Bayern 1 - Rucksackradio

Gelbe Ski und gelber Helm Der Skipostbote vom Sudelfeld

Wie wird eigentlich in den Hochlagen der Bayerischen Alpen und im Bayerischen Wald im Winter die Post ausgetragen? Ganz einfach – die Postler steigen auf die Skier um. Am Sudelfeld im Landkreis Miesbach gibt es sogar einen hauptamtlichen Skipostboten, übrigens den einzigen Deutschlands, der den ganzen Winter über die Post mit den Skiern austrägt.

Stand: 15.03.2013
Der Skibostbote vom Sudelfeld | Bild: BR, Andreas Estner

An der Talstation der Sudelfeldbahn in Bayrischzell steigt Hans Fink aus seinem Postauto. Ab hier ist er nicht mehr Postbote, sondern Skipostbote.

Hans Fink ganz im Post-Look

Er schnallt seinen Post-Rucksack auf den Rücken, vollgepackt mit Briefen für die Gasthöfe und Almen auf dem Sudelfeld. Kleinere Päckchen werden noch an den Rucksack gebunden und ebenfalls ausgeliefert. Dann steigt der einzige Skipostbote Deutschlands in seine Dienstski - die sind natürlich post-gelb, und das einzige Paar Postskier in Deutschland und haben vorn das Posthorn-Emblem drauf.

Die klaut bestimmt keiner

Der Vorteil: Hans Fink muss nie lange nach seinen Skiern suchen, wenn er sie irgendwo abgestellt hat, sie fallen sofort ins Auge.

Bequem nach oben

Mit dem Vierersessellift geht’s hinauf auf den Kitzlahner und dann über die Piste hinab zu den Hüten und Gasthöfen. Die Skifahrer staunen nicht schlecht, denn einen Skipostboten haben sie noch nie gesehen. Hans Fink ist eine Attraktion und muss jeden Tag mehrmals stehenbleiben und sich fotografieren lassen. Dabei kann er dann das herrliche Panorama genießen. Es ist schon ein Privileg, da arbeiten zu dürfen, wo andere Urlaub machen, sagt er.

Flott nach unten

Mit Schwung fährt Hans Fink die erste Hütte an und kehrt bei Hedwig Waller ein. Die Seniorin lebt das ganze Jahr über hier oben auf 1500 Meter, ist auf den Skipostboten angewiesen und revanchiert sich mit einer guten Brotzeit. Hans Fink ist der Liebling des Sudelfelds, auch auf der Speckalm. Schließlich bringt er nicht nur die Post aus dem Tal mit, sondern auch andere wichtige Dinge, zum Beispiel Medikamente, und er kennt jeden am Sudelfeld persönlich, ratscht, macht Gaudi  und kümmert sich um das Wohlbefinden eines jeden.

Ein Foto für die Sammlung

Bei Sonnenschein ist Skipostbote ein Traumberuf im Winter . Doch das Wetter kann sich auch von ganz anderer Seite zeigen und dann ist die Fahrt durch Nebel und Schneetreiben kein Vergnügen. Da muss Hans Fink dann schon gut aufpassen, um die Speckalm und Walleralm auf Anhieb zu finden. Aber nur einmal hat er sich in den vielen Jahren als Skipostbote verfahren – und an diesem Tag gab es dann halt mal keine Post. Bis zum wohl verdienten Ruhestand sind es noch zweieinhalb Jahre. Dann wird Hans Fink seine gelben Skier in die Ecke stellen und auf eine andere Ski-Farbe umsteigen. Für seine Stelle gibt schon eine ellenlange Liste mit Bewerbern.


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