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Augsburger Polizistenmord Brüder sollen auch Überfälle verübt haben

Die beiden mutmaßlichen Mörder eines Augsburger Polizisten haben offensichtlich auch mehrere bewaffnete Raubüberfälle begangen. Dabei sollen die Brüder mehr als eine halbe Million Euro erbeutet haben.

Stand: 03.05.2012
Fahndungsplakat im Fall Augsburger Polizistenmord | Bild: picture-alliance/dpa

Die Ermittler verdächtigen Rudolf R. und Raimund M., 2002 ein Werttransportunternehmen in Ingolstadt, 2004 und 2008 Werttransportunternehmen in Augsburg und 2011 einen Lebensmittelmarkt in Augsburg überfallen zu haben. Laut Augsburger Staatsanwaltschaft und Polizei gingen die mutmaßlichen Täter bei den Überfällen äußerst brutal vor: Einem Opfer drohten sie es zu erschießen, einem anderen fügten sie Stichwunden zu, ein weiteres Opfer schlugen sie mit einem Teleskopschlagstock. Bei allen Raubzügen hätten die beiden Schusswaffen mit sich geführt, in zwei Fällen sogar Kalaschnikow-Maschinengewehre, berichteten die Ermittler.

Die Tat im Siebentischwald

Ein 41-jähriger Polizeihauptmeister und seine Kollegin hatten in der Nacht zum 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald versucht, zwei Männer auf einem Motorrad zu kontrollieren. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd mit einer Schießerei wurde der Beamte getroffen und erlag noch am Tatort seinen Verletzungen. Er hinterließ eine Frau und zwei Söhne. Die Polizistin wurde verletzt.

Der dringende Tatverdacht wird mit Beweisen begründet, die weitere Untersuchungen bei den Beschuldigten ergaben. So sei ein Revolver gefunden worden, der einem Wachmann bei einem Überfall gestohlen wurde. Außerdem gelangten Ermittler an Videobänder einer Überwachungskamera und Geld in Fremdwährungen, die exakt den geraubten Summen entsprechen. Auch DNA-Spuren der Täter seien sichergestellt worden.

Brüder verweigern Aussage

Die Verdächtigen im Alter von 56 und 58 Jahren befinden sich seit Ende 2011 in Untersuchungshaft. Beide schweigen zum Vorwurf, in der Nacht zum 28. Oktober 2011 einen Polizisten erschossen zu haben. Einer der Männer saß bereits einmal wegen Mordes an einem Polizisten für mehr als 19 Jahre im Gefängnis. Ein Termin für die Anklageerhebung ist noch nicht absehbar. Beim Prozess will die verletzte Polizistin als Nebenklägerin auftreten.

Mit Kriegswaffe in Kopf geschossen

Die Täter sollen bei der Tat noch brutaler vorgegangen sein als anfangs bekannt. Nach Angaben der Polizei schossen sie mit einer gezielten Maschinenpistolen-Salve auf den Polizisten, als dieser bereits schwer verletzt am Boden lag. Bei der Tatwaffe handelt es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um eine Kriegswaffe. Der Polizist wurde von mehreren Kugeln in Kopf, Hals und Unterkörper verletzt, weitere Projektile wurden durch seine schusssichere Weste abgefangen. Mindestens drei Schussverletzungen stellten sich als tödlich heraus.

Neue Straftat geplant?

Wochenlang hatte die Polizei die beiden Verdächtigen observiert, bevor sie am 29. Dezember 2011 kurzfristig zugriff. Unmittelbar vor der Festnahme hatten die Brüder offenbar eines ihrer zahlreichen Waffenverstecke aufgesucht. Die Polizei ging deshalb davon aus, dass das Duo eine neue Straftat plante - und dabei womöglich Pistolen oder Gewehre einsetzen wollte. Zeitgleich hat ein Sondereinsatzkommando den Haupttatverdächtige an einer roten Ampel in Augsburg aus seinem Auto gezogen - das die Polizei verwanzt hatte. Sein Bruder wurde in seiner Wohnung in Friedberg festgenommen.

"Die mutmaßlichen Täter waren von der polizeilichen Maßnahme vollkommen überrascht und leisteten keinen Widerstand."

Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung

40 Waffen und Gewehre in Lager

Klaus Bayerl (links), Leiter der SOKO "Spickel", zeigt ...

Die Polizei hatte in einem Versteck der Verdächtigen rund zehn scharfe Schusswaffen gefunden. Den Angaben zufolge fanden sich darunter großkalibrige Faustfeuerwaffen, drei funktionsfähige Maschinenpistolen vom Typ Kalaschnikow AK-47, diverse Magazine, umfangreiche Munition sowie insgesamt acht scharfe Handgranaten aus osteuropäischer Produktion. Das Kaliber einiger Waffen soll zu den Hülsen und Geschossen passen, die am Tatort gefunden wurden.

Als wichtigstes Beweisstück konnte die Polizei zudem eine schwarze Tasche sicherstellen, die bei dem Mord an dem Polizeibeamten am 28. Oktober 2011 im Siebentischwald eine Rolle gespielt hatte. Rechtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass sich darauf Blut des ermordeten Polizeibeamten befindet.

Weitere Festnahmen im Dunstkreis der Verdächtigen

Waffendepot im Keller der Tochter

Im Zusammenhang mit dem Polizistenmord wurden seit Anfang März drei weitere Verdächtige in U-Haft genommen.

Am Rosenmontag wurde ein 31-Jähriger festgenommen. Er soll aus der Region stammen und gegen Waffengesetze verstoßen haben. Konkret werden dem Mann "aus dem Dunstkreis" der mutmaßlichen Polizistenmörder Verstöße gegen das Kriegswaffen- und das Waffengesetz, Begünstigung, Geldwäsche und Hehlerei vorgeworfen, wie wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai sagte. Es soll sich bei dem Beschuldigten um den Ex-Freund der Tochter des Hauptverdächtigen handeln.

Auch die Tochter selbst, eine 31-jährige Arbeitslose, wurde festgenommen und sitzt nach wie vor in U-Haft. In ihrem Kellerw waren drei Kalaschnikows, Schnellfeuergewehre und acht scharfe Handgranaten gefunden worden, die den Brüdern gehören sollen. Ob die Tatwaffe darunter ist, darüber schweigt die Staatsanwaltschaft. Die Frau wussten offensichtlich von dem Waffenversteck. Bei einer Vernehmung hat sie zugegeben, mehr als 30.000 Euro aus einer der Waffenkisten genommen und in ihrer Wohnung versteckt zu haben.

Die 35-jährige Geliebte eines Verdächtigen ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Sie wird von der Polizei verdächtigt, Geld aus Überfällen der mutmaßlichen Polizistenmörder "gewaschen" zu haben. Ein fünfstelliger Betrag soll aus einem Raub in Augsburg stammen. Unter anderem soll die 35-Jährige damit in eine Immobilie investiert haben.