Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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"Piroschka" in München Ich denke oft an Hugo Hartung

Der Schriftsteller Hugo Hartung war zwar kein gebürtiger, aber doch ein Münchner aus Leidenschaft. Zwei Lebensabschnitte verbrachte er in der bayerischen Landeshauptstadt - es waren wechselvolle Jahre, aber auch seine glücklichsten. Bekannt und beliebt wurde Hartung vor allem durch seinen Roman "Ich denke oft an Piroschka", der 1954, vor 60 Jahren, erstmals erschien und ein Jahr später erfolgreich verfilmt wurde. - Hartungs Tochter Susi Piroué, gebürtige Münchnerin und selbst Autorin, erinnert in ihrem Feature an die Münchner Jahre ihres Vaters.

Von: Susi Piroué

Stand: 27.12.2014 | Archiv

Lilo Pulver und Gunnar Möller vor einem Plakat des Streifens "Ich denke oft an Piroschka", in dem die beiden im Jahre 1955 die Hauptrollen spielten | Bild: picture-alliance/dpa

"Natürlich war Piroschka keine Münchnerin. Auch mein Vater, Hugo Hartung, war eigentlich kein Münchner. Er kam aus Thüringen, seine Mutter stammte aus Böhmen. Später lernte er hier seine Frau, meine Mutter, kennen. Auch sie keine Münchnerin, sondern eine Arzttochter aus Libau in Lettland. Er heiratete sie am Standesamt West, und ich wurde als ziemlich unechte Münchnerin am Rotkreuzplatz in Neuhausen geboren. - Trotzdem, halten wir fest: Mein Vater war ein begeisterter Wahlmünchner. 1923 kam er zum Studium hierher. Kurz danach schrieb er schon ..."

(Susi Piroué)

Er arbeitete viel für den Bayerischen Rundfunk

Hugo Hartung im Jahr 1960

Als der junge Thüringer Hugo Hartung 1923 zum Studium nach München kam, hatte er die Ungarnreise zu "Piroschka" schon hinter sich. Es dauerte dann noch fast ein Vierteljahrhundert, bis das Mädchen aus der Puszta ein Millionenpublikum begeisterte. Zunächst einmal arbeitete Hartung als Dramaturg und Schauspieler an der Bayerischen Landesbühne. Auch schrieb er für den "Simplicissimus" und die "Jugend", vor allem aber für den Bayerischen Rundfunk, der 1936 seinen ersten großen Hörspielerfolg produzierte und sendete - "Das leichte Glück", fast eine "Nicht-geküsst-Piroschka"-Geschichte. Doch war dies schon das vorläufige Ende des schriftstellerischen Erfolgs. Schreibverbot und wirtschaftliche Not vertrieben Hartung aus München an Theater in vielen Städten Deutschlands. Erst 1961 kehrte er als nunmehr erfolgreicher freier Schriftsteller wieder an die Isar zurück, bekannt geworden als Autor der "Piroschka" und auch des Romans "Wir Wunderkinder".

"Wir Wunderkinder"

... laut Hugo Hartung "der dennoch heitere Roman unseres Lebens", ist zwar erst in den sechziger Jahren erschienen und wurde auch verfilmt, doch sind hier die dreißiger Jahre, die Jahre von Aufstieg und Fall des Hugo Hartung in Gestalt seines Alter Ego Hans Böckl, der Hauptfigur des Romans, genau geschildert. Die Münchner Jahre bis 1936 ...

"Adolf, du solltest mal zum Film gehen,
Denn solche Typen wie du sind sehr begehrt.
Adolf, wenn wir dich erst mal im Film sehn,
ist Charlie Chaplin nur noch die Hälfte wert.
Adolf, lass bloß die Politik sein.
In der Geschichte kriegst du kein Ruhmesblatt.
Ein Tapezierer
wird niemals Führer,
drum geh zum Film, damit man was zu lachen hat."
("Adolf-Tango" aus dem Film "Wir Wunderkinder")

"Ich denke oft an Piroschka"

Der BR hatte schon 1951 mit großem Erfolg und einer exquisiten Besetzung die Hörspielfassung von "Ich denke oft an Piroschka" unter der Regie von Kurt Wilhelm produziert, der Film mit Lilo Pulver in der Titelrolle und unter der Regie von Kurt Hoffmann entstand dann 1955 in Geiselgasteig. Hartung, nun schon zum zweiten Mal Wahlmünchner, war Mitarbeiter der "Neuen Zeitung", wirkte in der beliebten BR‑Fernsehreihe "Musikaleum" mit und verfasste noch zahlreiche Erzählungen, Kinderbücher und Romane. Mitten in der Arbeit an einem neuen Buch starb er, knapp 70-jährig, am 2. Mai 1972 in München.

Susi Piroué, die Tochter Hugo Hartungs, zeichnet in dem Hörbild "Ich denke oft an Hugo Hartung" mit Hilfe von Interviews und Original-Tondokumenten die Geschichte der wechselvollen Münchner Jahre ihres Vaters nach.

Buchtipp:

Auf den Spuren von Piroschka und Hugo Hartung

  • Autor: János Berta
  • Broschiert: 188 Seiten
  • Verlag: Kultur- und Veranstaltungs GmbH Worms; Auflage: 1 (September 2014)
  • ISBN-10: 3944380185
  • ISBN-13: 978-3944380186

"Der Film 'Ich denke oft an Piroschka' hat unser Interesse an Hódmezovásárhelykutasipuszta erweckt, so hat in diesem Augenblick Paris in der Tat eine Niederlage gegenüber dem Ungarischen Tiefland, dem Alföld, und Kutasipuszta erlitten. Der Autor des Buches Hugo Hartung hat so gefühlvoll über die Schönheit des Tieflandes und die Gastfreundschaft der ungarischen Menschen geschrieben, dass ich neugierig wurde. Wie viel ist wohl vom Autoren übertrieben worden, und was Realität? Wir beschlossen, dorthin zu fahren, um uns persönlich von dem im Buch Niedergeschriebenen zu überzeugen. Glücklich bereiteten wir uns auf den Urlaub vor. Diese abenteuerliche Reise wurde durch die vielen herzlichen, humorvollen Momente unvergesslich gemacht. Für immer unvergessen bleibt für uns die gesprächige Lautlosigkeit der stillen Nacht in der Puszta, die Faszination der Ruhe. Wir denken oft an Hugo Hartung, an den Menschen, der uns gelehrt hat, was das Geheimnis dieses Zaubers ist: im Einfachen das Schöne zu sehen, die wertvollen volkstümlichen, persönlichen, familiären Bräuche der rechtschaffenen Ungarn zu respektieren. In Hódmezovásárhelykutasipuszta, dem heutigen Székkutas, hat sich ein wahrer 'Piroschkatourismus' entwickelt, aber die sachlichen und geistigen Kulturandenken haben ihren ursprünglichen Zustand bewahrt."

(János Berta)


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