Bayern 2 - Land und Leute


18

Karl Fritsch Ein Allgäuer Schmuckkünstler erobert die Welt

Karl Fritsch verweigert sich konsequent dem schönen glatten Schein. Mit Erfolg: Er wird von Amsterdam bis Tokio zu Einzelausstellungen eingeladen. Seine Arbeiten sind in den Sammlungen der Münchner Pinakothek der Moderne, des Amsterdamer Stedeliijk Museums sowie des Metropolitan Museums und des Museum of Arts and Design in New York vertreten.

Von: Markus Metz und Georg Seeßlen

Stand: 10.04.2016 | Archiv

Karl Fritsch, Jahrgang 1963, studierte an der Münchener Kunstakademie bei den Professoren Hermann Jünger und Otto Künzli. Seine Idee war es von Anfang an, das Handwerk des Goldschmiedes mit der Heftigkeit und Phantasie des zeitgenössischen Künstlers  zu verbinden. Er wolle ...

... "hässlichen Schmuck machen", ...

... behauptete Fritsch in seiner Studienzeit.

Regellosigkeit und Respektlosigkeit als ästhetische Methode

Goldring mit Vierkantschraube

Auf einer Goldschmiedeschule landete er eher aus Verlegenheit - für die Holzschnitzerschule in Oberammergau nämlich war die Bewerbungsfrist abgelaufen. Weil dem Sonthofener Karl Fritsch die industrielle Schmuckproduktion aber nicht behagte, studierte er in der Schmuckklasse der Münchner Akademie der Künste. Dort verlegte er sich auf Ringe und entwickelte seinen ganz eigenen Stil: Regellosigkeit und Respektlosigkeit als ästhetische Methode.

"Ich möchte einmal mit Gold so umgehen wie mit Plastilin"

Erst beim Tragen wird das Edelmetall langsam wieder sichtbar

Mit Oxydschicht überzogener Goldring

Die Regeln und Konventionen des Handwerks, die dem Goldschmied Karl Fritsch beigebracht wurden, weiß der Schmuckkünstler Karl Fritsch mit spitzbübischer Lust zu brechen. Er verfremdet konventionelle Produktionsweisen, sodass die Entstehungsprozesse sichtbar bleiben. Er klebt Edelsteine auf klobige Ringe. Er lässt Gold und Silber beim Gießen schwarz oxidieren, erst beim Tragen wird das Edelmetall langsam wieder sichtbar. Er verwandelt einen vorhandenen Ring dergestalt, dass das fertige Schmuckstück aussieht, so sein ehemaliger Professor Otto Künzli, "als hätte der Karl den kaputten Ring mit einem goldenen Kaugummi geflickt".

Das dramatische Schmuckstück ist ein ästhetischer Dialog

Goldring

Sich zu schmücken, ebenso kostbare wie schöne Dinge am Körper, auf der Haut, am Finger zu tragen, das ist ein Urbedürfnis des Menschen. Schmuckstücke drücken die unterschiedlichsten Beziehungen aus, nicht nur schnöden Reichtum. Die Beziehung zu den Göttern, die Beziehung zur Natur, die Beziehung zu den Menschen. Weil alle diese Beziehungen hoch dramatisch sind, und sich ständig verändern, muss sich auch der Schmuck verändern. Er tut das, gewiss, in den Design- und Modewellen der Industrie, nach Pop-Vorbildern oder in nostalgischen Zyklen. Aber die Welt wäre um sehr viel ärmer, wenn nicht auch Künstler wie Karl Fritsch in diese Beziehungen eingreifen würden. Das dramatische Schmuckstück, das Autorenschmuckstück ist ein ästhetischer Dialog, der auch dann fasziniert, wenn man sich das Stück selber nicht leisten kann, es aber gern in einer Vitrine in der Neuen Sammlung bewundert.


18