Bayern 2

Energiewende Solarenergie - nachhaltig und lukrativ

2020 sollen die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Schon werden Rufe laut, dass die Energiewende nicht so glatt verlaufen wird wie erhofft. Die Solarbranche setzt auf die Wiederverwertung von alten Solarmodulen.

Stand: 09.02.2012
Photovoltaik-Anlage auf dem Dach einer großen Fabrikhalle | Bild: picture-alliance/dpa

Auch in den nächsten Jahren wird die Photovoltaik ein wichtiger Baustein bleiben, um die Energiewende zu stemmen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Solarwirtschaft beträgt der Anteil der Solarenergie am deutschen Stromverbrauch derzeit rund drei Prozent.

Bis 2020 soll dieser Anteil auf rund zehn Prozent ausgebaut werden. Wie der Verband mitteilte, haben die Solaranlagen in Deutschland im Jahr 2011 mehr als achtzehn Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Das sind laut Verband sechzig Prozent mehr als 2010 und entspricht den Angaben zufolge in etwa dem Stromverbrauch des Landes Thüringen. Mit so einer Strommenge können rechnerisch 5,1 Millionen Haushalte ein Jahr lang versorgt werden.

Recycling von Photovoltaikmodulen

Seit den 1990er-Jahren werden in Deutschland Photovoltaikanlagen installiert. Rund 400.000 solcher Anlagen sind momentan in Bayern in Betrieb. Die ersten haben mittlerweile ausgedient. Das Wiederverwerten von Solarmodulen ist allerdings noch relativ neu. Erst 2004 ging die weltweit erste Versuchsanlage zum Abbau von kristallinen Siliziumsolarzellen im sächsischen Freiberg in Betrieb: die Solarworld-Tochter Sunicon. Ist eine Solaranlage nicht mehr funktionstüchtig, montiert sie ein Installateur ab und bringt die Module zu einer Sammelstelle. Die Kosten bis zur Sammelstelle trägt der Anlagen-Besitzer. Danach zahlt der Hersteller der Module die Recyclingkosten - bisher auf freiwilliger Basis. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Dann regelt ein Gesetz das Rücknahme- und Recyclingverfahren. Die Hersteller werden verpflichtet, die Module wiederzuverwerten und müssen dann bestimmte Verwertungsquoten der Modulbestandteile Metall und Glas einhalten.

Ein altes, fleckiges Solarmodul vor dem Recycling

Das Recycling ist problematisch, denn in den Solarzellen werden Stoffe wie Blei, Cadmium, Silber oder Silizium verwendet. Diese Rohstoffe sind wertvoll, aber auch giftig. Die Firma Sunicon hat sich auf die Wiederaufbereitung der siliziumbasierten Altmodule spezialisiert. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Recyclingprozess sich finanziell selbst trägt durch die Rohstoffe, die dort erzeugt werden.

Lieber verwerten als neu produzieren

Bei der Verwertung werden die Module in einem Ofen erhitzt. Dadurch werden die Kunststoffanteile verbrannt und das Glas von den Solarzellen getrennt. Anschließend lassen sich die einzelnen Bestandteile des Moduls - Glas, Metalle, Solarzellen - voneinander trennen. Glas, Silizium und Silber, die in hoher Reinheit wiedergewonnen werden, können für neue Photovoltaikanlagen verwendet werden. Insgesamt können so bis zu 95 Prozent eines Solarmoduls wiederaufbereitet werden. Die Herstellung eines Moduls aus recycelten Zellen benötigt 30 Prozent weniger Energie als die herkömmliche Fertigung.

Recyceltes Silizium ist noch gut verwertbar.

Zum Verlöten der Module wird giftiges Blei eingesetzt. Die Hersteller arbeiten an einer Ersatzlegierung, aber die Suche nach einem Ersatzstoff gestaltet sich schwierig. Das liegt auch daran, dass es bislang für Solarmodule noch keine Umweltauflagen gab - anders als beispielsweise für Elektrogeräte. Das ändert sich mit der Neufassung der EU-Elektroschrottrichtlinie (WEEE-Richtlinie), die Mitte Januar mehrheitlich vom EU-Parlament verabschiedet wurde. Denn ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen wird nach dem Atomausstieg im Jahr 2020 wichtiger denn je.

Einspeisevergütung für Solarstrom

Wer Solarstrom in das Netz einspeist, bekommt dafür eine Vergütung. Diese ist staatlich festgelegt und beträgt seit Anfang 2012 bis zu 24,43 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Höchstsatz gilt für Dachanlagen bis 30 kW. Für Freiflächenanlagen liegt der Satz zurzeit bei rund 18 Cent.
Diese Sätze werden zwei Mal im Jahr gekürzt, als nächstes zum 1. Juli 2012 um 15 Prozent. Anfang 2010 hatte die Förderung noch 39 Cent pro Kilowattstunde für Dachanlagen und 28 Cent für Freiflächenanlagen betragen.
Die Sätze sind für 20 Jahre ab dem Jahr der Inbetriebnahme festgeschrieben. Von Kürzungen sind bereits bestehende Anlagen nicht betroffen, sondern nur Anlagen, die nach Inkrafttreten der Änderungen des EEG (1.4.2012) in Betrieb genommen werden.

Quelle: tagesschau.de