Bayern 2 - Land und Leute


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Franz Zell Eine Spurensuche zum 150. Geburtstag

Warum ist dieser Architekt, anders als seine Kollegen Seidl oder Thiersch, fast vergessen? Oder wurde er bewusst ausgeblendet? Wie lässt sich sein umfangreiches Lebenswerk beurteilen? Und was lässt sich zum Privatmann Zell herausfinden? Das sind nur einige von vielen Fragen, die sich Georg Antretter gestellt hat und die der Anlass für eine sehr persönliche Spurensuche nach dem "Regionalromantiker" Franz Zell waren.

Von: Georg Antretter

Stand: 28.02.2016 | Archiv

Der Münchner Franz Zell wußte, was den Münchnern gefiel, wurde von der Presse als "einer der vielfältigsten Architekten der Stadt" bezeichnet … Aber warum hat man nichts mehr gehört, warum ist er in vielen Bereichen fast vergessen? In den Nachkriegsjahren durfte er noch den ein oder anderen Wiederaufbau planen, mit 85 sogar noch den Neubau vom Nockherberg. Das könnte für ihn, der ein Leben lang mit der Münchner Au verbunden war, wie ein "Krönung seines Lebenswerkes" gewesen sein - und doch auch eine Gratwanderung: Denn in seinem persönlichsten Buch über "Die volkstümliche Bauweise in der Au bei München" singt Franz Zell ein Loblied auf die "Behaglichkeit" der kleinen alten Handwerkerhäuser. Weil die Häuser Jahr für Jahr dem Abbruch zum Opfer fielen, wollte er sie wenigstens "im Bilde retten", der Schreinersohn aus der Au, der in ganz Bayern und Österreich seine Spuren hinterlassen hat …

Max Hickl, der Lehrer von Stein

Burghotel Hohenaschau, Forsthaus Grattenbach, Schule Stein im oberbayerischen Priental - diese Gebäude geben der Heimatgemeinde des Autors und Volkskundlers Georg Antretter ein Gesicht und stecken voller Geschichten: Über Max Hickl, den Lehrer von Stein, in dessen Schule Antretters Vorfahren selbst im Winter kilometerweit zu Fuß gegangen sind, ist gerade ein neues Buch erschienen.

Eingang der Schnitzschule in Oberammergau

"Ich fühle mich in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzt, als ich an einem Traumwintertag Ende Januar 2016 nach Oberammergau unterwegs bin. Die Ammertalbahn zuckelt im Schneckentempo durch den Wald. So mag wohl schon Franz Zell angereist sein, als er im Passionsspielort ein paar lukrative Aufträge an Land gezogen hatte.
Ich bin gespannt auf das Museum und noch mehr auf die Oberammergauer Schnitzschule, die nach seinen Plänen entstanden ist. Denn auch in meiner Heimatgemeinde im Priental hat Zell vor über 100 Jahren ein Schulhaus entworfen: Die Schule in Stein, zwischen Aschau und Sachrang, 1908 vom Industrieadligen Cramer-Klett gestiftet, heute in Privatbesitz. Das Bauwerk hat mich immer interessiert, weil dort schon meine Mutter, meine Großmutter, mein Großvater mütterlicherseits in die Schule gegangen sind, sieben Klassen in einen Raum….  Als vor ein paar Monaten ein Buch zu Max Hickl erschienen ist, dem ersten langjährigen Lehrer an dieser Schule, habe ich einfach mal nach nach Franz Zell 'gegoogelt' - und siehe da, was 'Wikipedia' alles weiß ..."

(Georg Antretter)

Franz Zells Werkverzeichnis in "Wikipedia"

Über Franz Zell, den Architekten des markanten Schulhauses im Heimatstil, wurde wenig geschrieben, das letzte Mal vor rund 25 Jahren. Zum Glück gibt es das allwissende Wikipedia - mit Franz Zells Werkverzeichnis: Schnitzschule in Oberammergau, Heimatmuseum Rosenheim, Wiederaufbau des Chinesischen Turms in München … Der Münchner Architekt hat zwischen Neu-Ulm und Wien, Oberammergau und Cham zahlreiche Wirtshäuser, Museen, Rathäuser und auch Wohnhäuser samt Inneneinrichtung entworfen. Dazu noch Bauernmöbel für das Bayerische Nationalmuseum gesammelt, Volkskunst-Bücher verfasst und 1902 den Verein für Volkskunst und Volkskunde mitbegründet.

Keiner hatte an den Geburtstag gedacht

Und Wikipedia verrät auch: Franz Zell wurde 95 Jahre alt und ist am 28. Februar 1866 geboren - 2016 steht also sein 150. Geburtstag an! Nachfragen bei Fachleuten wie dem Heimatpfleger Hans Roth, der Chamer Kulturreferentin Bärbel Kleindorfer-Marx oder der Oberammergauer Museumsleiterin Constanze Werner ergeben, dass drei Monate zuvor noch keiner an den Geburtstag gedacht hatte …

Heimatpfleger Hans Roth: "Es war 'zu gemütlich', was er gebaut hat"

Hans Roth mit Skizzenbuch Franz Zells

"Ein Werksverzeichnis gibt es nicht, und da hat sich auch niemand interessiert dafür. Wie Zell gestorben ist, das hab ich gar nicht direkt mitgekriegt, '61. Aber da muss er sehr bescheiden gelebt haben und hat also keinen Nachlass hinterlassen. Ich hab amal mit dem Professor Nerdinger gesprochen und hab gefragt, ob da was da ist. Aber nur am Rande sind Sachen da. - Ja, das ist sehr bedauerlich, dass sich da niemand drum gekümmert hat. Es gab ja auch andere von diesen Gründungsmitgliedern wie Gabriel von Seidl oder August Hirsch oder auch Friedrich Thiersch. Deren Arbeiten sind ja großenteils sehr gut erfasst mit Ausstellungen und so. Aber bei Zell ist eigentlich niemand aufgesprungen. Es war 'zu gemütlich', was er gebaut hat, in gutem Sinne, ja."

Ein Heimat-Künstler in allen Spielarten Format: PDF Größe: 1,49 MB


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