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Verkehrte Bergwelt Ein Klettersteig bergab

Ein Klettersteig, der nur bergab führt – das klingt nach verkehrter Bergwelt, zumal die Weganlage gar nicht zur Rückkehr ins Tal gedacht ist.

Stand: 14.06.2013
Klettersteig bergab an der Mürrenfluh | Bild: BR, Folkert Lenz

Doch die Erbauer der Via Ferrata zwischen den Almdörfern Mürren und Gimmelwald im Berner Oberland haben sich durchaus etwas dabei gedacht, als sie diese Richtung vorgaben.

Bloß nicht umdrehen

Immer an der felsigen Abbruchkante einer gigantischen Sonnenterrasse entlang führt der spektakuläre dreistündige Steig, der technisch nicht besonders schwierig ist, dem Bergsteiger aber schon ein wenig psychische Stärke abverlangt. Vielleicht liegt es daran, dass Martin Schürmann auch Basejumper ist und mit Fallschirmen von hohen Klippen springt. Die Mürrenfluh im Lauterbrunnental ist eine Klippe dieser Art, und genau hier hat der Bergführer aus Wilderswil vor einigen Jahren den Klettersteig bergab angelegt.

Hier muss man schwindelfrei sein

Geht man einen Klettersteig von unten nach oben, so ist das körperlich anstrengend, mehr als in umgekehrter Richtung, zumal bergab der Blick immer ins Lauterbrunnental fällt – in ein Tal atemberaubender Felsabstürze. Der Klettersteig bergab ist zudem der einzige Klettersteig, der in einem Dorf anfängt und in einem anderen Dorf wieder aufhört. Die zwei Kilometer lange Via Ferrata führt von Mürren nach Gimmelwald.

Sichern ist Pflicht

Schon der Einstieg ist ungewöhnlich: eine Holztür, dahinter ein Tunnel und Dunkelheit. Der Eingang leitet in ein früheres Stromkraftwerk.

Am Drahtseil hinab

Nach der Röhre geht es steil am Drahtseil zwischen Bäumen hinab, dann um eine Felsecke. Dort wartet eine Art hölzernes Sprungbrett, auf dem sich Basejumper zum Abflug bereit machen. Auf den nächsten Metern heißt es dann Balancieren, im so genannten stillen Eck.

Balance halten

Danach führen nur ein paar Eisenbügeln gut 600 Meter hoch über dem luftigen Nichts weiter bis zum Mürrenbach, einem der größten Wasserfälle hier in der Region. Überquert wird der Mürrenbach mittels Tyrolienne, also mit Hilfe einer Seilrutsche, die einen regelrecht fliegen lässt. Scheinbar haltlos schwebt man über den Wiesen und Bäumen des Lauterbrunnentals.

Die Drahtseilbrücke

Dann das Finale: Eine wackelige, 80 Meter lange Drahtseilbrücke schwingt sich hoch über dem Gehrenlammgraben. Weit unten tost der Bach. Nepal-Feeling! Ein paar Minuten weiter unten endet der Klettersteig, direkt an der Luftseilbahn von Gimmelwald.


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