin mit dem Yoga begonnen:

"Ich habe 500 Stunden Yogaausbildung und bin auch Yincoach und Diplommentalcoach. Da habe ich acht Jahre lang in der Schweiz Mentalcoach gelernt. Das hat 2500 Euro jedes Mal gekostet und nach dem sechsten Jahr habe ich dann das Diplom gemacht."

Tanja Seehofer, Yogacoach

Ausbildung an Hochschulen

Aus dem großen und stets wachsenden Angebot an Ausbildungen für Coaches ragen die Hochschulen heraus, die innerhalb eines Studienganges semesterweise Coaching lehren. Eine davon ist die private Hochschule für Angewandtes Management in Erding.

"Bei uns an der Hochschule werden psychologische Grundlagen und Theorie gelehrt, wie sich Coachingprozesse überhaupt aufbauen. Das fängt mit dem Erstgespräch an, mit den Zielvereinbarungen und um unterschiedlichste Themen wie die Rolle einer Führungskraft, den Umgang mit Ängsten und Scheitern, es gibt also vielfältige Aspekte und dafür braucht man eine profunde Ausbildung."

Jutta Heller, Hochschule für Angewandtes Management, Erding

Praxiserfahrung

Reines Interesse, der Wille, Menschen zu helfen oder das Gefühl, man könne mit Menschen gut umgehen, reichten bei weitem nicht. Für Klienten, die auf der Suche nach einem guten Coach sind, so Jutta Heller, gelte es, auf verschiedene Aspekte zu achten. So seien Referenzen ein Anhaltspunkt, und in jedem Fall ein kostenloses Erstgespräch, um sich kennenzulernen.

"Das Zertifikat als solches macht es nicht, sondern das Entscheidende ist Praxis, Praxis, Praxis."

Jutta Heller, Hochschule für Angewandtes Management, Erding

Große Unterschiede in der Qualität der Ausbildung

Die allerdings sollte bereits während der Ausbildung stattfinden und ein Pflichtbestandteil davon sein, fordert Heller. Doch die Ausbildung ist nicht geregelt und nicht vorgeschrieben. Es gibt diverse Angebote, Akademien und Hochschulen, die unterschiedlichste Zertifikate und Abschlüsse anbieten.

"Da ist der Markt natürlich sehr heterogen. Es gibt Coachingausbildungen, die angeboten werden, die bei drei Tagen beginnen, die aber aus meiner Sicht in keinster Weise ausreichend sind, das sind zum Beispiel, Zertifikate, die die IHK ausstellt. Ich würde empfehlen, eine Ausbildung, die mindestens 15 Tage und mehrere Module enthält."

Jutta Heller, Hochschule für Angewandtes Management, Erding

Sehr häufig blenden Akademien und Ausbildungsstätten für Coaches mit Webseiten, die eindrucksvoll aufgemacht sind und verlangen etliche tausend Euro pro Ausbildungsmodul. Für die Teilnehmer ist es schwer zu erkennen, ob die Trainer erfahren sind und selbst eine fundierte Ausbildung haben. Es ist ratsam, sich die Büros der Ausbilder anzusehen, ausführliche Erstgespräche zu führen und sich nach den Unterrichtsmaterialien und Methoden zu erkundigen, die angewandt werden. Gute Coachausbilder sollten ihre Methodik benennen können.


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