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Überm Trettachtal bei Oberstdorf Eine Winterwanderung ins Bergdorf Gerstruben

Ein Bergdorf, das komplett unter Denkmalschutz steht: Das ist schon eine Besonderheit. Gerstruben ist so ein Fall. Das 1155 Meter hoch gelegene Bergdorf überm Trettachtal bei Oberstdorf ist eine alte Walser-Siedlung und wurde bereits 1361 erstmals urkundlich erwähnt.

Stand: 03.02.2012
Eine Winterwanderung ins Bergdorf Gerstruben | Bild: BR, Andrea Zinnecker

Heute besteht Gerstruben aus einer Kapelle und fünf Bauernhäuser, die alle zwischen 400 und 500 Jahre alt sind.

Viele Wanderer sind unterwegs

Im Jakobihaus ist ein kleines Bergbauernmuseum eingerichtet und im Berggasthof Gerstruben kann man fein einkehren. Grund genug für eine um diese Jahreszeit wohltuend einsame Wanderung ins Bergdorf Gerstruben.

Die Routenauswahl ist riesig groß

Von Oberstdorf geht es zunächst eine gute Stunde an der Trettach entlang. Im Sommer ist das ein Talhatscher, jetzt im Winter eine zauberhafte und zunächst gemütliche Wanderung durch weiße Wiesen und eine knorrige Pappel-Allee.

Die ersten Bergbauernhäuser kommen in Sicht

Bei Dietersbach führt eine Forststraße dann steil in den Bergwald hinein und nach Gerstruben hinauf. Das Rauschen des Dietersbaches, der hier in den Hölltobel stürzt, begleitet den Weg. Für Schneeschuhwanderer gibt es eine eigene Aufstiegsroute. Sie führt vom Christle-See über Raut nach Gerstruben. Doch egal welche Route man nimmt, sobald man aus dem Bergwald heraustritt, öffnet sich der Blick zu Mädelegabel, Trettachspitze und Kratzer sowie zum Berg aller Oberstdorfer Berge: zur Höfats.

Das Jakobihaus

Wie ein steiler schneeverkrusteter Zahn ragt sie über Gerstruben in den blauen Winterhimmel. Der Normalweg führt von Gerstruben aus über die Dietersbachalpe und den Älpelesattel auf diesen berühmten und zugleich gefährlichen Allgäuer Grasberg.

Bauernschmuck am Jakobihaus

Bis vor knapp 100 Jahren gab es nur einen Fußweg nach Gerstruben, und bis 1953 wurden alle Lasten per Pferdekarren heraufgebracht. Längst sind die Bergbauern aus Gerstruben abgewandert und die Oberstdorfer Rechtler haben die alten Häuser zurückgekauft. Heute kümmert sich unter anderem Anneliese Kling um die Bergbauernhäuser mit den typischen langen Dachschindeln, den so genannten Landerern. Regelmäßig wird nachgesehen ob alles in Ordnung ist und auch kein Schmelzwasser in die historischen Gebäude eindringt. Der Name Gerstruben kommt nicht von ungefähr und erinnert an die Zeiten als hier noch Gerste angebaut wurde und das Bergdorf ganzjährig besiedelt war.

Die Einkehr lockt

Nach dem Streifzug durch die alten Häuser lockt die Einkehr im Berggasthof Gerstruben. Herta und Andrè Dodier bewirtschaften das Gasthaus seit sechs Jahren und sorgen dafür, dass sich der Wanderer rundum wohl fühlt. Typische Allgäuer Gerichte wie Kässpatzn kommen ebenso auf den Tisch wie ein köstliches Wiener Schnitzel. Die eigentliche Spezialität von Andrè Dodier aber sind Wildsülzen von der Gams oder vom Hirsch, denn der Jäger liefert das geschossene Wild oftt im Ganzen und aus dem zarten und entsehnten Beinfleisch zaubert der gelernte Koch die seltenen Sülzen.

Das Matterhorn der Allgäuer Hochalpen

Wer noch nicht genug Hunger verspürt, wandert an der Marienkapelle vorbei noch ein Stück weiter hinein ins Dietersbachtal, bei lawinensicheren Verhältnissen bis zur Gerstrubener Alpe. Nach der Einkehr, die vielleicht im hausgemachten Apfel- oder Topfenstrudel ihren würdigen Abschluss findet, lohnt ein Besuch im Jakobihaus, dem Bergbauernmuseum von Gerstruben. Im Winter bleibt das 1619 errichtete Jakobihaus offiziell geschlossen, doch wenn André Dodier - trotz seines französischen Namens ein alteingesessener Oberstdorfer - gerade etwas Zeit hat, dann schließt er gerne auf und führt die kulturinteressierten Wanderer durch das liebevoll gestaltete Museum. Mit vielen Arbeitsgeräten spiegelt es die bergbäuerliche Arbeitswelt der vergangenen Jahrhunderte und das karge Leben hier oben.

Gerstruben anno dazumal

Gerade jetzt im Winter ist die einstige Abgeschiedenheit des Bergdorfs noch überall zu spüren. Zudem bleibt genug Zeit, den herrlichen Rundum-Blick ungestört zu genießen, hinab in den Hölltobel mit seiner zapfigen Eisgalerie und hinauf zu den Gipfeln, zu den „Bergen der guten Hoffnung“, zum Himmelschrofen, zum Warmatsgundkopf, zur Trettach und zum Wilden Mann. Den gab es übrigens auch in Gerstruben. Der „Wilde Franz“ - Wilde ist der Hausname - war der erste Wirt im Dorf. Nach der erfolgreichen Besteigung der Höfats soll er den Bergsteigern Käs und Rotwein und schier unglaubliche Wilderer-G’schichten aufgetischt haben.