Bayern 1 - Rucksackradio

Übers Gatterl auf die Zugspitze Toughe Tour auf Deutschlands höchsten Berg

Insgesamt vier Routen - zwei von Bayern aus, zwei von Tirol - leiten auf die Zugspitze, den mit 2.962 Metern höchsten Berg Deutschlands. Die wohl einfachste, landschaftlich aber grandiose Tour führt von Ehrwald in Tirol aus über das Gatterl auf die Zugspitze, über schattige Waldwege, vorbei an Fichten und Lärchen und über Almen mit Kühen und Schafen – eine zweitägige Unternehmung.

Stand: 23.06.2012
Übers Gatterl auf die Zugspitze | Bild: BR, Claudia Steiner

Der erste Abschnitt verläuft auf einem Ziehweg, schon nach einer Stunde lockt eine Einkehr auf der Ehrwalder Alm.

Noch geht es nur leicht bergauf

Buttermilch oder Almdudler sind eine willkommene Erfrischung. Dann geht es weiter über saftige Almwiesen. In den Felswänden lassen sich immer wieder mit dem Fernglas Gämsen zu beobachten, die leichtfüßig herumklettern. Weiter unten auf den Bergwiesen tummeln sich Murmeltiere. Im April verlassen sie ihren Bau, graben sich teilweise noch durch den Schnee und sind dann ganz wild auf das frische junge Grün. Ein paar Wochen später nach der Paarungszeit kommen die Jungen auf die Welt, die kurioserweise „Affen“ heißen.  Erwachsene männliche Murmeltiere werden in der Fachsprache „Bären“ genannt, die weiblichen Tiere sind die „Katzen“. Bären, Katzen und Affen bilden  richtige Familienverbände.

Kurz vor der Baumgrenze

Nun wird der Weg schmaler, immer weniger Wanderer sind unterwegs. Die Baumgrenze, die bei 1800 Meter liegt, ist bald erreicht, dann säumen nur noch Latschen den Weg. Sie sind für den natürlichen Lawinenschutz extrem wichtig, halten sie doch den Schnee auf und auch die Bodenerosion auf.  

Jetzt muss geklettert werden

Es folgen ein paar Meter Kletterei bis zur österreichisch-deutschen Grenze am Gatterl. Der Grenzübergang besteht aus einem einfachen Drahtzaun und einem quietschenden Weide-Gatter. Früher haben hier oben tatsächlich Zöllner ihren Dienst geschoben und dabei den Wettersteinblick genießen dürfen.

Der Zaun könnte eigentlich weg

Die letzte Etappe dieses Tages führt über Geröll bis zur Knorrhütte auf 2051 Meter Höhe. Um 22 Uhr verschwinden alle in ihren Schlafsäcken, ab 5 Uhr hört man die ersten Bergsteiger schon wieder aufstehen. Frühstücken, Rucksack packen und los geht's. Eine regelrechte Karawane zieht durch die Steinwüste. Links und rechts des Weges liegen kleine Schneefelder und die Reste eines einst riesigen Gletschers. Einige Wanderer sind von der deutschen Seite aus gestartet und durch das Reintal aufgestiegen, mit Übernachtung auf der Reintalangerhütte und dann auf der Knorrhütte.

Die Knorrhütte

Von der Knorrhütte sind es gut zwei Stunden zur Sonnalpin-Alm, dann geht es noch einmal ein steiles, ausgesetztes Stück hoch zur Zugspitze. Oben erwartet den Bergsteiger der pure Wahnsinn: Touristen in Badelatschen und Ballerinas sind mit der Gondel hochgefahren, um die letzten Meter über eine Leiter zum Gipfelkreuz zu kommen. Es bildet sich ein Stau. Auch wir stellen uns an, klettern schnell hoch und ganz schnell wieder runter. Die große Euphorie stellt sich nicht ein, dafür ist es einfach zu voll. Aber der Weg dahin war fantastisch und wie heißt es doch so schön: Der Weg ist das Ziel!


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