Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Ammerquerung Echelsbacher Brücke - Wunder der Bautechnik

Sie verbindet nicht nur zwei Orte, zwei Landkreise - sondern ist auch der wichtigste Zugang von Schwaben und Augsburg aus in die Alpen. Die Echelsbacher Brücke im Pfaffenwinkel - zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien. Sie ist sie mit 130 Metern Bogenspannweite die größte sogenannte Melan-Bogenbrücke der Welt.

Von: Christine Gaupp

Stand: 02.01.2016 | Archiv

Wenn man nur darüber fährt - über die Echelsbacher Brücke - wird einem die beeindruckende Dimension der Bauleistung nicht bewußt – erst von der Aussichtsplattform aus, sieht man, wie elegant der langgestreckte Bogen die Ammerschlucht überspannt – den Grand Canyon Bayerns - fast 80 Meter geht es in die Tiefe.

Die Brücke überquert eine Wildnis, die alle - auch schon Jahrhunderte zuvor - überwinden mussten, auf einer der wichtigsten Handelsstraßen – schon der Römer - von Augsburg über den Brenner und einer alten Salzstraße in die Schweiz. 

Thomas Bader (links) und Alois Lindauer

Am Haus von Alois Lindauer ging die alte Landstraße vorbei – die in engen, gefährlichen Kurven zur Ammer führt – über eine Furt kam man dort über den Fluss – vom Ufer, das zu Bad Bayersoien - zum Kreis Garmisch-Partenkirchen gehört – zum anderen, heute Kreis Weilheim-Schongau – Gemeinde Rottenbuch – dort ist Markus Bader heute Bürgermeister. Viele Bauern der Umgebung haben beim Bau mitgeholfen, weiß der Bürgermeister aus Erzählungen.

Eben diese Bauweise ist das besondere an der Echelsbacher Brücke – die Melan-Bauweise – das Besondere erklärt Alois Lindauer noch einmal anhand von Skizzen und alten Fotos:

Eine Schalung aus Holz, die man um den steifen Fachwerkbogen aus Stahl gebaut hat. Der hatte am Fuß drei Meter Durchmesser – oben zwei Meter – eine enorme Spannung. Und damit der Bogen trägt, wurde er mit Beton ummantelt. Doch so einfach die Schalung mit Beton aufgießen, das wäre nicht gegangen – viel zu viel Gewicht auf einmal. So wurde die Schalung eben zuerst mit etlichen Tonnen Kies aufgefüllt – der dann nach und nach abgelassen wurde.

Mit einer Spannweite von 130 Metern ist die Echelsbacher Brücke am weitest gespannte Melan-Bogenbrücke der Welt – eine Ingenieur-Meisterleistung – für viele nicht nur damals – vor 85 Jahren - ein technisches Wunder  - und das bei diesen Bedingungen!

Dieses Fuhrwerk hat Unterstützung gebraucht

Trotzdem war die Brücke in nur 422 Tagen Bauzeit fertig – gerade rechtzeitig vor einem Massenspektakel in der Region - den Passionsspielen 1930 in Oberammergau.

Wobei alle waren nicht glücklich über den Bau – den Rottenbucher Bauern ging damit eine ganz gute Einnahmequelle verloren, denn die hatten den Fuhrwerken den Berg hoch geholfen und diese Schleppleistung hatten sie sich gut entlohnen lassen.

Doch die Echelsbacher Brücke mit ihrer gewagten Konstruktion gilt inzwischen als ein Mekka für Brückenliebhaber aus aller Welt.

Generalsanierung steht an

Allerdings ist sie schon ein wenig in die Jahre gekommen – in zwei Jahren beginnen die Bauarbeiten für die Sanierung – die fast ein Brückenneubau sein wird, nur der denkmalgeschützte Bogen bleibt erhalten – die geschützte Fledermauskolonie darin.
Außerdem wird das Geländer zum wiederholten Mal erhöht, damit endlich das aufhört, wofür die Echelsbacher Brücke leider auch berühmt ist: für die vielen Selbstmorde - über hundert Menschen nahmen sie bereits als Brücke ins Jenseits.

Offensiv wollen die Gemeinden nun mit diesem Thema umgehen und beim Umbau auch einen Gedenkort schaffen.
Künftig wird die Echelsbacher Brücke hoffentlich nur als Baudenkmal berühmt sein und als Knotenpunkt für viele Ausflügler.


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