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Fisch-Führer Fisch auf dem Tisch - ökologisch korrekt

Karpfen und Forelle darf man weiterhin ruhigen Gewissens essen. Kabeljau, Hering oder Lachs sind nur bedingt zu empfehlen, auf Aal oder Rotbarsch sollte man indes verzichten - das empfiehlt der von Greenpeace herausgegebene Fischführer 2012.

Stand: 19.04.2012

"Die Überfischung der Meere ist nach wie vor weltweit dramatisch. Die Politik schafft es bisher nicht, sich gegen die wirtschaftlichen Interessen der Fischindustrie durchzusetzen. Daher spielen engagierte Verbraucher eine wichtige Rolle. Sie können mit ihrem Kauf dem Handel und der Politik zeigen, dass sie ein umweltfreundliches Fischangebot möchten."

Iris Menn, Meeres-Expertin von Greenpeace

Welche Fische kann man noch essen?

Link-Tipp

Den aktuellen Greenpeace-Fischratgeber 2012 finden Sie unter folgendem Link:

Im Einkaufsratgeber von Greenpeace werden rund 80 Fisch-Arten hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet, aufgeteilt in 380 Wild-Fischereien und Aquakulturen. Karpfen und Forelle könnten demzufolge auch weiterhin ohne Bedenken gegessen werden.

Umweltsünden vermeiden

Alle Menschen, die mit ihrem Fischverzehr keine Umweltsünden begehen wollen, sollten hingegen Speisefische wie Kabeljau, Hering und Lachs nur unter bestimmten Voraussetzungen konsumieren. Mithilfe der Verpackungsangaben könnten Verbraucher laut Greenpeace ermitteln, ob der Fisch aus nachhaltiger Fischerei stammt oder nicht.

Eine Schlüsselposition nimmt dabei das Fisch-Bio-Siegel Marine Stewardship Council (MSC) ein, das sich für nachhaltige Fischerei einsetzt - und unter Fischereiexperten nicht unumstritten ist.

Fisch-Siegel

MSC

1997 riefen Fischstäbchenproduzent Unilever und WWF zusammen das "Marine Stewardship Council" (MSC) ins Leben. Obwohl es hohe Auflagen für das Fisch-Siegel gibt, wollen immer mehr Fischverarbeiter ihre Produkte damit zieren. Bewirbt sich ein Unternehmen, wird es von einem Prüfer besucht, der Schiffe und Fangmethoden in Augenschein nimmt. Außerdem müssen die Firmen ihre Fänge genauestens dokumentieren, damit zurückverfolgt werden kann, dass der Fisch nicht aus einem gefährdeten Bestand stammt.

Andere Siegel

Neben dem MSC gibt es noch das "GlobalG.A.P." für Produkte ökologischer Aquakulturen und "Friend of the Sea (FOS)", das sowohl nachhaltige Wild-Fischereien als auch Aquakulturen zertifiziert. Allerdings schreibt Greenpeace: "Jedoch kann der Verbraucher bei keinem der Siegel bedenkenlos auf nachhaltige Produkte vertrauen."

Das Lebensmittel-Logo "100 % Nachhaltig" ist übrigens nicht geschützt und sagt daher nichts Verbindliches aus.

Kritik ...

Das Kieler Geomar-Institut überprüfte rund 130 vom MSC bzw. FOS zertifizierte Fisch-Bestände. Fischereibiologe Rainer Froese: "Etwa ein Drittel der MSC-zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt, sodass sich die Bestände nicht erholen können und schrumpfen." Nur zwei der 31 Kriterien für das MSC-Siegel beschäftigen sich mit der Frage, wie es den Fischen geht, moniert Froese in einem Zeitungsinterview.

Für die FOS-zertifizierten Produkte hätten laut Froese oft zu wenig belastbare Informationen vorgelegen, um überhaupt eine Aussage treffen zu können.

... mit Einschränkungen

Trotzdem sollten die Verbraucher weiterhin auf die Siegel achten, "weil trotz aller Fehler der Anteil gesunder Bestände hier höher ist als bei nicht-zertifizierter Ware", so Froese.

Laut Geomar sei die Studie MSC und FOS vorab zugänglich gemacht worden. FOS habe daraufhin drei Beständen sein Siegel entzogen, MSC habe die Zertifizierung von vier Beständen vorübergehend ausgesetzt.

