Bayern 1 - Mittags in Schwaben

Lauinger Hexentanz Der Winter mit der Hakennase

Hässliche Hexen mit riesigen Hakennasen toben im schwäbischen Lauingen, messen ihre Kräfte und am Ende wird sogar eins der alten Weiber (symbolisch) verbrannt. Ein uraltes Fastnachtsspiel? Von wegen. Dieser Hexentanz ist eine recht neue Erfindung.

Stand: 17.02.2012
Maske einer Winterhexe | Bild: Stadt Lauingen (Donau)

Natürlich, Fastnet wird in Lauingen an der Donau schon ewig gefeiert. In einem Erlass von 1563 ist schon von früheren Faschingsverboten die Rede. Die Geschichte reicht dabei viel weiter als 400 Jahre zurück. "Dem geht der Fasching im späten Mittelalter voraus", erläutert Bernhard Ehrhart, der Leiter des örtlichen Heimathauses. Damals sei der Fasching bürgerlich geworden und habe sich vom klerikalen Umfeld ins Leben der Laien verlagert. Umzüge, allerlei Blödsinn und das "fast sinnlose sich betrinken und vollschlagen" habe es damals schon gegeben.

Doch die tief verwurzelte Faschinglsust und das altbekannte Bild der Hexen, der alten schiachen Weiber, täuschen: Der Lauinger Hexentanz am "Gumpigen Donnerstag" ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. 1947, erzählt Ehrhart, war der erste Fasching, bei dem man wieder ansetzen konnte. Die Lauinger standen damals vor der Frage: "Was können wir machen?" Erste Ansätze mit einer nachgespielten Hexenverbrennung stießen auf scharfe Kritik. "Das ist verrückt. Ihr könnt nicht mit dieser Geschichte wieder anfangen. Das ist makaber", so beschreibt der Leiter des Heimathauses den Tenor einer Denkschrift aus dieser Zeit.

Austreibung des Winters

Dann habe man sich daran gemacht, ein neues Konzept von Fachleuten erarbeiten zu lassen. Hexenverbrennen wurde umgedeutet zum Winteraustreiben. "Im Sinn der damaligen Volkskunde hat man etwas konstruiert, das keiner angreifen konnte", fasst Ehrhart zusammen. Ab 1952 wurde das Spektakel aufgeführt und 1976 noch mal überarbeitet. Der Lauinger Heimatdichter Alois Sailer verfasste das heutige Fastnachtsspiel, bei dem Frühlingshexen gegen Winterhexen kämpfen und im Tauziehen gegeneinander antreten. Die Oberhexe wird schließlich symbolisch auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Frühling hat gewonnen.

Verbot von Fastnachtsfeiern

An der Wende zur Neuzeit wurde das mittelalterliche derbe Faschingstreiben von der Obrigkeit einzudämmen versucht. Das alte heidnische Treiben, so die Argumentation, sei eines anständigen Christenmenschen unwürdig. Vor allem in evangelischen Städten wurde die Kritik lauter. Fastnacht wurde im 16. Jahrhundert in manchen Städten verboten, so auch in Lauingen. Doch das Volk hielt sich nicht dran.