Bayern 2 - Land und Leute


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Der Feldafinger Park Geschichte eines Refugiums am Starnberger See

König Maximilian II. hatte sich den Feldafinger Park als Sommersitz ausgesucht. Um 1860 wollte er auf dem Gelände ein Schloss bauen. Nach dem überraschenden Tod des Regenten verwilderte die Anlage, die Peter Joseph Lenné geplant hatte, der bedeutendste Gartenarchitekt jener Zeit. Den Park nach seinen Ideen wieder so zu gestalten wie er ursprünglich ausgesehen hatte, war Bernd Rogge, Parkleiter in der Umbauphase und inzwischen Technischer Leiter im Englischen Garten in München ein Herzensanliegen. Bettina Stummeyer hat ihn bei einer Führung begleitet.

Von: Bettina Stummeyer

Stand: 17.04.2017 | Archiv

"Man hat den englischen Landschaftspark so gestaltet, damit Sie die gesamte Palette der Sinneswahrnehmung angeregt wissen, das heißt nicht nur riechen, hören, schmecken, fühlen. Kein Weg ist gerade, alles ist geschwungen, gespannt, dass man in jeder Situation sagt, wo geht es dahin, wo komme ich da raus, was erwartet mich dort. Also auch die Neugierde als Gefühlsebene ansprechen, und nicht nur die Neugierde, auch natürlich das Dunkle, das Beklemmte, das Beengtsein und dann wieder die Freude, herauszutreten in sonnendurchflutete Flächen, wo man eben die Großzügigkeit der scheinbaren Natur erkennt."

(Bernd Rogge, 2004 Leiter des Feldafinger Parks)

Ein "zweites Potsdam" sollte am Starnberger See entstehen

Blühende Rosen auf der Roseninsel im Starnberger See

Den 90 Hektar großen Feldafinger Park am Westufer des Starnberger Sees, heute als Erholungsgelände und Golfplatz genutzt, gibt es seit 150 Jahren. König Maximilian II. hatte 1854 die Planung dieses Parkes in Auftrag gegeben, nachdem ein Jahr zuvor die Gestaltung der dem Ufer vorgelagerten Roseninsel, abgeschlossen war. Ein "zweites Potsdam" sollte am Starnberger See entstehen. Als Vorbild dienten die Anlagen von Schloss Sanssouci, die Maximilian schon während seiner Studienzeit kennen und schätzen gelernt hatte. Enge freundschaftliche Verbindungen zum preußischen Herrscherhaus bestärkten ihn in dem Vorhaben, mit dem er seiner aus Preußen stammenden Frau ein besonderes Geschenk machen wollte. Was lag da näher, als Peter Joseph Lenné - einen der bedeutendsten Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts - für die Gestaltung der Gartenanlagen am Starnberger See von seinem Dienstherren Wilhelm IV. nach Bayern "auszuleihen".

König Maximilian II. liebte das ländliche Leben

König Maximilian II. von Bayern (1811-1864)S

Schon als junger Mann hatte König Maximilian II. seine große Liebe für den Starnberger See vor den Toren Münchens entdeckt. Im Gegensatz zu seinem Vater Ludwig I. liebte er das ländliche Leben und zog sich immer wieder in die Stille der Natur zurück.

Bereits 1840 hatte der Kronprinz das Feldafinger Ufer als geeignetes Gelände für eine Studenten-Akademie ins Auge gefasst. Diesen Plan verwarf er zwar wieder, da die jungen, aufstrebenden Studierenden in der Abgeschiedenheit des Sees das Flair der Großstadt vermissen würden. Die Sehnsucht des Prinzen nach einem Leben in der Natur blieb jedoch.

Schon bald nach seiner frühen Inthronisierung 1848 - sein Vater war wegen der Affäre mit Lola Montez zum Rücktritt gezwungen - ließ der damals 37jährige Maximilian einen Bauplatz für ein Sommerschloß suchen. Er erwarb schließlich ein sanft abfallendes Gelände von 13,5 Tagwerk zu einem Kaufpreis von 4000 Gulden in der Nähe des Fischerdorfes Feldafing.

Der preußische Gartenkünstler Lenné bekam den Auftrag zur Parkgestaltung

Peter Joseph Lenné (1789-1866)

Peter Joseph Lenné begann mit der Planung des großen Schlossparkes am Feldafinger Ufer. Die Ausführung übernahm sein Schüler Karl Effner. Der Feldafinger Park war bereits 1857 fertig gestellt, wohingegen der Schlossbau nur schleppend voranging. Als König Maximilian II. 1864 überraschend starb, standen erst die Grundmauern. Sein Thronfolger Ludwig II. hatte kein Interesse an dem Schloss und ließ die Grundmauern wieder abtragen. Die Gartenanlage im Stil eines englischen Landschaftsparkes verlor im Lauf der Jahrzehnte durch ungehinderte Ausbreitung von so genanntem natürlichen Gehölzbewuchs immer mehr ihre charakteristische Struktur. Erst zwischen 1994 und 2004 wurde sie dank eines neuen Pflegekonzeptes der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung wieder in den von Lenné entworfenen Zustand zurückversetzt.


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