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Bayernchronik Der Bayernkommentar von Nikolaus Neumaier

Wider den Populismus - weniger Söder in der CSU

Stand: 11.07.2015 | Archiv

Nikolaus Neumaier | Bild: BR

Gut möglich, dass Markus Söder nach diesem Wochenende enttäuscht ist. Gut möglich, dass es auf Grund der offenbar glaubwürdigen und seriösen Reformpläne der griechischen Regierung nicht zum Grexit kommt. Gut möglich, dass Markus Söder seine, in einem Bierzelt verkaufte, Ansicht „ein geordneter Grexit ist der beste Weg für Griechenland und Deutschland“, davonschwimmen sieht. Natürlich bekommt der Finanzminister mit solchen Sprüchen immer Beifall, zumal in einem bayerischen Bierzelt. Doch das ist auch Söders Problem. Er glaubt seinen ersehnten Aufstieg mit Populismus beschleunigen zu können. CSU-Chef ist immer noch Horst Seehofer und Seehofer ist Söder jetzt gleich zweimal zu Recht in die Parade gefahren. Er wollte von Söders Grexit-Forderung nichts wissen und auch nichts von seinem Vorstoß Asylbewerbern das Taschengeld wegzunehmen. Wo Söder holzte, trat Seehofer als Staatsmann auf. Der CSU-Chef wirbt seit Monaten in der Griechenland-Krise für einen besonnenen Kurs und er will vor allem der Kanzlerin keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Wo Seehofer den Erfolg der Kanzlerin und damit auch den Erfolg der europäischen Idee will, spekuliert Söder auf den billigen Applaus der Stammtische. Dass es anders geht, zeigt Manfred Weber. Der konservative Fraktionschef im EU-Parlament ist ein Mann der eher leisen und klugen Töne. Als der griechische Ministerpräsident Tsipras Anfang der Woche ohne Reformplan ins europäische Parlament kam, konfrontierte ihn Weber nicht mit dumpfen Grexit-Parolen, sondern redete über die Würde der Slowenen und der Bulgaren oder die harten Reformen der baltischen Staaten. Klug war, dass er dabei das Wort Deutsch oder Deutschland nicht in den Mund nahm und so eine unnötige Zuspitzung vermied. Gut, dass so jemand wie Manfred Weber in der CSU endlich mehr Gehör bekommt. Der Mann liefert die dringend benötigte europapolitische Expertise. Nun hat sich Horst Seehofer mit Karl-Theodor zu Guttenberg zu einem sommerlichen Gespräch verabredet, weil dieser die außen- und sicherheitspolitische Expertise einbringen kann. Auch auf diesem Feld ist die CSU noch ziemlich schwach. Seehofer signalisiert damit auch dem Drängler Söder, dass ihm staatsmännisches Format lieber ist als Populismus. Und es ist nicht zu übersehen, dass der Parteichef am liebsten Ilse Aigner als Nachfolgerin haben möchte. Beim Bezirksparteitag der Oberbayern-CSU lobte Seehofer sie als grundehrliche Mannschaftsspielerin, die alle zusammenführt. Vielleicht kommt es am Schluss genau darauf an. Söder mag vielen in der CSU große Hoffnungen machen, weil er sich selbst als den Politiker mit dem größten Zukunftspotential sieht. Entscheidend aber ist, wer den Laden zusammenhalten und alle wichtigen Spieler in einer Mannschaft zusammenführen kann. Einzelspieler, auch wenn sie noch so großartig sind, haben ein Team noch nie zum Sieg geführt.

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