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Unterschiede der Geschlechter Depression: Warum reden Männer nicht darüber?

Männer leiden immer häufiger an Depressionen, anders als Frauen reden sie aber nicht darüber. Wie kommt das? Die radioWelt spricht darüber mit Prof. Anne Maria Möller-Leimkühler, Expertin für Psychiatrische Soziologie und Autorin der Buchs "Vom Dauerstress zur Depression".

Stand: 14.11.2017

Symbolbild: Mann mit Depression, verbirgt sein Gesicht hinter seinen Händen | Bild: picture-alliance/dpa

radioWelt: Kommen Depressionen bei Männer und Frauen gleich häufig vor?

Anne-Maria Möller-Leimkühler: Bisherige Befunde besagen, dass Frauen eine doppelt so hohe Häufigkeit von Depressionen haben als Männer. Aber es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass sich Depressionen bei Männern anders äußern, weil sie mit depressiven Symptomen anders umgehen als Frauen. Ihre Symptome kommen im üblichen Bild einer Depression nicht vor, ein wichtiger Grund, warum Depressionen bei Männern oft unterdiagnostiziert werden.

radioWelt: Was sind Anzeichen einer Depression beim Mann?

Anne-Maria Möller-Leimkühler: Männer können Symptome haben wie plötzliche Aggressivität, eine Neigung zu leichter Irritierbarkeit, erhöhten Alkoholkonsum. Oder sie stürzen sich noch mehr in die Arbeit, in Sport oder ins Internet. Dahinter könnte eine Depression stecken, denn Männer gehen anders mit Spannungsgefühlen um: statt darüber zu sprechen, versuchen sie, emotionale Konflikte auf der Verhaltensebene zu bewältigen.

radioWelt: Das Image vom starken Mann, der alles wegsteckt, ist ja veraltet. Warum reden Männer nicht darüber?

Anne-Maria Möller-Leimkühler: Dafür ist die unterschiedliche Hirnarchitektur bei Männer und Frauen verantwortlich: bei Männern sind die Hirnhälften nicht so vernetzt wie bei Frauen. Dadurch haben Männer rein hirntechnisch einen geringeren Draht zu ihren Gefühlen, denn Emotion und Intuition befinden sich in der rechten Gehirnhälfte. In der Folge können sie ihre Gefühle auch schlechter identifizieren und verbalisieren. Für die Therapie muss dies überhaupt erst erkannt werden. Ansonsten unterscheidet sich die Therapie wenig von der bei Frauen. Manche Antidepressiva wirken wohl bei Männern besser, Psychotherapie wirkt bei beiden Geschlechtern gleich gut. Problematisch ist nur, Männer zu einer Therapie zu bewegen – sie reden schließlich nicht gerne darüber.


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