Studie des Geomar-Instituts Kiel, veröffentlicht am 17. April 2012

Welche Fisch-Arten sollte man meiden?

Bereits 2011 hatte der WWF empfohlen, auf folgende Arten zu verzichten: Aal, Seeteufel, Scholle, Schwertfisch, Rotbarsch aus dem Nordatlantik, Dorade aus dem Mittelmeer, tropische Garnelen sowie Pangasius aus vietnamesischer Zucht. Hinsichtlich der Atomkatastrophe von Fukushima rät die Verbraucherorganisation foodwatch auch vom Verzehr japanischer Lebensmittel sowie von Fischen aus dem Nordpazifik ab.

Finger weg vom Pangasius

Der Pangasius, vor wenigen Jahren noch ein Exot, ist zu einem der fünf beliebtesten Fische geworden. Die Pangasius-Aquakulturen in Vietnam, Thailand und Indonesien sind rasant gewachsen. Untersuchungen der Verbraucherzentrale Hamburg im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks haben jedoch ergeben, dass Pangasius häufig mit Phosphaten, Nitraten oder Zitronensäure angereichert ist. Dadurch bindet er Wasser, was seine Verkaufsmasse um bis zu zwanzig Prozent vergrößert, heißt es. Entsprechende Hinweise auf den Verpackungen würden fehlen.

Aquakulturen fördern Überfischung

Auquakulturen werden immer mehr zum Umweltproblem.

Auch die Aquakulturen selbst werden mehr und mehr zum Umweltproblem, unter anderem deshalb, weil sie zur Überfischung beitragen. Denn die Zuchtfische fressen selbst Fisch. Zwanzig Millionen Tonnen Fisch werden jedes Jahr in Aquakulturen verfüttert. Ein weiteres Problem sind die eingesetzten Chemikalien und Medikamente, ebenso der immense Einsatz an Süßwasser. Daher stuft Greenpeace den Verzehr von Pangasius als "grundsätzlich nicht vertretbar" ein.

Deutsche Fischerei in Zahlen

Import

Der deutsche Markt hat einen Bedarf von 2,2 Millionen Tonnen Fisch im Jahr. 260.000 Tonnen liefert die Küsten- und Hochseefischerei, 40.000 Tonnen die Binnenfischerei.
1,9 Millionen Tonnen werden importiert.

Export

Andererseits werden von diesen Importen wiederum 800.000 Tonnen exportiert, nachdem sie zu Fischstäbchen oder Tiefkühlware weiterverarbeitet wurden. Somit verbleiben unterm Strich 1,6 Millionen Tonnen Fisch in Deutschland.

Verbrauch

Hochgerechnet bedeutet das, dass jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr 16,5 Kilogramm Fisch verzehrt, mit steigender Tendenz.

Umsatz

Alles in allem sind rund 43.000 Menschen in der deutschen Fischereibranche beschäftigt, inklusive Handel und Verarbeitung. Die Umsätze aller Sparten (Küsten-, Hochsee-, Binnenfischerei und Zucht) wird auf rund 385 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Flotte

Die deutsche Fischereiflotte bestand Anfang 2010 aus 1.767 Fahrzeugen. In der Hochseefischerei fuhren nur neun Schiffe unter deutscher Flagge.

Quelle: Deutscher Fischerei-Verband, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Stand: August 2011)

Fischkonsum in Deutschland

Die Deutschen verzehren laut Angaben des WWF rund 16 Kilogramm Fisch pro Jahr und Kopf. Fisch ist gesund - aber die meisten Fischarten sind überfischt und daher in ihrem Bestand bedroht. In der Nordsee und Ostsee sind rund achtzig Prozent der Fischbestände überfischt, dasselbe gilt für die Fischbestände weltweit. Weit über 80 Prozent der in Deutschland verkauften Fische werden importiert, so die Umweltorganisation Greenpeace. Experten warnen, dass bei weiterhin gleichbleibendem Fischkonsum damit zu rechnen sei, dass in 40 Jahren die meisten kommerziell genutzten Fischarten in ihren Beständen gefährdet oder nicht mehr vorhanden sind.