Bayern 1 - Rucksackradio


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Wetter-Arzt Karl Gabl "Ein Himmel ohne Wolken ist langweilig!"

Ob es weiße Weihnachten gibt? Einer die Antwort wissen könnte, ist Dr. Karl Gabl aus Innsbruck. Der Meteorologe leitet die Wetterdienststelle Innsbruck und liefert mit seinem Team seit 20 Jahren den Bergwetterbericht für das Bayern-1-Rucksackradio, jeden Samstagmorgen live kurz vor 7 Uhr - eine Institution im Rucksackradio!

Stand: 10.12.2011

Dr. Karl Gabl | Bild: BR, Karl Gabl

Legendär sind aber auch seine Expeditions-Wetterberichte. Egal ob Reinhold Messner, Gerlinde Kaltenbrunner oder die Huber-Buam – sie alle vertrauen bei ihren Expeditionen auf die Wetterprognose aus Innsbruck. Zum Jahresende geht Karl Gabl nun in den „Un“-Ruhestand.

Seit 20 Jahren ist der Bergwetterbericht eine feste Größe im Rucksackradio und auch wegen seiner Klarheit und Verständlichkeit geschätzt. Das liegt vielleicht auch daran, dass eine Devise von Karl Gabl lautet: „Meteorologen sind wie Ärzte“. Vor der Prognose kommt die Diagnose und der Patient des Wetter-Arztes ist dabei die Atmosphäre. Statt dem Blutdruck wird der Luftdruck gemessen, es wird geprüft, ob die Erde „Fieber oder Schüttelfrost“ hat und die Winde sind weniger interessant als die Feuchtigkeit. Erst wenn die Diagnose mit allen Parametern komplett ist, kann am Computer simuliert sprich die Prognose, das Wetter-Modell erstellt werden. Allerdings ist die Therapie deutlich schwieriger als die Diagnose selbst, resümiert Karl Gabl, weshalb dem gebürtigen Tiroler aus St. Anton die Bezeichnung Wetter-Arzt lieber ist als Wetter-Gott, denn unfehlbar sind die Prognosen nicht, auch wenn die Genauigkeit in den letzten beiden Jahrzehnten dank technischer Finessen enorm zugenommen hat.

Karl Gabl vor der Leutkircherhütte.

Als Karl Gabl bei der Wetterdienststelle Innsbruck vor 35 Jahren seine Arbeit aufnahm, lieferte er gleich am ersten Arbeitstag eine saubere Fehlprognose. Wie gefährlich Lawinen sein können, hat er selbst erfahren müssen als seine Schwester Getrud Gabl, Gesamtweltcupsiegerin im Skilauf, 1969 bei einem Lawinenunglück ums Leben kam. Später wäre Karl Gabls Mutter um ein Haar in die Wolfsgrubenlawinen geraten, die auf St. Anton niederging und sieben Tote gefordert hat. Auch das war mit ein Grund, dass Karl Gabl 1975 eine Ausbildung zum Bergführer absolviert hat . Als Leiter des österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit ist er weltweit ein gefragter Experte und der Kampf gegen den oft vermeidbaren Tod am Berg ihm ein Herzensanliegen.

1988 hat Karl Gabl den Alpenvereins-Wetterbericht ins Leben gerufen, um den Bergsteigern mehr Sicherheit zu geben. Völliger Unsinn ist aufgrund der mittlerweile präzisen Wettervorhersagen, so resümiert Karl Gabl, die Formulierung „vom Wettersturz überrascht“. Wer zum Beispiel trotz eines gekündigten Kaltlufteinbruchs mit Wettersturzes zu einer große Tour aufbricht, fordert sein Schicksal eigenmächtig heraus. Während beim Höhenbergsteigen aufgrund des Jetstreams eine Prognose für sieben Tage erstellt werden kann, liegt die „Reichweite“ beim normalen Bergwetterbericht für die Alpen bei maximal fünf Tagen. Trends werden auf 10 Tage hin eruiert und ganz unter sich entwerfen die Wetterprofis schon mal 14-Tage-Modelle.

Fachsimpeln beim Abschied

Die Alpen haben ein klassisches „Sommerregen-Klima“, das heißt in den Sommermonaten fallen doppelt so viele Niederschläge wie im Winter. In großer Höhe wie im Himalaya sind Niederschläge schwer einzuschätzen, erklärt Karl Gabl und erinnert sich an die Beratung von Gerlinde Kaltenbrunner bei ihrem Aufstieg zum K 2, ihrem letzten Achttausender im August. Aus den vorhergesagten „paar Schneeflocken“ wurden plötzlich 30 Zentimeter Neuschnee. Gabls Expeditions-Wetterberichte sind legendär und kaum es gibt kaum einen Spitzen-Alpinisten und Höhenbergsteiger, der sich nicht voll und ganz auf ihn verlässt, sei es im Himalaya oder in Patagonien oder im Karakorum, wie zum Beispiel auch Simone Moro bei der ersten erfolgreichen Winterbesteigung des Gasherbrum II in diesem Jahr.

Was der Karl sagt, gilt, heißt es da, schließlich hat Karl Gabl selbst Expeditionserfahrung an Achttausendern und zudem – was kaum einer weiß - 11 Jahre lang den Höhenrekord bei Skiabfahrten inne gehabt. Langweilig wird es dem Innsbrucker Wetter-Arzt auch im Ruhestand nicht werden, denn Karl Gabl hat nun wieder mehr Zeit um auf Skitouren, in die Langlaufloipen und zum Klettern zu gehen und Bücher zu schreiben. Außerdem hat er den ein oder anderen Sechs- und Siebentausender im Blick.

Das Rucksackradio-Team wünscht ihm dafür viel Glück, gutes Gelingen und immer ein geeignetes Wetter, denn den Ausdruck“ schönes Wetter“ mag Karl Gabl überhaupt nicht. „Schönes Wetter ist subjektiv!“

Alles Gute Karl!


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