Hornschlittenrennen in Pfronten Über die Ziellinie kommen - egal wie
Hornschlittenrennen sind nicht nur eine große Gaudi für die Fahrerinnen und Fahrer, sondern auch für die Zuschauer an der Strecke. Am Faschingssamstag fand in Pfronten zum 28. Mal das Schalenggen-Rennen statt.
Im Allgäu heißen die Hornschlitten auch Schalenggen. Früher haben die Bauern im Winter auf ihren Großschlitten Heu und Brennholz von den Bergwiesen und -wäldern ins Tal transportiert. Der Verein Kappeler Schalengger lässt diese Tradition bei einem Faschingsgaudirennen weiterleben - im Pfrontener Ortsteil Kappel.
Die Strecke ist rund einen Kilometer lang und nichts für bauschwache Schlitten: Es gibt mehrere Sprünge und anspruchsvolle Kurven, die gemeistert werden wollen. Der Höhenunterschied zwischen Start und Ziel beträgt um die 200 Meter. Rund 200 Damen- und Herrenmannschaften mit je zwei Fahrern hatten sich angemeldet. Weil der Termin Jahr für Jahr der Faschingsdienstag ist, ist eine lustige Kostümierung Ehrensache für die Teams. Am Start waren nur Original-Schalenggen - ohne Bremse und Lenkhilfen; den Bauplan dazu hat der Verein auf seiner Homepage. Alle Mannschaften kamen in die Wertung, auch solche, die es nur noch mit Bruchteilen ihres Schlittens über die Ziellinie schafften. Eine besondere Herausforderung ist die Strecke für die Teams, die ihren Schlitten wie einst mit Heu und Brennholz beladen.
"Koi Schalengge isch hee woare"
Heute geht's bei den Rennen um die Gaudi, früher waren die Fahrten von den Bergwiesen ins Tal ein riskantes Unterfangen für den Fahrer und seinen Helfer. Drei bis vier Mal täglich mussten die Männer auf die Strecke, um ausreichend Material für Stall und Ofen ins Dorf zu bringen. Jahr für Jahr verletzten sich Fahrer, Schlitten gingen zu Bruch. Die Schalenggar waren immer froh, wenn sie abends sagen konnten: "Guat isch gange, koi Schalengge isch hee woare" (Alles ist gut gegangen und kein Schlitten ist kaputt gegangen).
Mitte der 1970er-Jahre, so die Vereinschronik, hatten einige Kappeler Männer am Stammtisch die Idee für ein Gaudirennen, damit die Hornschlittentradition nicht in Vergessenheit gerät. 1976 fand das erste Rennen statt, damals am Faschingsdienstag. Seit 1977 steigt das Rennen am Faschingssamstag.
Die wichtigsten Hornschlittenrennen
Garmisch-Partenkirchen
Seit 1970 steht Garmisch-Partenkirchen am Dreikönigstag Kopf. Tausende schauen jedes Jahr zu, wenn die Viererteams mit ihren Hornschlitten vom Berg ins Tal rasen. 2012 waren beim 43. Rennen 90 Schlitten gemeldet. Die Strecke ist ein Klassiker: Der "Hohe Weg" führt von der Partnachalm auf 1.200 Metern Länge über insgesamt 160 Höhenmeter hinunter ins Tal. Bei dem Rennen erreichen die Teilnehmer Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern. Dem Siegerteam bei den Männern winkt ein Preisgeld von 1.000 Euro.
Gunzesried
"Hornrar auf geht's", heißt es auch jedes Jahr im Allgäu im Gunzesrieder Tal. Mehr als 70 Hornerschlitten mit Männer- und Frauenteams flitzen dann die fast einen Kilometer lange Piste hinab. 2012 fiel das Rennen wegen Schneemangels ins Wasser.
Gaißach
Der besonders unerschrockene Rennsportler kann im oberbayerischen Gaißach seit 1928 Hörnerschlitten anderer Bauart probefahren - sogenannte Schnabler. Im Gegensatz zur Normalausgabe haben diese Gefährte keine Bremsen, frei nach dem Motto: "Ohne Deixl, ohne Brems, is des Rennats ebbas Schöns." Wegen Schneemangels musste das Rennen 2012 ausfallen.
Pfronten
Wie immer am Faschingssamstag wagten sich in Pfronten etwa 200 Draufgänger mit "Schalenggen" genannten Hornschlitten auf die Piste. Das Rennen findet stets im Pfrontener Ortsteil Kappel statt. Der Hang fürs Allgäuer Schalenggen-Rennen ist einen Kilometer lang.
Vorderhindelang
Das "Internationale Hornerrennen" des Hornervereins Ostrachtal findet traditionell auf der anspruchsvollen Strecke im Schliermoos in Vorderhindelang statt. An den Start gehen jeweils rund 70 Hornerschlitten aus dem Allgäu und Österreich. Zur Freude der Zuschauer fahren auch Original-Horner, die mit Holz und Heu beladen sind, mit. Frau Holle meinte es gut mit den Vorderhindelangern, und so konnte das Rennen am ersten Februarwochenende 2012 stattfinden.
Wertach
Traditionell wird auch in Wertach "ragschalengged", also auf gut Allgäuerisch: mit dem Schlitten einen Berg herabgefahren. Auf der Schanzbach-Abfahrt müssen die Schlittenpiloten schwierige 1,7 Kilometer bewältigen. 2012 stieg die große Schlittengaudi am ersten Februarwochenende in schönster Winterlandschaft.

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