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Das Drohnenprojekt der Allgäuer Bergwacht Vermisstensuche im Gebirge per Drohne und Videobild

Normalerweise sind Drohnen eher negativ besetzt, denkt man dabei doch an Krieg oder daran, dass Menschen mit den kleinen Fluggeräten leicht ausspioniert werden können. In den Bergen sind Drohnen jetzt aber auch für einen guten Zweck unterwegs: Die Bergwacht spürt damit Vermisste auf. Seit etwa drei Jahren üben die Einsatzkräfte beispielweise im Allgäu mit der Drohne. Im Dezember 2015 sind sie beim bundesweiten Wettbewerb „Helfende Hand“ auf dem dritten Platz gelandet.

Von: Viktoria Wagensommer

Stand: 09.01.2016

Drohnenprojekt der Allgäuer Bergwacht | Bild: BR; Viktoria Wagensommer

Auf dem Straußberg bei Sonthofen in rund 1.200 Meter Höhe gab es vor kurzem wieder eine größere Übung im Rahmen des Drohnenprojekts der Allgäuer Bergwacht.

Ist der Verletzte geortet, geht es mit viel Rettungsausrüstung hinauf auf den Berg

Nach einer kurzen Lagebesprechung nehmen an die 40 Bergwachtler die Arbeit auf. Während sich die Suchtrupps auf den Weg machen, holt Johannes Wiese eine etwa kniehohe Drohne mit vier Propellern aus einer Kiste. Er baut sie auf und schon nach etwa fünf Minuten kann er sie per Fernbedienung starten. Bald ist die Drohne mit bloßen Auge kaum noch zu sehen, sie kann bis zu zwei Kilometer von wegfliegen.

Michael Tieze steuert die Drohne

Das Videobild der Drohne wird per Funk in Echtzeit auf Bildschirme am Boden übertragen. So kann sich der Einsatzleiter einen Überblick über das Suchgebiet verschaffen und die Einsatzkräfte besser dirigieren. Bei der heutigen Übung spürt die Drohne eine Jacke im Gras auf, der Einsatzleiter lässt einen Hundeführer gezielt den Umkreis absuchen - mit Erfolg. Die Einsatzkräfte versorgen den „Verunglückten“ und bringen ihn und seinen Begleiter ins Tal. Währenddessen lässt das Drohnenteam die Drohne so schnell wie möglich zurückfliegen.

Florian Abt ist mit dem Preis zu sehen

Das Team hat seine Drohne selbst entwickelt. Als Studenten technischer Fächer wie Maschinenbau und Luft- und Raumfahrtechnik bringen Johannes Wiese und seine Teamkollegen das nötige Fachwissen mit. Die Bergwacht hat sich bewusst für solche Modellbau-Entwicklungen statt für fertige militärische Systeme entschieden, sagt der Geschäftsführer der Bergwacht Bayern Thomas Griesbeck. Oft können Drohnen im alpinen Gelände auch dann noch fliegen, wenn es für den Hubschrauber nicht mehr geht. In Zukunft sollen die Drohnen neben der normalen Kamera auch mit Wärmebildkameras, Lawinenpiepsern und sogar mit Handyortungsgeräten ausgestattet werden.

Schon jetzt hat die Allgäuer Drohne rund 15 bis 20 Einsätze pro Jahr. In ganz Bayern gibt es zehn Drohnenteams.

Weil die Allgäuer mit ihrer Entwicklung recht weit sind, haben sie Anfang Dezember 2015 für den dritten Platz im bundesweiten Wettbewerb „Helfende Hand“ 3000 Euro erhalten. Die Finanzspritze kann das Team zur Weiterentwicklung gut gebrauchen. Außerdem hat die Auszeichnung die Gruppe weiter angespornt. Bei der Bergwacht geht man davon aus, dass Drohnen-Einsätze in einigen Jahren bei der Vermisstensuche im Gebirge ganz selbstverständlich dazugehören werden.


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