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Beziehungen Erste Liebe prägt fürs Leben

In ihrer Doktorarbeit hat die Psychologin Ulrike Lux erforscht, wie sich die Erfahrungen aus der ersten längeren Partnerschaft auf das weitere Beziehungsleben von jungen Erwachsenen auswirken. Dabei zeigt sich: Unsere Bindung in der ersten Partnerschaft beeinflusst, wie wir uns in weiteren Beziehungen fühlen.

Stand: 11.01.2018

Junges Paar, das Händchen hält | Bild: BR

Das Ergebnis: Diejenigen, die in ihre erste (verflossene) Partnerschaft als 'sicher' abgespeichert haben, sind auch die, die sich in ihrer aktuellen Partnerschaft sicher fühlen. Gute Erfahrungen mit dem ersten Partner können uns also Sicherheit im Beziehungsleben geben. Das erinnert an das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Hat das Kind eine sichere Bindung zu seinen Eltern, fällt es ihm auch leichter Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Genauso kann die erste Partnerschaft zu einer Art Prototyp werden.

Auch negative Erfahrungen festigen Beziehungen

Aber auch aus negativen Erfahrungen können wir lernen, sagt die Psychologin Ulrike Lux. Es sei völlig normal, dass die erste Beziehung noch eher unsicher ist, ein emotionales Auf und Ab. Bei den Allermeisten würde die Bindung in der nächsten Partnerschaft sicherer, auch wenn man negative Erfahrungen gemacht hat.

"Man kann auch aus negativen Erfahrungen lernen und sich das nächste Mal einen anderen Partner suchen, der nicht so ist wie der Ex."

Ulrike Lux, Psychologin beim Deutschem Jugendinstitut (DJI)

Die Psychologin geht sogar noch weiter: Besonders die negativen Erfahrungen seien es, die uns sicherer machen können.

Besser schlechte Erfahrungen machen als keine

Ulrike Lux stellt im Rahmen ihrer Forschung fest: Das wichtigste ist, überhaupt Erfahrungen zu machen. Also besser mit 16 Liebeskummer riskieren und sich auf eine feste Beziehung einzulassen, als mit 22 immer noch vergeblich nach dem perfekten Partner zu suchen. Denn wer zu lange wartet, dem wird es später schwerer fallen, eine sichere Bindung aufzubauen.

Bei Liebeskummer: Eltern sollten zuhören

Eltern, die bei ihren Kindern den ersten Liebeskummer erleben, könnten in die Falle tappen, ihre Kinder vor der unangenehmen Erfahrung schützen zu wollen. Ein Spruch wie "Das wird schon wieder, die Zeit heilt alle Wunden" ist aber nicht zielführend, sagt der Psychologe Jürgen Wolf, Erziehungsberater am Evangelischen Beratungszentrum in München.

"Es ist wichtig, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen und sich Eltern an dem Punkt eher zurückhalten. Das Gespräch suchen, ja. Aber dann im Sinne von: 'Was brauchst du von mir? Was wünschst du dir von mir?'"

Jürgen Wolf, Erziehungsberater

Rolle der Eltern bei Liebeskummer: einfach nur Eltern sein, nicht Freund

Wenn Eltern spüren, dass das Kind Liebeskummer haben könnte, sollten sie es ansprechen. Zum Beispiel: "Ich weiß gar nicht, was mit dir los ist, du wirkst so traurig auf mich." Das kann als Türöffner für ein Gespräch dienen und ist gleichzeitig ein Vertrauensbeweis der Eltern an das Kind. Hilfreich ist an dieser Stelle dann jedoch Trost und Empathie, statt kluge Ratschläge.


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