Auf dem Eibenlehrpfad Mystik im Wintermärchenwald
Eibenwälder gibt es in Deutschland so gut wie keine mehr. Im Mittelalter war das harte und elastische Eibenholz äußerst begehrt für den Bogenbau, obwohl oder gerade weil die Eibe als mystischer Baum der Druiden und Zauberer gilt.
Bei Paterzell im Pfaffenwinkel im Landkreis Weilheim-Schongau hat sich einer der letzten und größten Eibenwälder Deutschlands erhalten.
Weit über 2.000 alte mächtige Eiben stehen hier noch. Eine Winterwanderung auf dem Eibenlehrpfad führt tief hinein in einen mystischen Winter-Märchenwald.
Jede Eibe ist eine eigene Persönlichkeit, schon aufgrund ihrer ganz eigenen Wuchsform, sagt Angelika Haschler-Böckle und würde jeder einzelnen Eibe am liebsten einen eigenen Namen geben. Liebevoll streicht die Eibenwald-Expertin über die Rinde der alten knorrigen Bäume, die sich unter mächtigen Buchen und Fichten ducken. Gerade jetzt im Winter kommen die Eiben besonders groß und gut heraus, denn sonst stehen sie im Schatten des Blätterdachs der Laubbäume.
Vom Gasthof zum Eibenwald führt der mit dem Logo eines Eibenzweigs gut ausgeschilderte Weg hinunter zum Wald und vorbei an den mächtigsten und ältesten Eiben. Auf dem rund einstündigen Rundweg knirscht der Schnee unter den Füßen, irgendwo auf einem Eibenast ruft eine Meise und überall im Wald gurgeln und plätschern kleine Rinnsale und Bäche mit kalkhaltigem Wasser. Die Eibe liebt Quellbereiche und steht gerne am, aber nicht im Wasser.
Einst war das nahegelegene Kloster Wessobrunn im Besitz des Paterzeller Eibenwaldes, der schon vor rund 100 Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Auch das hat zum Erhalt des Waldes mit seinen uralten Eiben beigetragen, deren Stämme sich weich und warm wie ein Fell anfühlen. Wärmende Eiben sind genau das Richtige an einem kalten Wintertag. Bald glaubt man in den knorrigen Eibenstämmen Gesichter zu erkennen.
Der Blick von Geistern und Gnomen scheint einen zu verfolgen, der Schnee hat sich auf die knolligen Nasen der Waldgeister wie eine weiße Haube gelegt. Bevor wir uns einer alten Eibe nähern, wirft Angelika Haschler-Böckle vorsichtshalber einen Blick in den hohlen Baumstamm - könnte ja sein, dass sich darin jemand versteckt hat.
Die Eiben gelten als zäh, ausgestattet mit viel Lebenskraft. Ihre immergrünen Nadeln und roten Früchte sind allerdings nur für den Menschen giftig. Für Spechte ist die Eibe dagegen ein Leckerbissen, vor allem der Eibensaft im Frühjahr. Uns schmeckt nach der Wanderung durch den Eibenwald ein Schluck Bier im Gasthof zum Eibenwald in Paterzell. Durch die großen Fensterscheiben der Gaststube blickt man auf die mächtigen Eiben vor dem Haus. Wirt Michael Deisenberger empfiehlt seine deftigen Eibenwald-Spezialitäten: das Pfeffer-Pfandl oder den Eibenwald-Holzfäller-Toast, für den aber garantiert keine Eibe ihr Leben lassen musste.

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